Oettinger: Fracking eine Chance geben

Günther Oettinger Oettinger rät zum Fracking. Foto: EC

Die umstrittene Fracking-Technologie zur Förderung unkonventioneller fossiler Brennstoffe sorgt für Euphorie in der US-Industrie. Deutschland sollte der Technologie eine Chance geben, sagt EU-Energiekommissar Günther Oettinger.

"Ich rate dazu, sich alle Optionen [bezüglich des Frackings] offen zu halten… die [den russischen Präsidenten Vladimir] Putin nervös machen", sagte Günther Oettinger am Dienstag (3. September 2013).  Der Energiekommissar spielte damit auf die Unterschiede in der Fracking-Gesetzgebung unter den EU-Mitgliedsstaaten an. Derzeit wird in der EU die Förderung von Schiefergas trotz seines Potenzials nicht im großen Stil verfolgt. Gleichzeitig steigen die Gasimporte und Russland bleibt der größte Einzellieferant.

Berlin hat seine Pläne zur Regulierung von hydraulischem Fracking auf die Zeit nach den Wahlen im September verschoben. Der Grund sind Umweltbedenken, die das bisherige Entwicklungsvorhaben bremsen.

Beim Fracking werden Wasser und Chemikalien unter Hochdruck in tausend Meter tiefe Erdschichten gepresst, um Gas freizusetzen. In den USA führte dies zu einem industriellen Aufschwung, die Energiepreise sanken.

Oettinger verteidigte die Ausnahmeregelungen, die Deutschland seiner Industrie bei den Energieausgaben einräumt. Diese gelangten in den Fokus einer EU-Untersuchung, als sich Nachbarstaaten und deutsche Verbrauchergruppen über die mutmaßlichen Wettbewerbsverzerrungen beschwerten.

"Wenn die Industrie fortbestehen möchte, braucht sie Ausnahmeregelungen [bei den Energieausgaben]", sagte Oettinger. Weitere Einschränkungen der Industrie, wie sie die Grünen vorschlagen, hält er für "abenteuerlich". Zudem warnte er davor, dass große Industrieunternehmen ihren Standort außerhalb von Europa ansiedeln würden.

Für bedenklich hält Oettinger das Risiko bei der EU-Klimapolitik, zu viel in Forschung zu investieren. Denn die Union sei nur zu einem geringen Teil am weltweiten Emissionsausstoß beteiligt.

Die EU-Kommission wird voraussichtlich Ende des Jahres ihre Klimaschutzrichtlinien bis 2030 vorstellen. Oettinger riet zur Vorsicht: "Es wird immer fraglicher, ob wir unsere Vorreiterrolle auch finanzieren können, wenn der Rest der Welt unserem Beispiel nicht folgt."

EURACTIV.com/kagl

Links

EURACTIV Brüssel: Oettinger advises Germany on fracking, warns of climate overacting (4. September 2013)

EURACTIV Yellow Paper: Hydraulic Fracturing (Juni 2012)

Mehr zum Thema unter EURACTIV.de:

Cameron will Fracking (13. August 2013)

Altmaier über Fracking: "Risiko noch zu groß" (1. Juli 2013)


Unkonventionelles Gas: Wie können Energiesicherheit und Umweltschutz verbunden werden?
(15.03.2013)

BUND: Schiefergasproduktion – Segen oder Fluch?

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