„Klimapolitische Geisterfahrt in der Verkehrspolitik“

Dem europäischen Fachverband Transport und Umwelt (T&E) zufolge belegt Deutschland beim durchschnittlichen CO2-Ausstoß von neu zugelassenen Pkw unter den 27 EU-Mitgliedsstaaten einen der letzten Plätze. Foto: dpa

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirft der Bundesregierung vor, den Kauf von Pkw mit hohem CO2-Ausstoß zu fördern. Deutschland betreibe „die weltweit absurdeste Förderpolitik für klimaschädliche Pkw“. Dies sei nicht nur eine Belastung für die Umwelt, sondern bedeute auch höhere Kosten für die Bürger.

Dem europäischen Fachverband Transport und Umwelt (T&E) zufolge belegt Deutschland beim durchschnittlichen CO2-Ausstoß von neu zugelassenen Pkw unter den 27 EU-Mitgliedsstaaten einen der letzten Plätze. Schlechter sind lediglich Zypern, Bulgarien, Litauen und Estland.

Schuld an der schlechten Platzierung sei die "klimapolitische Geisterfahrt in der Verkehrspolitik" der Bundesregierung, so der Bundesgeschäftsführer der DUH Jürgen Resch. Er kritisierte am Mittwoch (18. Juli 2012) in Berlin die aktuelle deutsche Pkw-Besteuerung.

Diese fördere den Kauf von Autos mit hohem CO2-Ausstoß und hohem Spritverbrauch. Das sei nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern würde auch den Geldbeutel der Bürger belasten.

Bis zu 58 Prozent des Kaufpreises von Firmenwagen werden aktuell vom Staat zurückerstattet – egal wie hoch der Schadstoffausstoß ist. Das bedeutet in der Realität: Je höher Motorisierung und Spritverbrauch, desto höher der erstattete Förderbeitrag. Das hieße beispielsweise beim Kauf eines Audi A8, der einen vergleichsweise hohen CO2-Ausstoß von 277g pro Kilometer hat und 138.300 Euro kostet, eine Rückerstattung von bis zu 80.214 Euro über sechs Jahre.

Nachbarländer wie Frankreich oder die Niederlande schaffen laut DUH aktiv Anreize für den Kauf umweltfreundlicher Fahrzeuge. Dort gebe es ein Bonussystem beim Kauf spritsparender und emissionsarmer Autos.

Für ein Hybridauto wie einen Toyota Prius erhält man in Frankreich einen Bonus von 2.000 Euro. Die Zulassung eines Pkw mit mehr als 140g CO2/km wird mit einem Malus von bis zu 3.600 Euro “bestraft“.

Die DUH kritisierte zudem die deutsche Zulassungsgebühr, die für Pkw mit niedrigem und hohem Ausstoß einheitlich 30 Euro beträgt. In anderen Staaten würden für Autos mit hohen CO2-Emissionen deutlich höhere Beträge fällig. In Dänemark, so Resch, müsse man für eine Luxuslimousine bei der Zulassung 249.000 Euro zahlen. Für einen spritsparenden Wagen hingegen lediglich einen vierstelligen Betrag. Das Land belegt mit einem Mittelwert von 127g CO2/km auf der Rangliste von T&E Platz eins.

Die DUH fordert nun eine Reform der Pkw-Besteuerung und schlägt ein Bonus-/Malus-System nach französischem Modell vor. Außerdem soll der Kaufpreis eines Wagens nur dann zu 100 Prozent absetzbar sein, wenn der CO2-Ausstoß unter 120g pro Kilometer liegt.

Aline Heidemann

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren