Energieintensive Industrien und der Klimaschutz

Bezahlbar, sicher, ökologisch soll die Energieunion sein.

Klimaschutz, Energie- und Ressourceneffienz – diese Themen stehen auf der europäischen und der nationalen Agenda. Doch auch auf regionaler Ebene und in der „Realwirtschaft“ sucht man nach Strategien, klimafreundlich und effizient zu produzieren. Lokalaugenschein in einer Nürnberger Verzinkerei, einem der Betriebe der energieintensiven Industrie.

Der Klimawandel stellt nicht nur die Politik vor Herausforderungen. Auch die Industrie sucht Innovationen für Umweltschutz und Energiewende. "Die Leute denken oft nur an das Endprodukt", sagte der Sprecher der Energieintensiven Industrien Deutschlands (EID), Martin Kneer, am Donnerstag in Nürnberg, als sich EU-Politiker (die EU-Parlamentarier Martin Kastler und Ismail Ertug) sowie Vertreter des Bundestags, der bayrischen Regierung und des Nürnberger Stadtrats sowie EURACTIV.de Probleme und Lösungen am Beispiel einer Feuerverzinkerei vorführen ließen.

Der Termin in dem Familienunternehmen mit 1.400 Mitarbeitern war Teil einer Veranstaltungsreihe von "Metalle pro Klima", der Unternehmensinitiative der Nichteisen-Metallindustrie für Klimaschutz, Energie- und Ressourceneffizienz. 

Die Frage der Energie- und Ressourceneffizienz stelle sich nicht erst beim Endprodukt, sondern schon bei der Produktion. Kneer, gleichzeitig Hauptgeschäftsführer der WirtschaftsVereinigung Metalle (WVM), sieht die komplette Wertschöpfungskette. "Es dreht sich kein Windrad, es wirkt keine Solarzelle, es fährt kein E-Mobil ohne Nichteisen-Metalle. Wir sind in der Wertschöpfungskette die Problemlöser auch für die Energiewende.“

Wolle sie die Energiewende schaffen, müsse die Politik mit Industrie und Gesellschaft zusammen arbeiten, betonte Kneer.

Ressourceneffizienz in der Industrie

Bei einer Werksbesichtigung bekräftigte das Nürnberger Feuerverzinkungsunternehmen Wiegel, es wolle seine Geschäftsstrategie weiterhin auf Energie- und Ressourceneffienz ausrichten. Umweltschutz sei der Firma wichtig. "Wir arbeiten seit 60 Jahren sauber und verantwortlich mit Zink", sagte Wiegels Verwaltungsrat Alexander Hofmann. Trotzdem müsse man immer überlegen, was noch verbessert werden kann.

In Innovationen zu investieren, zahle sich aus. Gestalte man den Verzinkungsprozess energieeffizienter, werde das Klima geschont. Durch Prozessoptimierung könne Zink eingespart und der Wärmeverlust minimiert werden. Die Verzinkung schütze zudem vor Korrosion. Damit verlängere sich gleichzeitig die Lebensdauer des Produktes, was kostentechnisch und für die Wettbewerbsfähigkeit von Nutzen sei. "Klimaschutz entsteht durch den Korrosionsschutz, aber auch durch die Optimierung der Anlagen- und Prozesstechnik“, betonte der Technische Geschäftsführer der Wiegel-Gruppe, Thomas Happle.

Wärmeverlust als Hauptproblem

Beim Energiemanagement einer Verzinkerei zählen Wärmeverluste zu den  zentralen Fragen. Werden Stahlstücke verzinkt, erfordert das eine große Menge an Wärmeenergie. Das Zink ist für den Veredelungsprozess bei einer Arbeitstemperatur von etwa 450 °C konstant schmelzflüssig zu halten. Die Herausforderung für Wiegel besteht darin, die Temperaturunterschiede zwischen der heißen, flüssigen Zinkschmelze im Verzinkungsbad, dem zu verzinkenden Material und der Umgebung zu minimieren und den Wärmeaustrag gering zu halten.

