Der Weltklimarat sieht die Menschen als Hauptverantwortliche für den Klimawandel. Zudem würden sich negativen Folgen der globalen Erderwärmung deutlich stärker auf die Meere auswirken als bislang bekannt.
Der Weltklimarat (IPCC) hat heute den Bericht der Arbeitsgruppe I über die wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels vorgestellt. Dieser Bericht stellt den ersten Teil des 5. Sachstandsberichts des IPCC dar.
Es könne davon ausgegangen werden, dass die seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts gestiegenen Temperaturen zu 95 Prozent auf die Menschheit zurückzuführen seien, sagten Delegierte des UN-Gremiums am Freitag.
Die globale Erwärmung habe sich zuletzt zwar verlangsamt, hieß es weiter. Diese Entwicklung sei vermutlich aber nur temporär. Weitere Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und das Ansteigen des Meeresspiegels machten dringend Maßnahmen zur Begrenzung des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes nötig.
Weltweit haben sich rund 200 Staaten dazu verpflichtet, bis Ende 2015 eine UN-Vereinbarung mit dem Ziel auszuarbeiten, dem Klimawandel entgegen zu steuern.
Der letzte IPCC Bericht aus dem Jahr 2007 hatte ein stetiges Voranschreiten der Erderwärmung sowie einen Anstieg des Meeresspiegels um jährlich zwei Millimeter (ab 1990) prognostiziert – mit gravierenden Folgen, vor allem für Küstengebiete. Der nun publizierte Bericht zeigt, dass der Meeresspiegel sogar noch drastischer ansteigt – um 60 Prozent mehr als zuvor angenommen.
"Der IPCC-Bericht bestätigt eindrücklich, dass wir schnell handeln müssen. Er ist eine Sturmwarnung an alle Regierungen, die klimaschädlichen Emissionen drastisch zu reduzieren", sagte Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland. "Wir müssen uns schnellstmöglich von Kohle und fossilen Energieträgern verabschieden, um den Klimawandel und dessen verheerende Folgen zu begrenzen."
Vor einer Änderung des bisherigen klimapolitischen EU-Kurses warnt Matthias Groote, SPD-Europaabgeordneter und Vorsitzender des Umweltausschusses: "Wir müssen den CO2-Ausstoß weiter reduzieren. Das Trügerische beim Kampf gegen den Klimawandel ist, dass er für die meisten Menschen nicht direkt spürbar ist, so auch in der Politik. Wenn wir jetzt handeln, sehen wir erst in 25 Jahren die ersten Ergebnisse."
Es sei weiterhin dringender Handlungsbedarf geboten, so Groote. "Wir können selbst in Deutschland sehen, wie sich in immer kürzeren Abständen Naturkatastrophen ereignen. Für uns in Europa gilt es, verbindliche Ziele für 2030 festzulegen. Die drei Hauptthemen, mit denen wir uns beschäftigen müssen sind: 1. die CO2-Reduktion, 2. die Steigerung der Energieeffizienz und 3. der Ausbau von erneuerbaren Energien. Wir dürfen nicht von unserem Weg abkommen, denn der IPCC Bericht zeigt, dass es dafür keinen plausiblen Grund gibt."
Rebecca Harms, Vorsitzende der Grünen/EFA-Fraktion, sagte: "Der neue IPCC-Bericht bestätigt, was wir eigentlich schon längst wissen. Mittlerweile ist kaum mehr zu bezweifeln, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Die Polkappen und Permafrostböden schmelzen, die Meere werden wärmer und saurer und der Meeresspiegel steigt." Wer sich von dem Bericht Entwarnung erhofft hatte, wurde enttäuscht, sagte Harms.
Harms fordert: Die "unerträgliche Blockade" der EU-Klimapolitik müsse ein Ende haben. "Der dahinsiechende Emissionshandel muss durch strukturelle Maßnahmen gestärkt werden. Nur so kann dieses wichtige europäische Klimainstrument Anreize für grüne Innovationen setzen. Die Regulierung des CO2-Ausstoßes von Autos muss verabschiedet werden. Es kann nicht sein, dass die deutsche Kanzlerin den Kompromiss aufhält, dem Parlament und die Mehrheit der Mitgliedsstaaten zustimmen, weil sie die deutschen Premiumhersteller schützen will. Und wir brauchen ehrgeizige Ziele für Emissionsminderungen, Erneuerbare Energie und Energieeffizienz für 2030. Das verschafft der Industrie Investitionssicherheit und sorgt dafür, dass die EU bei den internationalen Klimaverhandlungen wieder zu einer treibenden Kraft wird."
Holger Krahmer, umweltpolitischer Sprecher der FDP im EU-Parlament, sagte: "Die wissenschaftliche Zuarbeit von Wissenschaftlern zum Klimawandel bringt bislang keine abschließenden Erkenntnisse, statt dessen wächst sogar die Unsicherheit bezüglich bislang als sicher geglaubter Ansichten." Es sei nicht logisch, dass das IPCC zwar einerseits die vermutete Wirkung von CO2 auf das Klima herabstuft, andererseits keine der Schlussfolgerungen zum menschlichen Einfluss auf das Klima ändert. "Wissenschaft sollte im Interesse der eigenen Glaubwürdigkeit Unsicherheiten und Unerklärbares nicht verschweigen", so Krahmer.
EURACTIV/rtr/dto
Links
IPCC: Press Release Human influence on climate clear, IPCC report says (27. September 2013)

