„Smart Villages“ in Tschechien: Infrastruktur selber machen?

Idealbild(?): Mit Drohne und Laptop auf dem Acker. [Budimir Jevtic/Shutterstock]

Ausbleibende Modernisierung und andere Strukturprobleme sind eine große Herausforderung für ländliche Gebiete in ganz Europa. Diese Gegenden sehen sich diversen Problemen in Bezug auf Demografie, Landflucht, Versorgungsdienstleistungen und Digitalisierung gegenüber. Mit dem Konzept „Smart Village“ – das unter den EU-Staaten immer beliebter zu werden scheint – sollen diese negativen Trends angepackt werden. 

„Kurz gesagt, bei Smart Village geht es hauptsächlich um Menschen und darum, etwas für Menschen zu tun. Es ist eine Rückkehr zu teilweise verlorenen Strukturen auf dem Land, zu einem gesunden Menschenverstand, der unserer Gesellschaft manchmal abhanden gekommen ist,“ behauptet Miloslav Oliva, Vorsitzender eines Regionalverbands des nationalen Netzwerks lokaler Aktionsgruppen der Tschechischen Republik.

Ein Hauptgedanke hinter dem Konzept ist es demnach, Menschen dazu zu ermutigen, selbst die Initiative zu ergreifen und Lösungen zu finden, um sich den laufenden Veränderungen anzupassen. Dazu gehört  auch die Unterstützung verschiedener Formen der lokalen Zusammenarbeit – und die Nutzung digitaler Technologien.

Europäische Dörfer müssen "smart" werden

Der vermehrte Einsatz sogenannter e-Tools in ländlichen Gebieten wird es Dörfern und Kleinstädten ermöglichen, agiler zu handeln, ihre Ressourcen besser zu nutzern sowie ihre Attraktivität und die Lebensqualität für die Einwohner verbessern, schreiben die MEPs Franc Bogovic und Tibor Szanyi.

„Daten aus anderen OECD-Ländern zeigen, dass der Einsatz moderner Technologien und neuer Ansätze, sogenannter sozialer Innovationen, in ländlichen Gebieten notwendig ist, um eine Basisinfrastruktur und eine angemessene Lebensqualität für die Menschen vor Ort zu gewährleisten,“ erläutert auch Radim Sršeň, Vizepräsident des tschechischen Zusammenschlusses lokaler Behörden.

Er ist der Meinung, dass die in anderen entwickelten Ländern bereits umgesetzten Projekte eine wichtige Inspirationsquelle dafür sein können, wie bestehende Trends von Landflucht bis übermäßiger Alterung der ländlichen Bevölkerung umgekehrt werden können.

Er sagt: „Südkorea ist ein großartiges Beispiel dafür: Die Landbevölkerung wächst in allen Regionen in absoluten und relativen Zahlen bereits seit zehn Jahren gleichmäßig an.“

Laut Sršeň hat sich die Entwicklung derartiger „intelligenter Dörfer“ auch in den tschechischen Kommunen recht dynamisch entwickelt. „Wenn ich das Ganze mit anderen EU-Mitgliedsstaaten vergleiche, würde ich sagen, dass die Tschechische Republik sogar das Potenzial hat, eine führende Rolle in diesem Bereich zu übernehmen.“

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Auch Oliva verweist auf mehrere tschechische Kommunen, in denen sich systematische positive Entwicklungen aufgrund der Aufnahme von gewissen „Smart Village“-Strategien beobachten ließen. Dazu gehörten beispielsweise Projekte für die öffentliche Straßenbeleuchtung, die Fernsteuerung und Regulierung des Wasserverbrauchs oder die Verwendung verschiedener Geräte zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden.

Landwirtschaft als Vorreiter

Noch deutlich mehr Innovation lasse sich derweil in der Landwirtschaft finden, „wo intelligente Lösungen den Mangel an menschlicher Arbeitskraft erfolgreich ersetzt haben, zum Beispiel in der Viehzucht oder in der sogenannten Präzisionslandwirtschaft“, erklärt Oliva. Eine solche „modernisierte Landwirtschaft“ könnte seiner Meinung nach auch attraktiv für die jüngere Generation sein und ihrer Flucht aus der ländlichen Heimat Einhalt gebieten.

Doch damit nicht genug: Smart-Village-Projekte seien auch nützlich im Umweltschutz, „beispielsweise, um Borkenkäferprobleme in unseren Wäldern zu bekämpfen. Drohnen sind hilfreich bei der Identifizierung von frühem Baumbefall, was wiederum zu schnellem Handeln führt.“

Klar sei aber auch, dass in derartigen Projekte der alleinige Gebrauch moderner Technologie nicht der heilige Gral, sondern nur ein Teilstück eines größeren Puzzles ist.

Auch Sršeň ist sich sicher: „Die Hauptsäule sind nach wie vor die Menschen, ihre Kreativität und ihre Bereitschaft, sich aktiv an der Entwicklung ihrer Region zu beteiligen.“

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

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