Helios: Solarstrom aus Griechenland für Europa

Griechenland setzt große Hoffnungen in die Solarindustrie. Im Bild: Photovoltaikanlage in Deutschland. © Rainer Sturm / PIXELIO

Griechenland will mit „Helios“ den größten Solarpark Europas aufbauen. Bis 2050 soll die Kapazität so ausgeweitet sein, dass 10 Gigawatt Solarstrom exportiert werden können. Für Deutschland kommt der Import griechischer Sonnenenergie allerdings nicht infrage, hat die Bundesregierung klargestellt.

Die Bundesregierung hat in Griechenland Hoffnungen auf eine Hilfe beim Ausbau der Solarindustrie gedämpft. Umwelt-Staatssekretär Jürgen Becker machte am Dienstag (3. April) deutlich, dass für Deutschland der Import von griechischer Sonnenenergie derzeit nicht infrage komme. Priorität habe der Ausbau der erneuerbaren Energien im Inland, sagte Becker auf einer Konferenz in Athen. Er verwies zudem darauf, dass der Einkauf von Solarenergie aus Griechenland momentan viel zu teuer wäre, da der Staat dort den Betreibern von Solaranlagen erheblich höhere Preise garantiere. "Gegenwärtig ist der Solarstrom trotz der deutlich höheren Sonneneinstrahlung in Griechenland fast doppelt so teuer wie in Deutschland", erläuterte Becker.

Die Regierung in Athen muss seinen Worten zufolge erst noch die Grundlagen dafür schaffen, dass ausländische Unternehmen angezogen werden. "Wenn wir in Griechenland einen Markt für erneuerbare Energien schaffen, ergeben sich dadurch auch neue Investitionsperspektiven für deutsche Unternehmen der Branche", führte Becker aus.

Der Staatssekretär erteilte auch der Idee eine Absage, Deutschland könne seine Solarförderung auf Sonnenstromimporte ausdehnen. Die Einspeisevergütungen seien gerade gesenkt worden, um die Kosten der erneuerbaren Energie für die Verbraucher auf einem vernünftigen Niveau zu halten. "Vor diesem Hintergrund wäre eine weitere Belastung der Verbraucher durch eine Öffnung des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes für Solarimporte kaum zu rechtfertigen", sagte Becker.

An der Konferenz nahmen auch der griechische Energieminister Giorgos Papakonstantinou sowie EU-Energiekommissar Günther Oettinger teil. Der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg pries das Projekt als "Riesen-Chance für Griechenland und andere EU-Länder". Griechenland könne Wachstum schaffen, während die anderen Staaten Solarenergie günstig importieren könnten. Dazu müssten allerdings noch die Übertragungsnetze ausgebaut werden. "Mit der jetzigen Infrastruktur könnte Griechenland den massiven Stromfluss von Helios nicht bewerkstelligen", sagte Oettinger.

Ausbaupläne für Helios

Das nach dem antiken griechischen Sonnengott benannte Solarprojekt "Helios" setzt ausgesprochen ehrgeizige Ziele. Demnach soll die griechische Jahresproduktion für den Export zunächst bis 2020 auf 2,2 Gigawatt (GW) gesteigert werden und dann bis 2050 auf zehn GW. Im vergangenen Jahr waren es noch lediglich 206 Megawatt. Der Anteil der Solarenergie an der Stromerzeugung ist in Griechenland bislang vernachlässigbar.

Kritik an Helios

Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament, warnte davor, bei der Wiederbelebung der griechischen Wirtschaft falsche Schwerpunkte zu setzen. "Bevor mittelfristig mit Projekten wie Helios auch der Export von Regenerativem Strom angesteuert werden kann, muss zuerst der Einstieg in eine griechische Strategie der Erneuerbaren Energien verwirklicht werden. Europäische Mittel sollten verfügbar gemacht werden für erneuerbare Erzeugungskapazitäten, für entsprechende Netzinfrastruktur und für die Verwirklichung von Effizienzzielen", so Harms.

EURACTIV/rtr

Links

BMU: Helios-Projekt im Mittelpunkt von Energiekonferenz in Athen (3. April 2012)

EU-Kommission: Rede von Günther Oettiner zum griechischen Solarprojekt Helios (3. April 2012, englisch)

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