Europa ist auf dem Weg, das globale Rennen in Künstlicher Intelligenz zu verlieren

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Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz wirft auch datenschutzrechtliche Fragen auf. [shutterstock/Phonlamai Photo]

Europäische Unternehmen, die künstliche Intelligenz (KI) einsetzen wollen, werden bald die Auswirkungen der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die am 25. Mai in Kraft tritt, spüren.

Die Europäische Kommission hat Ende April ein Paket politischer Maßnahmen angekündigt, das darauf abzielt, einen größeren Umfang nicht personenbezogener Daten für die KI bereitzustellen, aber durch die DSGVO werden der Verwendung personenbezogener Daten so enge Beschränkungen auferlegt, dass Europa nicht in der Lage sein wird, mit anderen Teilen der Welt, die KI nutzen, um ihre Wirtschaft zu rationalisieren, Schritt zu halten. Je eher die EU die Reform der DSGVO unterstützen kann, desto besser. In der Zwischenzeit sollten die politischen Entscheidungsträger in der EU keine weiteren unnötigen Beschränkungen für diese wichtige Technologie mehr einführen.

Die DSGVO verursacht erhebliche Kosten und beinhaltet massive rechtliche Risiken für Unternehmen, die personenbezogene Daten verarbeiten. Sie ist komplex und Firmen müssen Leute mit beträchtlichem Fachwissen einstellen, um sicherzustellen, dass sie der DGSVO nachkommen, weil sie mit hohen Geldstrafen rechnen müssen, falls sie die unzähligen Regeln der Verordnung brechen. Aus diesem Grund sind bereits mehrere Unternehmen innerhalb und außerhalb Europas dabei, einige digitale Dienste auszusetzen, indem sie beispielsweise bestimmte Funktionen schließen, den Zugang aus Europa blockieren oder sich gänzlich aus dem europäischen Markt zurückziehen. So hat beispielsweise die tschechische Online-Plattform Seznam angekündigt, dass sie ihr soziales Netzwerk für Mitschüler schließen wird, während Gravity Interactive, ein US-amerikanischer Spieleentwickler, den Zugriff europäischer Nutzer sperren wird.

Die Kosten sind für Firmen, die künstliche Intelligenz einsetzen, besonders hoch, weil die DSGVO ihnen die Fähigkeit der Überprüfung komplexer innerer Abläufe vieler Arten von individuellen algorithmischen Entscheidungen durch Menschen auferlegt. Dies treibt die Arbeitskosten der KI enorm in die Höhe und untergräbt in erster Linie den Zweck der Automatisierung komplexer Prozesse. Diese Kosten mindern die Anreize für europäische Unternehmen, KI zu nutzen, und für ausländische KI-Firmen, in den europäischen Markt einzutreten. Damit wird zugleich die Auswahl für europäische Verbraucher eingeschränkt und der Wettbewerbsdruck für Innovationen abgeschwächt. Die DSGVO entmutigt also genau das, was die Europäische Kommission angeblich anspornen möchte.

Abgesehen davon, dass einige Unternehmen davon abgehalten werden, künstliche Intelligenz überhaupt einzusetzen, wird die DSGVO auch die Qualität von KI-Dienstleistungen, die andere Unternehmen in Europa anbieten, untergraben. Neben der Kostenerhöhung führt die Notwendigkeit, die Funktionsweise einzelner algorithmischer Entscheidungen überprüfen zu können, auch zur Untergrabung der statistischen Genauigkeit dieser Entscheidungen, da Unternehmen gezwungen sind, die Komplexität algorithmischer Modelle zu begrenzen, damit Menschen sie noch interpretieren können. Die Ironie liegt darin, dass die Forderung, die Fairness zu erhöhen, in der Praxis die Unternehmen zwingen wird, beim Umgang mit Verbrauchern in der EU weniger genaue Modelle zu verwenden, was die Wahrscheinlichkeit von unfairen Entscheidungen erhöht.

Die USA, China und andere Länder verfolgen Strategien, um weltweit die Führung im Bereich KI zu übernehmen. Die EU kann weder damit rechnen, mit regulatorischen Rahmenbedingungen, die bereits veraltet sind, bevor sie überhaupt in Kraft treten, konkurrenzfähig zu bleiben, noch kann die EU hoffen, die KI-Ethik zu gestalten, wenn sie die Führung in der Technologieentwicklung anderen überlässt. Die DSGVO wurde nach vier Jahren mühsamen Ringens verabschiedet, so dass die Möglichkeit, sie zu ändern, trotz einiger äußerst scharfer Kritikpunkte an der Verordnung, unpopulär ist. Dies jedoch wäre die einzige langfristige Lösung. In der Zwischenzeit wird die DSGVO ein abschreckendes Beispiel für andere Länder sein, was bei der Regelung künstlicher Intelligenz falsch gemacht werden kann, und für die EU, wenn sie zusätzliche Regelungen in Erwägung zieht. Wenn die EU damit fortfährt, die KI bereits in einer so frühen Phase einer solch strengen Regelung zu unterwerfen, wird sie sich aus dem KI-Rennen, das gerade erst begonnen hat, selbst hinauskatapultieren.

Nick Wallace ist ein in Brüssel ansässiger leitender Politikanalyst am Zentrum für Dateninnovation, einem Think Tank, der die Schnittpunkte von Daten, Technologie und öffentlicher Politik untersucht.

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