Polen: Meister der Energieeffizienz?

Polen hat wiederholt Versuche der EU abgeblockt, ein CO2-Reduktionsziel für 2050 zu verabschieden. Gleiches gilt für jedwedes post-2020-Ziel. Foto: dpa

Kaum ein Umweltschützer würde Polen als Vorreiter in Sachen Energieeffizienz bezeichnen. Nun scheint sich Warschau – bislang stärkster Gegner der CO2-Sparziele der EU – neu zu positionieren.

Die Energieziele bis 2030 werden derzeit in Brüssel heiß diskutiert. Ein "Orientierungstreffen" von EU-Kommissaren am 13. Februar soll vorläufige Ergebnisse für das noch folgende Green Paper liefern.

Die Energieeffizienz-Ziele drohen allerdings unter den Tisch zu fallen. Der Grund: Einige große Mitgliedsstaaten drängen auf ein Reduktionsziel allein für CO2-Emissionen.

"Ich weiß nicht was unsere offizielle Position in Bezug auf eine Zahl ist, aber Energieeffizienz ist zweifellos unser Lieblingswerkzeug bei der Klima- und Energiepolitik", erklärt ein polnischer Beamter des Umweltministeriums gegenüber EURACTIV.

Warschau bereitet derzeit seine Antwort auf die Vorgaben der EU-Kommission zum EU-Emissionshandel (Emission-Trading-System, kurz ETS) vor. Ein separates Niedrig-Emissions-Programm für die Industrie soll am Ende des Jahres vorgestellt werden.

Während der Gewinn bei anderen Klimazielen geringer ausfällt, gibt es in Polen klare wirtschaftliche Argumente für Energieeinsparungen: Sie steigern die Energieunabhängigkeit und verringern gleichzeitig die Kosten für die Industrie, die Strompreise und letztlich auch die Energiepreise.

Warschau kann zudem Verbesserungen in der Energieeffizienz nachweisen, so die Internationale Energieagentur (IEA). Die Energieverbrauchsrate sank zwischen 1990 und 2009 jährlich um 3,6 Prozent als Folge des Industrieabbaus seit Ende der Sowjetunion.

Die IEA kritisiert zwar Polens Engagement beim Nachhaltigen Bauen, das Land hat aber ein Programm für Weiße Zertifikate für Einsparungen bei der Versorgungswirtschaft vorgelegt und 150 Millionen Euro Energieeffizienz-Darlehen bei der Europäischen Entwicklungsbank aufgenommen.

Dennoch hat Polen wiederholt Versuche der EU abgeblockt, ein CO2-Reduktionsziel für 2050 zu verabschieden. Gleiches gilt für  jedwedes post-2020-Ziel. Umweltschützer betrachten das Land daher als Trojanisches Pferd, das die Klimastrategie der EU auseinander nehmen will.

"Es ist einfacher ein Energieeffizienz-Ziel in Polen zu verkaufen, das Kosten verringert und die Energieunabhängigkeit steigert, ohne das dies notwendigerweise zu den gleichen Investitionen wie bei den Erneuerbare Energien führt", so Brook Riley, Sprecher von Friends of the Earth Europe, gegenüber EURACTIV.

"Aber für uns steht fest, dass die Energieeffizienz in einem Gesamtpaket kommen wird." Es könne nicht einzeln behandelt werden.

Eindeutige Signale

Warschau muss sich noch beim Thema der Energiesparziele für 2030 positionieren, aber die Signale sind eindeutig – auch wenn sie derzeit nur inoffiziell kundgetan werden.

"Selbstverständlich gilt unsere Priorität aufgrund unserer Wirtschaftsstruktur der Energieeffizienz", erklärte ein Regierungsbeamter des Wirtschaftsministeriums gegenüber EURACTIV. Die Unterstützung für ein 2030-Ziel sei jedoch eine heikle Frage, die momentan besprochen wird.

"Wir sind nicht gerade glücklich über den fehlenden Ehrgeiz bei der aktuellen Regulierung", so eine andere hochrangige Quelle.

EURACTIV.com

Links

EURACTIV Brüssel: Poland positions itself as energy efficiency champion (6. Februar 2013)

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