Gaspipeline-Deal: Türkei und Aserbaidschan für TANAP

Mehrere Konsortien bemühen sich um den Zuschlag für den Bau von Pipelines, um aserbaidschanisches Erdgas vom Kaspischen Meer durch die Türkei in die EU zu leiten. Foto: Nabucco-pipeline.com

Die Türkei und Aserbaidschan haben eine Regierungsvereinbarung zum Bau der transanatolischen Gaspipeline TANAP unterschrieben. Das Shah Deniz Konsortium sorgte allerdings mit einer weiteren Pipeline-Entscheidung für Aufatmen bei Nabucco – und Enttäuschung bei BP.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev haben am Dienstag (26. Juni) zwei Regierungsabkommen zur transanatolischen Gaspipeline TANAP unterschrieben.

Mit den beiden Verträgen haben die an TANAP beteiligten Unternehmen das Recht, eine Pipeline zu bauen, die aserbaidschanisches Erdgas über 2.000 Kilometer durch die Türkei an die bulgarische Grenze führen soll. Baubeginn ist für Ende 2013, Anfang 2014 geplant.

Teilverbindung "Ost"

Das Projekt der aserbaidschanischen Gasgesellschaft Socar und der türkischen Botas soll 5,6 Milliarden Euro kosten. Es ist damit günstiger und kleiner als das Konkurrenz-Projekt Nabucco. Nabucco hatte bisher den Vorteil, dass es das einzige Projekt war, das über eine Regierungsvereinbarung zwischen dem Förderland und dem Transitland abgesichert war.

TANAP soll Erdgas vom aserbaidschanischen Gasfelds Shah Deniz II bis an die Grenze der EU führen. Shah Deniz II soll in vier Stufen ausgebaut werden und ab 2017 Gas liefern. Im Jahr 2020 soll die TANAP-Kapazität 16 Milliarden Kubikmeter betragen. Davon sollen 10 Milliarden Kubikmeter Erdgas an die EU durchgeleitet und verkauft werden, sechs Milliarden Kubikmeter Erdgas will die Türkei selbst abkaufen und nutzen. Im Jahr 2026 soll die volle Pipeline-Kapazität von 31 Milliarden Kubikmetern erreicht werden.

"Die Regierungsvereinbarung zu TANAP bedeutet nicht automatisch das Aus für Nabucco", sagte eine Kommissionsvertreterin am Donnerstag gegenüber EURACTIV.de. Allerdings habe TANAP mit dieser Regierungsvereinbarung den bisherigen Vorteil für Nabucco ausgeglichen. Für die Kommission sei entscheidend, dass ab 2018 Erdgas vom Kaspischen Meer in die EU geleitet werde. "Wer die Leitung baut und ob diese Pipeline Nabucco heißt, ist uns egal", hieß es aus der EU-Kommission.

Die Kommission habe zunächst Nabucco unterstützt, weil es das erste Transitprojekt durch die Türkei war. "Mit den Standards, die wir während der Nabucco-Verhandlungen gesetzt haben, haben wir den Südlichen Gaskorridor geöffnet." Die Regierungsvereinbarung zu TANAP sei letztlich eine Kopie der Regierungsvereinbarung zu Nabucco.

Mit dem international einklagbaren Recht seien die beteiligte Unternehmen abgesichert (Investitionssicherheit). Für die EU-Kommission wiederum sei die politische Absicherung wichtig, damit die Türkei keine "zweiten Ukraine" werde, wo der Gastransit von Russland in die EU in Streitfällen unterbrochen wurde.

Die finalen Entscheidungen über Gaslieferungen und die Transitrouten vom Erdgasfeld Shah Deniz II im Kaspischen Meer bis in die EU fallen aber erst Ende Juni 2013. Bis dahin will das Shah Deniz Konsortium die endgültige Pipeline-Route festlegen und die Gaslieferverträge abschließen.

Teilverbindung "West"

Das Nabucco-Konsortium musste auch um eine zweite Teilausschreibung des strategischen Pipeline-Projekts bangen. Das Shah Deniz Konsortium entschied sich allerdings am Donnerstag (28. Juni) überraschend für "Nabucco West". Damit darf Nabucco die Teilstrecke von der türkisch-bulgarischen Grenze bis nach Westeuropa (Baumgarten in Österreich) bauen. Die Pipeline "Nabucco West" setzte sich im Wettstreit mit der südosteuropäische Gaspipeline SEEP von BP durch.

Michael Kaczmarek


EURACTIV Brüssel:
Gas pipeline deal sidelines original Nabucco project (27. Juni 2012)

Links

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