Europas schwarze Löcher der Energie-Infrastruktur

EU-Energiekommissar Günther Oettinger muss die Mitgliedsstaaten noch überzeugen, ihre Energieinfrastruktur besser miteinander zu vernetzen. Foto: EC

Europas Gas- und Elektrizitätsnetz hat zu viele schwarze Löcher. Deshalb sollten die Mitgliedsländer ihre Energieinfrastruktur besser miteinander verknüpfen, fordert die EU-Kommission in einem Berichtsentwurf, der EURACTIV vorliegt. Auch Deutschland wird ermahnt.

Deutschland soll sicherstellen, dass andere EU-Länder Zugang zum russischen Erdgas aus der Nord Stream-Pipeline bekommen, fordert die EU-Kommission in dem Berichtsentwurf, der EURACTIV vorliegt. "Wichtige Engpässe gibt es weiterhin an der Grenze zu Dänemark (Ellund), zu Polen (Lasow), in Süddeutschland und auf der Nord-Süd-Achse", heißt es in dem Berichtsentwurf.

Isoliert und abhängig

Europas Energieinfrastruktur hat weitere sensible Schwachstellen. So seien Länder wie Estland, Litauen, Lettland, Malta, Zypern, Spanien und Portugal isolierte "Gas-Inseln", da sie nicht ausreichend an das Gasnetz ihrer EU-Nachbarn angeschlossen sind.

Andere Länder wiederum, die geographisch günstigerer liegen, hängen zu sehr von einem Erdgas-Hauptlieferanten ab. Das betrifft zum Beispiel die Slowakei, Bulgarien, Ungarn und Rumänien, heißt es in dem inoffiziellen Dokument.

Energiesicherheit

Dabei hatte sich die EU angesichts des wiederholten Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine vorgenommen, die eigene Energiesicherheit zu verbessern. Im Juli 2009 hatte die EU-Kommission zwei Verordnungen vorgeschlagen, um schneller auf Erdgasnotfälle reagieren zu können, verstärkt in die Energie-Infrastruktur zu investieren und Verbindungslücken zu schließen (EURACTIV.de vom 16. Juli 2009: Bericht I, Bericht II).

Mehr als drei Jahre später hat sich trotz der verfügbaren EU-Mittel offenbar wenig getan. Um ihre Energiesicherheit zu erhöhen, müssten die baltischen Länder ihre Energiemärkte an die Gasnetze anderer EU-Staaten anschließen. Auch werde derzeit eine Risikoanalyse der Erdgas-Verbindungen zwischen Estland und Litauen und der baltischen Verbindungspipeline zwischen Polen und Litauen erstellt, heißt es in dem Berichtsentwurf.

Südlicher Gaskorridor

Bulgarien wird aufgefordert, die laufenden Investitionsprojekte in Gasverbindungen mit Rumänien, Serbien und Griechenland umzusetzen. Zudem sollte sichergestellt werden, dass an der türkischen Grenze das Gas in beide Richtungen fließen kann. "Bulgarien muss bei der Öffnung der südlichen Gaskorridors eine aktivere Rolle spielen, da er ein Potenzial zur Diversifizierung der Lieferquellen hat", heißt es in dem Berichtsentwurf. Der südliche Gaskorridor ist ein Schlüsselprojekt für die Europäer, um Zugang zum aserbeidschanischen Erdgas im Kaspischen Meer (Shah Deniz II) zu bekommen.

Für den vorliegenden Berichtsentwurf hat die EU-Kommission die Informationen direkt von den Mitgliedsstaaten und von unabhängigen Quellen zusammengetragen. Bulgarien ist dabei das einzige Land, das keinerlei Informationen an Brüssel weitergegeben hat.

Euractiv

Links

EURACTIV Brüssel: Leaked EU paper maps energy infrastructure black spots (18. September 2012)

Zum Thema auf EURACTIV.de

Energieaußenpolitik: Mehr Transparenz bei zwischenstaatlichen Abkommen? (14. September 2012)

Dreier-Konsortium für ukrainisches Gasleitungsnetz (11. September 2012)

Shah Deniz II: Zuschlag für "Nabucco West" (28. Juni 2012)

EU rüstet sich für Erdgasnotfälle (16. Juli 2009)

EU fördert Energieprojekte mit 4 Milliarden Euro (16. Juli 2009)

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