Sudan: „Wir hoffen auf den Marshall Plan, um Erneuerbare Energien aufzubauen“

Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist - ebenso wie Elektrizität - noch immer nicht für alle Menschen im Sudan selbstverständlich. [Foto: Oxfam East Africa/Flickr]

Energie  und Wasser sind längst noch nicht für alle Menschen im nordost-afrikanischen Sudan zugänglich. Im Interview erklärt der Minister für Wasser und Energie, Mutaz Musa, was sein Land dagegen tut, warum die kritisierten Staudamm-Projekte richtig sind und wie sein Land den bürgerkriegsgeplagten Südsudan unterstützt.

Welche Energiequellen nutzt Sudan zurzeit, und wohin möchte ihre Regierung künftig bei der Energieversorgung kommen?

Sudan nutzt zurzeit vor allem Wasserkraft, 60 Prozent unseres Verbrauchs werden so produziert. Die restlichen 40 Prozent kommen aus konventionellen Energiequellen.  In den kommenden drei Jahren wollen wir den Energiemix ändern und wollen auch in erneuerbare Energie investieren – mit dem Ziel von 1000 Megawatt. Wir wollen tagsüber Solarenergie nutzen, nachts Wasserkraft.

Sudan hat gerade versprochen, alle Städte bis 2020 an das nationale Energienetz anzubinden. Wie ist die Situation zurzeit und wo sind die größten Herausforderungen?

Die Darfur Region und Süd-Kurdufan und einige wenige andere Regionen sind noch nicht angeschlossen. Aber entsprechende Verträge sind unterschrieben und die Finanzen gesichert, in den kommenden zwei oder drei Jahren sollten also alle Regionen mit Strom versorgt sein.

Gibt es einen längerfristigen Traum, was die Energieversorgung betrifft?

Wir haben einen Plan für 2031. Wenn wir unser 2020-Ziel erreicht haben, wird das für fünf Jahre dafür sorgen, dass wir uns keine Sorgen um die Energieversorgung machen müssen. Das wird uns erlauben, die folgende Dekade für 2030 zu planen – mit Kohle, Gas, Wasser-, Solar- und Windenenergie.

Welche Hoffnungen setzen Sie in andere Länder, wenn es um Unterstützung geht. Was erwarten Sie zum Beispiel vom Marshall Plan für Afrika, den Deutschlands Entwicklungsminister Müller entwickeln will.

Wir erhoffen uns vor allem Hilfen aus dem Marshall Plan, um Erneuerbare Energien aufzubauen – in Ausbildung, Technologie und Wissen. Wenn wir Know-How bekämen, wäre das wunderbar. Sollten wir auch Investitionen bekommen, wäre das perfekt.

"Afrika darf nicht nur Zuschauer bei globalen Entscheidungen sein"

Die Idee eines Marshall Plans für Afrika sei grundsätzlich gut – doch zu viel werde noch über statt mit Afrika gesprochen, kritisiert der EU-Botschafter der Afrikanischen Union Ajay Bramdeo. Im Interview spricht er über Vertrauen, die Rolle von Gesundheitspolitik in Afrikas Entwicklung und darüber, was er sich von Angela Merkel beim G20-Gipfel wünscht.

Wie steht es um die Wasserversorgung in ihrem  Land, die noch eine große? Was tut Sudan, um den Zugang zu sauberem Wasser für alle Bürger und auch Landwirte, sicherzustellen?

Wir haben verschiedenen Wasser-Quellen: Flusswasser, Grundwasser. Da wir auf Basis einer Übereinkunft den Nil, der für uns auch eine wichtige Wasserquelle ist, mit Ägypten teilen, kann uns der Fluss nur beschränkt versorgen. Noch konsumieren wir noch nicht das Maximum an Nil-Wasser, das uns vertraglich zusteht, aber bald werden wir das Level wohl erreicht haben. Insofern müssen wir neue Lösungen entwickeln.

