Ökobilanz von Gebäuden: Mehr als Energieeffizienz

Bei der Ökobilanz eines Gebäudes soll nicht mehr nur die Energieeffizienz betrachtet werden. Die EU-Kommission prüft mögliche neue Kriterien (Standort, Baumaterialien, Wasser, Müllentsorgung) für künftige Zertifizierungen. Foto: dpa

Für den Gebäudesektor zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: Anstatt allein auf die Energieeffizienz von Gebäuden zu achten, könnten bei Zertifikaten künftig auch die Verwendung nachhaltiger Baumaterialien, der Wasserverbrauch oder die Abfallentsorgung berücksichtigt werden.

Die Europäische Kommission hat vor wenigen Tagen die öffentliche Konsultation zu nachhaltigen Gebäuden (Sustainable Buildings) gestartet. Gebäude sind für etwa 40 Prozent des Energieverbrauchs in Europa verantwortlich. Noch bis zum 1. Oktober sammelt die Kommission Standpunkte und weiterführende Informationen "zur möglichen Einführung EU-weiter Maßnahmen für eine bessere Ökobilanz von Gebäuden". Im Fokus stehen "der Ressourcenverbrauch und damit verbundene Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden". Die Konsultation konzentriert sich auf Definitionsfragen und mögliche politische Handlungsoptionen. Es wird erwartet, dass die Kommission Anfang 2014 eine Mitteilung zum Thema veröffentlichen wird.

"Wir sind ziemlich begeistert, dass die Kommission über die Energieeffizienz hinaus gehen will. Es wäre eine verpasste Gelegenheit, wenn Gebäude nur aus Sicht der Energieeffizienz reguliert würden", sagte James Drinkwater, Politikberater beim World Green Building Council (WGBC), zu EURACTIV Brüssel. Die Ergebnisse der Konsultation könnten die Basis für neue Energie- und Umweltzertfikate für Gebäude bilden. "Wir sollten einen Ökobilanz-Standard einführen und dabei ein Punktesystem für die verschiedenen Bereiche einer Gebäudebilanz entwickeln", so Drinkwater.

Die Kommission wird das Thema der Ressourceneffizienz breiter als bisher fassen, hatte Pavel Misiga aus der Umweltabteilung der EU-Kommission bereits Ende Juni angekündigt. Die Mitteilung der Kommission werde auch den Wasserverbrauch, die Baumaterialien, die Abfallentsorgung und die sogenannte "graue Energie" berücksichtigen, also den gesamten Energieverbrauch beim Entstehen eines Gebäudes. Die CO2-Bilanz eines Gebäudes sollte über seinen gesamten Lebenszyklus hin betrachtet werden. Dabei würde dann auch die Ökobilanz der Baumaterialien – vom Abbau bis zur Entsorgung – einbezogen oder der Standort des Gebäudes, z.B. die Nähe zum öffentlichen Nahverkehr.

EURACTIV Brüssel

EURACTIV Brüssel: EU green buildings debate moves beyond energy efficiency (17. Juli 2013)

Links

Kommission: Consultation on Sustainable Buildings

WGBC: European Commission Consults on Sustainable Buildings Policy (10. Juli 2013)

Zum Thema auf EURACTIV.de

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