Oettinger kritisiert hohe deutsche Strompreise

"Deutschland hat die zweithöchsten Strompreise in Europa – vor allem wegen der hohen Steuern und der Abgabe für erneuerbare Energien", erklärt Günther Oettinger. Foto: EC

Günther Oettinger kritisiert die hohen Strompreise in Deutschland. „Das kann so nicht weitergehen“, sagt der EU-Energekommissar, denn damit würden Verbraucher überfordert und die Wirtschaft geschädigt.

Im Interview mit der "Bild"-Zeitung erklärt Günther Oettinger, dass Deutschland in Europa die zweithöchsten Strompreise hat. "Vor allem wegen der hohen Steuern und der Abgabe für erneuerbare Energien. Das kann so nicht weitergehen, weil wir damit die Verbraucher überfordern und die Wirtschaft schädigen."

Zudem verlangt der EU-Energiekommissar eine Deckelung der Umlage für erneuerbare Energien. "Sonst laufen die Kosten für Verbraucher und Wirtschaft aus dem Ruder." Wenn im Herbst die neue Höhe der Umlage festgelegt werde, müsse noch einmal über eine Deckelung geredet werden. "Der Ausbau der Solar- und Windenergie muss an den Ausbau von Leitungsnetzen und Speicherkraftwerken gekoppelt werden. Es macht keinen Sinn, noch deutlich mehr Wind- und Sonnenenergie zur produzieren, wenn man nicht genügend Leitungen hat, um sie zum Verbraucher zu bringen", so Oettinger.

Im Oktober wird die Umlage für alle Verbraucher für die Förderung von Strom aus Wind, Wasser oder Sonne für 2013 veröffentlicht. Es wird mit einem Anstieg auf über fünf von derzeit knapp 3,6 Cent pro Kilowattstunde gerechnet. Das würde jährlich für den Durchschnittshaushalt einen Aufschlag von etwa fünf bis sechs Euro pro Monat auf den Strompreis bedeuten.

Allerdings sinken trotz des Ausstiegs aus der Atomenergie an der Börse die Strompreise. Sie haben laut Industrieverband VIK den tiefsten Stand seit über zwei Jahren erreicht, was auch auf den wachsenden Anteil von Ökostrom zurückzuführen ist. Eine Weitergabe dieses niedrigeren Preises an die Endkunden könnte die Kosten durch den Aufschlag dämpfen. Große Teile der Industrie sind von der Ökostrom-Umlage befreit.

EURACTIV/rtr/dto

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