Chinas Solarfirmen rufen zum Handelskrieg auf

Die europäische Photovoltaik-Branche verliert immer mehr Marktanteile an die chinesische Konkurrenz. © Rainer Sturm / PIXELIO

Chinas Solarfirmen wehren sich gegen die Antidumping-Vorwürfe ihrer europäischen Wettbewerber. Falls die EU-Kommission Antidumping-Untersuchungen einleiten sollte, werde das einen ausgewachsenen Handelskrieg zur Folge haben, warnen sie.

Die Stimmung im Streit zwischen Unternehmen der Solarbranche wird weiter angeheizt. Unter der Federführung der deutschen SolarWorld AG forderten mehr als 20 europäische Photovoltaik-Unternehmen die EU-Kommission am Mittwoch auf, Antidumping-Maßnahmen gegen chinesische Solarhersteller einzuleiten.

Die zu diesem Zweck gegründete europäische Industrieinitiative EU ProSun behauptet, die chinesische Regierung versorge ihre Unternehmen mit Exportsubventionen und günstigen Milliardenkrediten. Dadurch könnten chinesische Solarfirmen ihre Produkte in Europa, dem weltgrößten Solarmarkt, billiger als die europäischen Unternehmen anbieten. "Aufgrund des unfairen Wettbewerbs aus China wird diese wichtige Zukunftsindustrie Europas aktuell Monat für Monat kleiner, Werke überall in Europa werden geschlossen, Arbeitsplätze gehen verloren", heißt es in der Presseerklärung von EU Pro Sun.

Die europäischen Photovoltaik-Unternehmen hoffen, dass sich die EU-Kommission ein Beispiel an der US-Regierung nimmt. Sie habe vorläufige Dumping-Zölle von 30 bis 250 Prozent für Produkte chinesischer Photovoltaik-Hersteller eingeführt.

SolarWorld führte bereits eine ähnliche Initiative in den Vereinigten Staaten an. Die weltgrößte Wirtschaftsmacht führte daraufhin Einfuhrzölle in Höhe von 31 Prozent für Solarkollektoren aus China ein.

"Falls die EU dem Beispiel der USA folgen sollte und eine Antidumping-Untersuchung chinesischer Solarprodukte einleitet, wäre das ein fataler Rückschlag für die chinesische Solarindustrie", sagte Wang Yiyu, Leiter der Strategieabteilung des chinesischen Herstellers Yingli Solar.

“Die Untersuchung würde außerdem einen ausgewachsenen Handelskrieg zwischen China und der EU auslösen, bei dem beide Seiten riesige Verluste einfahren würden“, sagte er bei einem Briefing der vier großen Solarfirmen Yingli, SunTech, Trina und Canadian Solar.

Westliche Solarfirmen liegen bereits seit Jahren mit ihren chinesischen Kontrahenten im Zwist. Chinesischen Firmen wird dabei unterstellt, dass sie von der eigenen Regierung mit zinsgünstigen Darlehen und subventionierter Energie unterstützt werden, um ihre Produkte zu verbilligten Preisen anbieten zu können. Europäische Wettbewerber hätten dagegen Probleme, sich zu refinanzieren.

Falls Europa Strafzölle einführen sollte, könnte China sich dagegen wehren und ähnliche Maßnahmen gegen westliche Solarunternehmen ergreifen.  
"Wir rufen die chinesische Regierung auf, entschlossen alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die rechtmäßigen Interessen der chinesischen Solarindustrie zu schützen", sagte Wang.

Nahezu 60 Prozent der chinesischen Solarexporte im Wert von 29 Milliarden Euro wurden, nach Angaben der vier großen chinesischen Unternehmen,  2011 in die EU verschifft.

Der Europäischen Kommission hat noch 44 Tage Zeit, um zu entscheiden, ob sie eine Untersuchung einleiten wird.

Kritik an der Dumping-Beschwerde

Die von SolarWorld eingebrachte Forderung ist in der Branche sehr umstritten. Weite Teile der Industrie lehnen das Vorgehen ab und argumentieren, dass ein Handelskrieg in allen Bereichen der Solarindustrie schmerzhaft sein würde.

“Wir hoffen, dass die Europäische Kommission erkennen wird, dass jede Art von protektionistischen Maßnahmen die gesamte europäische Solarindustrie schädigen würde. Ein fehlgeleiteter Handelskrieg würde Jahre des Fortschritts zerstören", sagte Jerry Stokes, Leiter der Europaabteilung des chinesischen Unternehmens Suntech, dem weltweit größten Hersteller von Solarzellen.

Der US-amerikanische Firmenzusammenschluss Coalition for Affordable Solar Energy äußerte sich "sehr entmutigt über SolarWorld’s unnötige und zerstörerische Vorgehensweise und fordert die Kommission auf, die Petition abzulehnen".

EURACTIV

EURACTIV Brüssel: China’s solar firms call for trade war over European challenge (27. Juli 2012)

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