Die vier Betreiber von Höchstspannungsleitungen in Deutschland haben heute (Montag) die über den Strompreis zu zahlende Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien für 2013 bekanntgegeben. Die EEG-Umlage steigt demnach um fast die Hälfte. EURACTIV.de bringt eine Auswahl von Reaktionen betroffener Verbände.
Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE): "EEG-Umlage steigt 2013 stärker als nötig"
Anlässlich der heute veröffentlichten EEG-Umlage von 5,277 Cent pro Kilowattstunde (kWh) Strom für 2013 stellt der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) klar, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht der wesentliche Treiber für steigende Strompreise ist. "Nicht einmal die Hälfte der Umlage für das kommende Jahr geht auf die reinen Förderkosten für 2013 zurück“, erklärt BEE-Präsident Dietmar Schütz.
Der Rest der EEG-Umlage diene einer immer stärker ausgeweiteten Industrieförderung, der Kompensation sinkender Strompreise an der Börse sowie dem nachträglichen Ausgleich zu geringer Einnahmen im Jahr 2012.
"Die EEG-Umlage steigt im kommenden Jahr stärker als nötig. Daran ist aber nicht in erster Linie der Ausbau der Erneuerbaren Energien schuld, wie dieser Tage von den Kritikern der Energiewende permanent behauptet wird. Vielmehr hat die Politik die Umlage mit immer neuen Zusatzkosten aufgebläht. Umgekehrt werden die preissenkenden Effekte der Erneuerbaren Energien bisher nicht an die Privatkunden weitergegeben", kritisiert Schütz.
An der Leipziger Strombörse sorgen die Erneuerbaren Energien für sinkende Strompreise. So betrug der durchschnittliche Spotmarkpreis in den ersten drei Quartalen 2012 nur noch rund 4,3 Cent/kWh gegenüber 5,1 Cent/kWh im Vorjahreszeitraum. Weitere Berechnungen zeigen: Wenn die Stromversorger ihre gesunkenen Einkaufspreise der letzten Jahre an die Privatkunden weitergeben würden, läge für sie der aktuelle Strompreis um rund 2 Cent pro Kilowattstunde niedriger. "Der kommende Anstieg der EEG-Umlage wäre damit mehr als ausgeglichen", so Schütz.
Dass die Preispolitik der großen Energieversorger zu Lasten der Privathaushalte geht, zeigt auch ein Vergleich der Haushaltsstrompreise mit den Industriestrompreisen. Während die Haushaltsstrompreise seit 2008 um rund 20 Prozent gestiegen sind, sind die Preise für Industriekunden im selben Zeitraum sogar um 3 Prozent gesunken. "Die Energiewende ist somit nicht hauptverantwortlich für steigende Haushaltsstrompreise."
Den Forderungen insbesondere aus der FDP, die Förderung der Erneuerbaren Energien jetzt auf ein Quotensystem umzustellen, erteilt der BEE eine klare Absage. Einer aktuellen Studie des Instituts für Zukunfts-Energiesysteme (IZES) zufolge wäre das Quotenmodell deutlich teurer und ineffektiver als das bisherige System.
Der Umbau unserer Energieversorgung auf zukunftsfähige Strukturen ist nach Ansicht des BEE ohne Alternative. "Fakt ist: Wir sitzen auf einem Berg von Atommüll, die deutschen geschweige denn internationalen Klimaschutzziele sind kaum noch zu erreichen, fossile Energieträger wie Öl und Gas werden teurer und schmutziger. Wer den nachfolgenden Generationen trotzdem eine Perspektive geben will, muss jetzt in den Umbau unserer Energieversorgung investieren. Deshalb ist und bleibt die Energiewende richtig und notwendig“, so Schütz in der Reaktion der BEE.
Ein ausführliches Hintergrundpapier zu den Kostenbestandteilen der EEG-Umlage steht unter www.bee-ev.de zum Download.
