Telekom zur Energiewende: Die Flut der Daten

Ein Kontinent voll von Daten. Foto: ESA

Bis zum Jahr 2022 sollen alle deutschen Haushalte mit digitalen Stromzählern versorgt sein. Denn sie helfen, das Stromnetz der Zukunft zu steuern. Mit der Digitalisierung der Energiebranche entsteht jedoch gleichzeitig eine Flut von Daten, die verarbeitet und geschützt werden will.

Deutschland steht vor einer großen Herausforderung: Es will immer mehr Strom aus regenerativen Quellen erzeugen. Bis 2050 sollen erneuerbare Energien 80 Prozent der Elektrizität liefern – heute sind es gut 20 Prozent. Gelingt dieses einzigartige Vorhaben, wird Deutschland für viele andere Länder zum leuchtenden Vorbild.

Der Kraftakt verlangt von allen Beteiligten enorme Anstrengungen: von den Unternehmen der Energiebranche, von der Politik und nicht zuletzt von den Bürgern: Schon seit 2003 finanzieren die Verbraucher die erneuerbaren Energien durch die jährlich steigende Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Neue Stromleitungen zum Verteilen der dezentral erzeugten Energie verlaufen durch ihre Gärten.

Und für das intelligente Stromnetz übermitteln Haushalte ihre Verbrauchsprofile im Viertelstundentakt an den Energieversorger, der damit das Netz besser steuert und auslastet. Einige Verbraucher befürchten jedoch, dass die Daten missbräuchlich verwendet werden könnten.

Deshalb spielen Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnik eine wichtige Rolle in der Energiewirtschaft. Denn sie helfen, die Technik so zu gestalten, dass Missbrauch keine Chance hat. So hat die Deutsche Telekom bereits 2008 ein Konzept zur Vermeidung von Datenmissbrauch beim Smart Metering entwickelt, das heute auf 56 Seiten angewachsen ist. Es nimmt in weiten Teilen den Inhalt des Schutzprofils vorweg, welches das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) derzeit diskutiert. Es legt die Anforderungen für Sicherheitsmaßnahmen beim Smart Metering fest – vom Zähler über das Kommunikations-Gateway bis zur Datenübertragung.

Die Daten der Smart Meter werden demnach signiert, also mit einem Identitätsnachweis versendet. Außerdem sind sie verschlüsselt und nur über ein virtuelles privates Netz (VPN) zu übertragen. Die Kommunikation über öffentliche DSL-Anschlüsse ist damit ausgeschlossen. Darüber hinaus können nur berechtigte Personen die Daten lesen – und es ist sichergestellt, dass ausschließlich autorisierte Komponenten miteinander kommunizieren. Außerdem werden die Geräte versiegelt sein. Unberechtigte Zugriffe werden sofort gemeldet.

Trotz all dieser Maßnahmen darf dabei ein Grundsatz nicht vergessen werden: Sicherheit ist kein statischer Zustand, sondern ein Prozess, der permanent verändert, modifiziert und verbessert werden muss.

Die Deutsche Telekom zeigt bereits heute in der Praxis, wie Datensicherheit für Bürger gewährleist werden kann. So hat sie im Projekt „Mülheim zählt“ bereits 15.000 digitale Zähler und die zugehörigen Kommunikationsboxen für die Fernabfrage eingerichtet. Die Boxen sammeln die Messdaten der Zähler ein und übertragen die Werte sicher verschlüsselt an den Versorger RWE. Technisch ist die Datensicherheit also möglich.

Nun geht es darum, die Ergebnisse des Tests in einen größeren Maßstab zu übertragen. Denn sobald 44,5 Millionen Haushalte in Deutschland Verbrauchsdaten im Viertelstundentakt liefern, wächst die Datenmenge auf 1,4 Billionen Daten pro Jahr – oder 35.000 pro Haushalt. Und das ist nur die Grundlage für die Datenflut, denn erst aus ihnen erstellen die Energieversorger monatliche Kundenrechnungen mit verschiedenen Zeit- oder Lasttarifen.

Die Crux: Bislang verschicken die meisten Energieversorger ihre Rechnungen einmal jährlich – per Post. Der Umgang mit sehr großen Datenmengen ist für sie meist eine neue Erfahrung. In der Telekommunikationsbranche hingegen zählt Big Data zum täglichen Geschäft. So verarbeitet die Telekom 100 Millionen Datensätze pro Tag für den Betrieb des Mobilfunknetzes und 20 Millionen Daten für die Lkw-Maut.

Für die neue Energiewelt hat die Deutsche Telekom auch schon geprobt: Das Verarbeiten von 50 Millionen simulierten Smart-Meter-Daten jede Viertelstunde hat im eigenen Rechenzentrum bereits tadellos funktioniert. Der erste Stresstest ist also bestanden.

Eine wesentliche Voraussetzung für eine großflächige Einführung der elektronischen Zähler sind aber das Schutzprofil des BSI und die Technische Richtlinie zum Smart Metering. Ebenso fehlen auch anderthalb Jahre nach der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes immer noch die grundlegenden Verordnungen des Wirtschaftsministeriums zum Smart Metering. Nur wenn diese Grundlagen endlich finalisiert werden, erhalten Unternehmen Planungs- sowie Investitionssicherheit und werden den nächsten Schritt in die Energiewende gehen.

Die Autoren

Gabriele Riedmann de Trinidad leitet bei der Deutschen Telekom das Konzerngeschäftsfeld Energie. Nähere Informationen: www.telekom.com/innovation/24062

Andreas Seeger leitet das Segment Telekommunikation & Utilities bei T-Systems.

  

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Die Serie aus dem YellowPaper "Europas Energiewende" wird fortgesetzt. Bisher erschienen:

?Neues YellowPaper von EURACTIV.de (I)? / The German Energiewende und der Rest Europas (24. Dezember 2012)

Neues YellowPaper von EURACTIV.de (II) / Energiewende: Übersicht des EURACTIV-Netzwerks (24. Dezember 2012)

Neues YellowPaper von EURACTIV.de (III) / Energiewende im EURACTIV-Netzwerk: Belgien, Serbien, Slowakei (27. Dezember 2012) 

Neues YellowPaper von EURACTIV.de (IV) / Energiewende im EURACTIV-Netzwerk: Polen, Österreich (28. Dezember 2012) 

Neues YellowPaper von EURACTIV.de (V) / Interview mit Gregor Czisch: "Es fehlt der Blick fürs Ganze" (2. Januar 2013) 

Neues YellowPaper von EURACTIV.de (VI) / Positionen der Wirtschaft / VKU zur Energiewende: "Es geht nur mit ganzheitlichen Ansätzen!" (28. Januar 2013)

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