„Nabucco hat Probleme“

Europa will unabhängiger von russischem Gas werden. Im Bild: Ölförderanlagen in Aserbaidschan. Das Land gilt für den Westen als Schlüsselpartner bei Energielieferungen vom Kaspischen Meer. Foto: dpa

Das Gaspipeline-Projekt Nabucco wackelt: Der ungarische Energiekonzern MOL will keine weiteren Mittel zur Verfügung stellen. Nun prüfen die beteiligten Unternehmen, ob sich auch eine kleinere Lösung „Nabucco West“ rechnen würde.

Da die Finanzierung des Projekts nicht vertretbar sei, habe der Konzern dem Budget für 2012 nicht zugestimmt, teilte MOL am Dienstag mit. Das ungarische Unternehmen ist neben dem österreichischen Versorger OMV und der deutschen Energiekonzern RWE an Nabucco beteiligt. RWE wollte sich nicht äußern.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hatte den Ausstieg bereits am Montag in Brüssel angekündigt: "Nabucco hat Probleme. Ich bin kein Experte für die Details, aber was ich gesehen habe, ist, dass sogar das ungarische Unternehmen MOL das Projekt verlassen wird", sagte Orbán.

Der Frankfurter Allgemeine Zeitung zufolge prüfen die an Nabucco beteiligten Unternehmen derzeit, ob sich auch eine kleinere Lösung "Nabucco West" rechne. Dies würde das Gas nur noch von der bulgarisch-türkischen Grenze bis nach Österreich befördern, berichtete die Zeitung unter Berufung auf EU-Diplomaten.

Die Pipeline soll die Abhängigkeit Europas von seinem wichtigsten Gaslieferanten Russland drastisch verringern. Zuletzt verteuerte und verzögerte sich das Projekt jedoch. Durch die Nabucco-Pipeline soll Gas aus Ländern wie Aserbaidschan, Turkmenistan und dem Irak über die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich strömen.

Nach mehrfachen Planänderungen soll der Nabucco-Bau 2013 beginnen, erstes Gas soll 2017 strömen. Bislang sind Baukosten von 7,9 Milliarden Euro veranschlagt, Kreisen zufolge könnten die Kosten aber auf bis zu 15 Milliarden Euro steigen. MOL hat sich in den letzten anderthalb Jahren oft skeptisch zu dem Projekt geäußert. Zu dem Nabucco-Konsortium gehören auch die türkische Botas, BEH aus Bulgarien und die rumänische Transgaz.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hatte im August 2011 noch erklärt, dass Nabucco durch die Katastrophe von Fukushima und die wachsenden Zweifel an der Atomkraft wahrscheinlicher geworden sei (EURACTIV.de vom 30. August 2011).

EURACTIV/rtr/dto

Links

EURACTIV Brüssel: Nabucco suffers friendly fire from Budapest (24. April 2012)

Presse

FAZ: Erdgas-Pipeline Nabucco steht zur Disposition (24. April 2012)

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