EU-Energiekommissar Günther Oettinger ist für die Realisierung des Nabucco-Projekts optimistisch. Die Katastrophe von Fukushima und die wachsenden Zweifel an der Atomkraft hätten die europäische Gas-Pipeline wahrscheinlicher gemacht.
"Eigentlich ist durch Fukushima Nabucco wahrscheinlicher geworden", sagte Günther Oettinger am Montag am Rande der "Handelsblatt"-Jahrestagung zur Energiewirtschaft.
Eine mögliche Partnerschaft des RWE-Konzerns mit Gazprom steht dem EU-Energiekommissar zufolge dem Projekt indessen nicht entgegen. "Ich baue darauf, dass RWE an Bord bleibt und trotzdem die Partnerschaft mit Gazprom erprobt wird", so Oettinger.
Zuletzt waren neue Zweifel aufgekommen, nachdem RWE erklärt hatte, mit Gazprom über eine Partnerschaft im Kraftwerksbereich zu verhandeln. Der russische Staatskonzern betrachtet Nabucco als Konkurrenz und plant mit South Stream eine eigene Röhre zum Südosten Europas.
In seinem Vortrag während der Konferenz hatte Oettinger erneut die Notwendigkeit der Diversifizierung der Energieversorgung Europas betont. Nach der Havarie im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hatte Deutschland den beschleunigten Atomausstieg beschlossen, auch in anderen Ländern Europas wuchsen die Zweifel an der Kernenergie. Vor allem Gas soll die fehlende Energie aus Atomkraft ersetzen.
Das Projekt Nabucco ist Europas Versuch, der Erdgasabhängigkeit von Russland zu entgehen. Von 2014 an soll Erdgas vom Kaspischen Meer unter Umgehung Russlands bis nach Österreich transportiert werden. Der Bau wird seit 2002 geplant und soll knapp 8 Milliarden Euro kosten. Oettinger rechnet allerdings mit Mehrkosten. "Von Wien bis zum Schwarzen Meer kostet das 10 Milliarden Euro oder mehr", sagte er.
Ab 2019 soll die Leitungskapazität voll ausgeschöpft sein und 31 Milliarden Kubikmeter Erdgas sollen dann nach Europa fließen.
EURACTIV.com/dto
Ein englischsprachiger Beitrag zum Thema erschien auf EURACTIV.com
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