Wettbewerbsnachteil Digitalisierungsstau

Hat längst nicht jeder: Breitband-Internet. [shutterstock/asharkyu]

Deutschland hinkt bei der Digitalisierung hinterher – das ist mittlerweile ein Allgemeinplatz. Doch auch zwischen den deutschen Regionen gibt es beachtliche Unterschiede. Für Unternehmen in unterdigitalisierten Gegenden ist das ein handfester Wettbewerbsnachteil.

Das lässt sich einmal mehr aus einer Studie schließen, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung jüngst veröffentlichte. Der Fokus liegt bei der Untersuchung auf den Internetseiten von Unternehmen. Ein naheliegendes Ergebnis: Wie viele Unternehmen eine Website betreiben, wie umfassend diese bestückt und wie regelmäßig sie aktualisiert wird, differiert zwischen den Sektoren, der Firmengröße, dem Alter und so weiter.

Ein Kriterium sollte die zuständigen Stellen in der Politik jedoch aufmerksam werden lassen. So gibt es eine deutliche Verbindung zwischen der regional unterschiedlichen Verfügbarkeit von Breitband-Internetzugängen und der Internetpräsenz von Unternehmen. Unternehmen in Regionen mit geringer Breitbandabdeckung – in der Studie sind das Gemeinden, in denen für weniger als 75 Prozent der Haushalte eine Internetverbindung mit mindestens 50 Mbit/s zur Verfügung steht – betreiben die Unternehmen deutlich seltener eigene Internetseiten.

Schritt für Schritt zur 5G-Technologie

Die EU-Kommission will bis 2020 in allen Mitgliedsstaaten mobiles Internet in 5G-Geschwindigkeit verfügbar machen. Zunächst geht es um die Vergabe der Frequenzen. EURACTIV sprach mit Matthias Kurth.

Nun ist es in der modernen Geschäftswelt allerdings keine Nebensache mehr, eine Internetseite zu haben. Immer mehr Kunden vergleichen Angebote online, informieren sich über die Anbieter und tätigen ihre Käufe im Internet. Wer da nicht präsent ist, verliert deshalb einen beachtlichen Marktanteil. Häufig sind ländliche Regionen mit geringer Kaufkaufkraft betroffen, die wirtschaftlich ohnehin hinterherhinken. Sie werden durch die mangelnde Verfügbarkeit von Breitband-Internet noch weiter abgehängt. Damit steigen auch die regionalen Ungleichheiten weiter an. Laut der Studie betrifft dieses Problem bundesweit rund 30.000 Unternehmen.

Die Ziele der Bundesregierung sind derweil durchaus ambitioniert. Im schwarz-roten Koalitionsvertrag genießt die Digitalisierung einen hohen Stellenwert. Im Bundeskanzleramt wurde erstmals eine Staatsministerin für Digitales eingesetzt. Zudem verfügt die Regierung seit kurzem über einen so genannten Digitalrat, der mit Experten besetzt ist und die Regierung antreiben soll.

Ob das den Unternehmen in infrastrukturschwachen Regionen wirklich hilft, bleibt abzuwarten. Derzeit gibt es beispielsweise eine Debatte, ob die Abdeckung des ländlichen Raums zum Kriterium bei der Vergabe der Frequenzen für das 5G-Netz gemacht werden soll. Solche Elemente politischer Steuerung wären wichtig, damit nicht nur viel, sondern tatsächlich flächendeckend in die digitale Infrastruktur investiert wird.

Merkels digitale Berater

Wie lässt sich der Breitbandausbau vorantreiben und die Chancen der digitalen Zukunft der Arbeit nutzen? Antworten soll ab heute der neu gegründete Digitalrat der Bundesregierung finden.

"Unbequemer" Digitalrat soll technologische Entwicklung vorantreiben

Die Bundesregierung will in Sachen Digitalisierung einiges nachholen. Am Mittwoch wurde daher ein Digitalrat eingesetzt, der die Politik kritischen Blicken unterziehen soll. Viele wichtig Fragen bleiben dabei wohl außen vor.

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