Ihr Land hat und baut weiterhin  viele Wasserdämme zur Energieversorgung, wie etwa den Merowe-Damm etwa 350 km nördlich von Khartum, wo seit 2009 Strom produziert wird. Umweltschützer und Menschenrechtler beklagen jedoch, dass Menschen aus den Regionen vertrieben werden und die Natur dort zerstört wird.

Heutzutage sollten immer Umfragen,  Studien und Untersuchungen sicherstellen, dass solch ein Bauprogramm den Menschen letztlich ein besseres  Leben garantiert. Aber so einen Staudamm baut man nicht einfach und schut dann, was passiert. Wir achten darauf, dass  das Leben der Menschen sich durch den Dammbau nicht verschlechtern wird – sonst bauen wir ihn nicht. Wir sind nicht in Eile, sondern wollen absichern, dass die Situation und die Zukunft des Landes davon profitiert.

Dennoch: Beim Bau des Merowe-Staudamms etwa wurden rund 50.000 Menschen vom fruchtbaren Niltal in die unfruchtbare Nubische Wüste umgesiedelt. Zudem werden und wurden archäologische Stätten aus 5.000 Jahren überflutet. Das klingt nicht nach einer Verbesserung des Lebens.

Das gilt nicht für den Merowe-Damm. Die Menschen, die dort auf einem schmalen Striefen entlang des Nils leben, entschieden selbst, wohin sie umgesiedelt werden wollen. Neue Häuser wurden in ihrem neuen Zuhause gebaut, die Stromversorgung sichergestellt, Krankenhäuser und Märkte eröffnet. Das Leben dieser Menschen ist jetzt definitiv besser. Aber für ein Opfer kann man die Leute nicht entschädigen: Sie haben ihre Heimat verloren. Das kann ihnen natürlich niemand zurückgeben.

EU: Zusätzliche 165 Millionen für Ostafrika

Dürregeplagte Länder im Osten Afrikas erhalten weitere 165 Euro, so das Versprechen der Außenbeauftragten Federica Mogherini sowie der EU-Kommissare Neven Mimica und Christos Stylianides, die am 17. März Afrikas Diplomatiehauptstadt Addis Abeba besuchten. EURACTIV Brüssel berichtet.

Sie unterstützen auch den von einem nicht enden wollenden Bürgerkrieg gebeutelten Südsudan mit Elektrizität. Wie genau hilft ihr Land noch – da es ja nicht einfach ist, den jungen Nachbarstaat zu erreichen. Das von Flucht, Elend und Hunger gequälte Land zählt zu den gefährlichsten Ländern der Welt für Entwicklungshelfer.

Ja, wir liefern regelmäßig Strom in den Südsudan, besonders in die große Stadt Malakal im Norden. Diese Region ist eine der stabilsten im Land, sicher auch wegen der Stromversorgung.  Wir exportieren den Strom seit fünf, sechs Jahren in das Land, ohne bezahlt zu werden. Wir wissen, dass unsere Rechnungen nicht bezahlt werden können und machen trotzdem weiterhin. Das ist eine Verpflichtung.

Sudan versorgt den Südsudan auch mit humanitärer Hilfe. Wir haben in den vergangenen Wochen 10.000 Tonnen Lebensmittel mit andere Partnern dorthin gebracht, die logistische Hilfen vom Sudan bekommen.

Deutschland fordert Krisenfonds

Angesichts der Hungersnot in mehreren afrikanischen Ländern hat sich Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) für den Aufbau eines neuen Krisenkonzeptes und einen ständigen Krisenfonds ausgesprochen.

Riesige Mengen von ursprünglich aus dem Sudan stammenden Menschen flüchten aus dem Südsudan in unser Land, und unsere Regierung hat beschlossen, dass diese Menschen nicht wie Ausländer oder Flüchtlinge behandelt werden, sondern wie Einheimische.

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