Energieintensive Industrien in Deutschland (EID): Das EEG muss jetzt erneuert werden
"Kostentreiber Nummer eins beim Strom ist und bleibt das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG). Die negativen Erwartungen haben sich mit der heutigen Veröffentlichung des Anstiegs der EEG-Umlage auf 5,277 Cent pro kWh bewahrheitet. Spätestens jetzt muss jedem klar sein, dass eine Runderneuerung des EEG erforderlich ist", erklärten die beiden EID-Sprecher Michael Basten, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden, und Martin Kneer, Hauptgeschäftsführer der WirtschaftsVereinigung Metalle (WVM). Die EID-Sprecher begrüßten, dass Bundesumweltminister Peter Altmaier das EEG grundlegend überarbeiten will.
Grund für den Anstieg ist der rasante Ausbau der erneuerbaren Energien. Der für zwanzig Jahre fest garantierte Abnahmepreis liegt weit über dem normalen Börsenstrompreis. Die Kosten dafür werden auf Privatverbraucher und die Industrie umgelegt.
Zwar gibt es für die energieintensive Industrie Entlastungsregeln. Dennoch zahlt auch sie jährlich eine beträchtliche Summe für die EEG-Umlage. "Allein 2012 liegt der Beitrag der energieintensiven Industrien zur EEG-Umlage bei voraussichtlich 1,7 Milliarden Euro", so Kneer. "Die Entlastung von der EEG-Umlage ist deshalb für die energieintensive Industrie lebenswichtig. 830.000 Arbeitsplätze hängen davon ab. Anstatt Kosten für Verbraucher und Arbeitsplätze gegeneinander auszuspielen, ist jetzt ein Umbau des EEG-Fördersystems notwendig, um die Kosten zu senken und die Versorgungssicherheit zu erhalten."
"Die Energieintensiven Industrien werden sich in den erforderlichen Dialogprozess aktiv einbringen und darauf achten, dass in der politischen Debatte das Thema Kosten beachtet wird", betonten Kneer und Basten. "Die Erneuerung des EEG scheitert nicht an den energieintensiven Unternehmen, sondern funktioniert wie die Energiewende nur mit der Industrie und den Verbrauchern gemeinsam."
Die Energieintensiven Industrien in Deutschland (EID) beschäftigen rund 830.000 Mitarbeiter – oder 14 Prozent der Beschäftigten des Verarbeitenden Gewerbes. Jeder Arbeitsplatz in der energieintensiven Grundstoffproduktion sichert etwa zwei Arbeitsplätze in anderen Industriezweigen und im Dienstleistungssektor.
EFET Deutschland (Verband deutscher Gas- und Stromhändler) fordert mehr Markt zur Senkung der Energiekosten: "Subventionen sind teure Sackgasse"
Die EEG-Umlage steigt 2013 um fast die Hälfte. Um die Mehrbelastung für den Endverbraucher gering zu halten, ist eine Anpassung an die Marktgegebenheiten dringend erforderlich.
EFET Deutschland ist davon überzeugt, dass ein funktionsfähiger Großhandelsmarkt für Strom die beste Grundlage ist, die Energiewende kostengünstig und effektiv zu bewältigen:
· Marktmechanismen können dafür sorgen, dass EE-Anlagen effizient gesteuert werden.
· Der Markt kann die Versorgung in Zeiten ohne ausreichend Wind und Sonne zu den geringsten Kosten sicher und effizient sicherstellen.
· Der Markt kann dafür sorgen, dass in wirtschaftlich sinnvollste Technologien am besten Platz investiert wird.
· Der grenzüberschreitende Markt senkt die Kosten und erhöht die Versorgungssicherheit.
Setzt man stattdessen auf eine Steuerung durch regulatorische Vorgaben und Subventionen, ist mit drastisch steigenden Kosten zu rechnen, welche die Akzeptanz des Gesamtziels gefährden. Deshalb plädiert EFET Deutschland dafür, Marktmechanismen weiterhin den notwendigen Raum zu geben.
Notwendige Voraussetzung, damit dies auch langfristig gewährleistet bleibt, ist eine verbesserte Marktintegration der Erneuerbaren Energien. EE-Anlagen müssen einen Anreiz haben, sich im Rahmen ihrer technischen Möglichkeiten an die Nachfrage anzupassen. Unabhängig von der Frage, wie und in welchem Umfang diese weiterhin einer besonderen Förderung bedürfen, hält es EFET Deutschland für dringend geboten, die erkennbaren, elementaren Schwächen des heutigen EEG umgehend abzustellen.
