Fokus auf Europas Strom- und Gasinfrastruktur

Ausnahmezustand in Europa: Die seit Ende Januar anhaltende Kältewelle hat allein in Rumänien (siehe Foto) bisher 74 Menschen das Leben gekostet. Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, soll Europas Energieinfrastruktur ausgebaut werden. Foto: dpa

Die Kältewelle in Europa hat bisher über 600 Tote gefordert. Die europäische Strom- und Gasinfrastruktur muss weiter ausgebaut werden, um auch unter Extrembedingungen über genügend Energiereserven zu verfügen, fordert EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Der russische Erdgaskonzern Gazprom hat bereits angekündigt, seine unterirdischen Speicherkapazitäten in Europa bis 2015 zu verdoppeln.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger sieht in den Untergrundspeichern ein wichtiges Element, um Europas sichere Energieversorgung zu garantieren. Nach dem Energieministerrat am Dienstag (14. Februar 2012) sagte Oettinger, dass die gute Kooperation zwischen den Mitgliedsstaaten, Netzbetreibern und Gasunternehmen dramatische Ausfälle während der jüngsten Kältewelle verhindern konnte. "Vor allem wurde jedoch in der letzten schweren Kälteperiode deutlich, dass sich die bisherigen Investitionen in die Strom- und Gasinfrastruktur als richtig erwiesen haben", so Oettinger.

Durch diese Investitionen konnten die unterirdischen Gasspeicher und das innereuropäische Gasnetz ausgebaut sowie neue Techniken eingeführt werden. Dazu gehört zum Beispiel die "Reverse-flow"-Technik, welche den flexiblen und schnellen Gastransport von jedem Mitgliedsstaat zu einem anderen ermöglicht.

Energieinfrastrukturpaket

Außerdem, so Oettinger, stelle die Einführung der Verordnung zur Gewährleistung der sicheren Gasversorgung eine wichtige Entwicklung dar. "Der Ausbau der Infrastruktur ist allerdings noch lange nicht abgeschlossen. Dies muss höchste Priorität haben", forderte Oettinger. Ansonsten werde das europäische Energienetz auf dem Stand des 19. Jahrhunderts stehen bleiben.

Oettinger warb zugleich für sein Energieinfrastrukturpaket. Die Kosten für den notwendigen Ausbau der Infrastruktur werden auf 210 Milliarden geschätzt. Im Entwurf für das nächste mehrjährige EU-Budget 2014 bis 2020 hat die Kommission im Programm "Connecting Europe" 9,1 Milliarden Euro eingeplant, auf die die Mitgliedsstaaten beim Ausbau ihrer Energieinfrastruktur zurückgreifen könnten.

Abhängigkeit von Drittländern

Der Ausbau der Infrastruktur soll nicht nur eine Versorgungssicherheit in zukünftigen Notsituationen sicherstellen, sondern auch die Energieabhängigkeit von Drittländern verringern. "Russland konnte während der Kälteperiode 10 bis 30 Prozent weniger Gas an die EU-Länder liefern. Eine effektive Energieinfrastruktur kann diese Engpässe auffangen", sagte Oettinger.

Gazproms Ausbau der Speicherkapazitäten

Der russische Erdgaskonzern Gazprom stößt in Europa an Kapazitätsgrenzen. Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew hat Mitte Februar angekündigt, seine unterirdischen Speicherkapazitäten in Europa bis 2015 zu verdoppeln.

Während der Kältewelle waren die Kapazitäten in Österreich, Deutschland und Serbien, wo Gazprom seine Speicher erst kürzlich aufgestockt hatte, voll ausgelastet.

Um die Erdgasversorgung in künftigen extremen Kälteperioden gewährleisten zu können, will Gazprom bis 2015 seine Speicherkapazitäten auf 5 Milliarden Kubikmeter verdoppeln. Das Netzwerk von unterirdischen Gasspeichern in der Nähe der Endkonsumenten und der wichtigsten Gasleitungen soll dazu ausgebaut werden.

Erdgasuntergrundspeicher "Katharina"

In Sachsen-Anhalt hat Gazprom im September 2011 mit dem Bau des Erdgasuntergrundspeichers "Katharina" (UGS Katharina)  begonnen. Bis zum Jahr 2024 soll das Gasspeichervolumen im Endausbau ca. 600 Millionen Kubikmeter betragen. Der Speicher soll direkt an das transeuropäische Leitungsnetz angeschlossen werden, kündigte Gazprom an.

Julia Backes

Ein englischsprachiger Beitrag zu diesem Thema erschien auf EURACTIV.com.

Links


Dokumente der Kommission

EU-Kommission plant massiven Ausbau von Verkehrs-, Energie- und Datennetzen (19. Oktober 2011)

"Connecting Europe": Kommission genehmigt 50 Mrd. EUR für den Ausbau der europäischen Netze (19. Oktober 2011)

Energy infrastructure priorities for 2020 and beyond (19. Oktober 2011)

Energie-Effizienz-Plan 2011

Fahrplan für den Übergang zu einer wettbewerbsfähigen CO2-armen Wirtschaft bis 2050

Energieinfrastrukturprioritäten bis 2020 und danach – ein Konzept für ein integriertes europäisches Energienetz (17. November 2010)

COMMISSION STAFF WORKING PAPER ON REFINING AND THE SUPPLY OF PETROLEUM PRODUCTS IN THE EU, SEC(2010) 1398/2

Folgenabschätzung SEC(2010) 1395

Zusammenfassung der Folgenabschätzung SEK(2010) 1396 (17. November 2010)

Zum Thema auf EURACTIV.de

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