Die Kommission will die EU-Regeln zur biologischen Landwirtschaft umgestalten. Es geht dabei auch um eine Überprüfung der Zertifizierungsstandards und eine Beurteilung möglicher Risiken durch gentechnisch manipulierte Nutzpflanzen.
Die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2013 (Common Agricultural Policy, CAP) wurde am 26. Juni von EU-Parlament, Rat und Kommission beschlossen und soll planmäßig 2014 in Kraft treten. Man einigte sich darauf, dass Biobauern weitgehend von Veränderungen ausgeschlossen bleiben. Viele Umweltgruppen drückten ihre Bestürzung darüber aus, dass die künftige CAP in ihren Forderungen nicht noch weiter geht, um konventionelle Bauern zu zwingen, natürliche Anbauweisen zu übernehmen.
Die Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IOFAM) begrüßte die bevorstehenden Pläne, da sie Potenzial zur Stärkung des Sektors hätte. Während des 7. Europäischen Bio-Kongresses im Juli in Vilnius, sagte Cristopher Stopes, Präsident der IFOAM EU, die Überprüfung der Gesetze, politischen Hintergründe und Rahmenbedingungen für biologische Lebensmittel und Landwirtschaft gebe die Möglichkeit für neue Erfolge im biologischen Sektor.
Stopes spricht sich dafür aus, dass Prinzipien und Werte federführend sein sollten, um die Entwicklung der Regularien weiter auszubreiten – "mehr Land biologisch bewirtschaften, mehr biologische Nahrungsmittel für alle europäischen Bürger". Dieser starke Ehrgeiz hänge von Innovation und gut fundierter Entwicklung ab. Ein neuer biologischer Aktionsplan könne laut Stopes als Fundament dafür dienen, während die neue CAP realisiert und neue Gesetzesvorschläge für biologische Regulierungen gemacht werden.
Umfassender Ablaufplan
Im Konzept, das im September vorgestellt wird, werden Leitlinien für die Durchsetzung und Überwachung der Zertifizierung und Kennzeichnung von biologischen Nahrungsmitteln erwartet. Auch sollen internationale Standards im Handel der biologischen Produktion gesetzt werden. Die Auswirkungen von gentechnisch verändertem Saatgut auf die biologische Produktion, vor allem Methoden wie die Kreuzbefruchtung, sollen als ein Hauptanliegen der Bio-Produzenten geklärt werden.
Biologischer Anbau dennoch marginal
Allerdings bleibt der Bio-Anbau trotz seiner politischen Wichtigkeit und mehrerer nationaler Unterstützungsprogramme nur ein kleiner Sektor in der europäischen Landwirtschaft. Etwa 10,6 Millionen Hektar, das entspricht 2,2 Prozent des Ackerlands in der EU, wurden 2011 nach einer Studie des FiBL, dem Forschungsinstitut für biologischen Anbau, biologisch betrieben.
Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft ist im biologischen Anbau der Gebrauch von Dünger und Insektenvernichtungsmitteln für den Ackerbau und Antibiotika für die Viehzucht stark eingeschränkt. Gentechnisch manipulierte Nutzpflanzen sind verboten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Wechselwirtschaft und dem Anbau einheimischer Pflanzen, um die Qualität des Bodens zu schützen. Den Nutztieren steht mehr Bewegungsfreiheit zu und sie erhalten Futtermittel aus biologischem Anbau.
Möchte ein Bauer seine landwirtschaftliche Produktion „biologisch“ zertifizieren, müssen seine Anbau- und Bewirtschaftungsmethoden mit den EU-Richtlinien übereinstimmen.
EURACTIV.com
Links
EURACTIV Brüssel
Commission looks at possible revamp of organic farming legislation
CAP 2014-2020: A long road to reform
Internationale Organisationen
Forschungsinstitut für biologischen Anbau FiBL: Statistiken zum Bio-Anbau
IFOAM EU: 7. Europäischer Bio-Kongress (eng.)
Organic News Community: 7. Europäischer Bio-Kongress in Vilnius