Insbesondere sollte sichergestellt werden, dass Erneuerbare Energien, wie auch die "konventionelle Erzeugung" wirtschaftliches Risiko und Systemverantwortung übernehmen. Hierfür bieten die Mechanismen der Direktvermarktung geeignete Grundlagen, die zumindest für Neuanlagen so schnell wie möglich verpflichtend Anwendung finden müssen.
Im Lichte der Energiewende wird die fundamentale Bedeutung des Großhandelsmarktes der Zukunft darin liegen, Flexibilität bereitzustellen. Während auf Seiten der Verbraucher weiterhin eine Nachfrage nach langfristiger Absicherung besteht, wird das Angebot auf Erzeugungsseite mit der Zunahme der erneuerbaren Energien zunehmend kurzfristiger.
Zentrale Aufgabe des Handels ist es, diesen strukturellen Unterschied auszugleichen. Entscheidend ist, dass der Preis sich am Markt frei bilden kann und dabei Preisspitzen und negative Preise akzeptiert werden.
Wichtig ist, dass alle Anbieter von Flexibilität, d.h. konventionelle und regenerative Erzeuger sowie Verbraucher, am Großhandelsmarkt teilnehmen können und sich nach einem einheitlichen Preissignal richten, so dass immer die günstigsten Anbieter zum Zug kommen. Subventionen für einzelne Technologien, die das Gebotsverhalten im Markt von den Kosten entkoppeln, verzerren den Markt und erhöhen die Belastung der Endkunden.
Die öffentliche Diskussion zu diesem Thema fokussiert sich derzeit sehr stark auf Maßnahmen mit starken regulatorischen Eingriffen in das Marktgeschehen. EFET Deutschland plädiert dafür, auch hier den Markt zu stärken und zu nutzen. Sollten regulatorische Eingriffe politisch für unvermeidbar gehalten werden, sind diese so klar und transparent auszugestalten wie möglich. Die Entwicklung eines marktbasierten Ansatzes zu Lösung der Herausforderungen sollte gefördert und nicht behindert werden.
Nähere Informationen zu den beschriebenen EFET Deutschland-Positionen sind der Stellungnahme "Markt zulassen – Die Energiewende mit einem effizienten Großhandelsmarkt effizient umsetzen" – von heute zu entnehmen.
Windenergie-Agentur WAB fordert ehrliche Diskussion über Strompreisentwicklung
Die Bekanntgabe der EEG-Umlage und die Kostendiskussion der Erneuerbaren Energien kommentiert Ronny Meyer, Geschäftsführer der Windenergie-Agentur WAB, wie folgt: "Das Erfolgsrezept des Ausbaus der Erneuerbaren-Energien in Deutschland ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) – jetzt auf dem Weg der Energiewende die Abschaffung des EEG zu fordern, ist so, als ob man bei Tempo 180 auf der Autobahn die Reifen abbaut. Die Abschaffung des EEG oder die Deckelung der Windkraft zu fordern, ist das Gegenteil von dem, was mit der Energiewende erreicht werden soll.
Als Industrie sind wir bereit, uns an konstruktiven Gesprächen zu beteiligen, aber die derzeitigen Ankündigungen der Politik in Berlin verschrecken die für die Energiewende notwendigen Investoren. Insbesondere bei der Offshore-Windenergie sprechen wir über Investitionen in Milliardenhöhe mit sehr langen Vorlaufzeiten. Es wird kein Investor Milliarden investieren, wenn der politische Rahmen unklar ist.
Bei der Diskussion um die Strompreisentwicklung fordern wir Ehrlichkeit und Transparenz. Die Politik muss den Bürgern klar sagen, was Kohle- und Atomstrom wirklich kostet. Erst kürzlich wurde in einer Studie nachgerechnet, dass durch Steuern und Abgaben die Umlage für konventionelle Energien rund 10 Cent/kWh beträgt. Diese Kosten werden nicht transparent ausgewiesen, sind aber real."
Die Windenergie-Agentur WAB ist das führende Unternehmensnetzwerk für Windenergie in der Nordwest-Region und bundesweiter Ansprechpartner für die Offshore-Windenergiebranche in Deutschland. Dem Verein gehören mehr als 350 Unternehmen und Institute aus allen Bereichen der Windenergieindustrie, der maritimen Industrie sowie der Forschung an.
Red.