Das Wiegel-Unternehmen stellte einige Strategien vor, mit denen es Verzinkung und Klimaschutz zu verbinden versucht. Um seinen Produktionsprozess nachhaltig zu gestalten, hat das Unternehmen eine Vorbehandlung der Stahl- und Eisenteile eingeführt, die den eigentlichen Verzinkungsprozess effizienter macht. Außerdem könne man, so der Leiter der Abteilung Technik, Peter Zorn, durch eine intelligente Ofensteuerung den Gasverbrauch reduzieren. Diese neue Regeltechnik erlaube die Optimierung von Ein- und Ausschaltzeiten. Sinnvoll sei auch, Wärmetauscher in das Abgassystem einzubauen sowie ein spezielles Verfahren zur Ultraschallmessung (ultra sonic measuring) anzuwenden. "Damit kann eine beträchtliche Menge an CO2 eingespart werden", meinte Zorn.

Einsparmaßnahmen im Produktionsprozess

Zudem gebe es, so Happle, verschiedene Möglichkeiten, um im Produktionsprozess Zink einzusparen. Etwa wenn die Verzinkungstemperatur konstant bleibt, die Tauchzeit so kurz wie möglich gehalten oder die Vorbehandlung optimiert wird. Damit und mit den personellen Voraussetzungen gelinge es dem Unternehmen, den Zinkverbrauch jährlich um rund 1.000 Tonnen zu reduzieren und damit die CO2-Emissionen um 3.124 Tonnen CO2 pro Jahr (Wert nur für die Aufbereitung des Zinks) zu reduzieren. So viel CO2 würden knapp 400 Zwei-Personen-Haushalte pro Jahr ausstoßen.

Als weiteres Beispiel führte die Kaufmännische Leiterin des Unternehmens, Birgit Postrach, Strommasten an. Auch da sei Feuerverzinkung sinnvoll. "Die Masten werden vor Korrosion geschützt. Dann halten sie viel länger." Damit spare man sich hohe Kosten, zusätzlichen Ressourcenverbrauch und CO2-Emissionen, die durch den Ersatzneubau verursacht würden. Mit dem Verfahren spare das Unternehmen jährlich 12.000 Tonnen CO2.

Kooperation Politik & Industrie?

Neben Netzen basierten, so die Wiegel-Gruppe, konventionelle und erneuerbare Stromerzeugungstechniken und Energiespeicher auf den sogenannten Nichteisen-Metallen (NE-Metalle) wie Zink, Aluminium, Kupfer, Nickel, Magnesium und Blei. "Keine Erneuerbaren Energien ohne NE-Metalle", sagte Kneer. "Auch keine Energiewende." Deswegen forderte er, dass Politik und Industrie mehr zusammenarbeiten.

Jedoch sind sich beide Parteien nicht immer einig. Etwa beim Emissionshandel. Am Mittwoch (25. Juli) erst hatte die EU-Kommission einen Vorschlag zur Änderung der Emissionshandelsrichtlinie vorgelegt. Die EU will das Herausnehmen von Zertifikaten aus dem Markt ermöglichen, um deren Anzahl reduzieren und so die Preise der Zertifikate zu erhöhen. Kneer hatte sich am Mittwoch dagegen ausgesprochen. Die Kommission heble ihr eigenes System aus. "Das gleicht einem Pokerspiel und ist denkbar ungeeignet für eine transparente und nachvollziehbare Klimapolitik der EU." Zudem kritisiert Kneer, dass damit die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie eingeschränkt werde.

Energiepolitik ist für den Europaabgeordneten Martin Kastler (CSU) zugleich Europapolitik. Europa brauche eine abgestimmte Versorgungsstrategie. Kastler, der Europapolitik als industriepolitische Aufgabe versteht, versprach den Nürnbergern, für den Industriestandort Franken in Europa zu kämpfen. Sein Kollege vom Europaparlament, Ismail Ertug (SPD), forderte die Industrieunternehmen auf, ihren Beitrag zur Energiewende leisten. 


Daniela Heimpel

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