Österreich will sich digital besser aufstellen

Auch eine Art Tourismuswerbung: Hallstatt, eine idyllische Touristenhochburg in Österreich, wurde in China kopiert. Die Internetseite des Konzerns "China Minmetals" zeigte die Planungen mit dem Imitat der Marktgemeinde (in der Mitte). Grafik: Minmetals La

Weltweit hat Österreich eines der größten Vertretungsnetze für Wirtschaft und Tourismus. Durch bessere Koordination und die Installierung eines eigenen Hotelbuchungssystems nach Schweizer Vorbild sollen die Strukturen effizienter werden.

Immer mehr Hotelbestellungen laufen über Buchungsplattformen wie booking.com, hotel.de oder hrs.de. Die Provisionen, die diese Gesellschaften von den Hoteliers verlangen, sind beträchtlich und belaufen sich auf bis zu 30 Prozent. Dafür aber bringen sie Gäste aus aller Welt in die österreichischen Tourismusbetriebe. Um nicht dem Druck internationaler Buchungsagenturen ausgeliefert zu sein, hat die Schweiz eine eigene und durchaus erfolgreiche Website aufgestellt: myswitzerland.com. Auch Österreich überlegt nun, eine eigene Buchungsplattform zu installieren.

126 Millionen Nächtigungen

Der Tourismus ist für Österreichs Wirtschaft von großer Bedeutung. Jeder fünfte Vollzeitarbeitsplatz wird im Tourismus und in der Freizeitwirtschaft generiert. Mit 126 Millionen Nächtigungen jährlich legt Österreichs Hotellerie mit 18.000 Beherbergungsbetrieben und 1,05 Millionen Betten einen wichtigen Grundstein für die Wertschöpfung im Tourismus, die sich auf 15,3 Milliarden Euro beläuft. Für  den Vorsitzenden des zuständigen Fachverbandes, Klaus Ennemoser, ist daher auch „die Hotellerie die Leitbranche des Tourismus“. Zu den Stärken des Tourismusstandortes Österreich zählen neben Landschaft, Qualität und Gastfreundschaft vor allem die Sicherheit: „Hier kann unser Land im Vergleich zu anderen Destinationen, wo der Gast im Hotel durch Sicherheits-Checks wie am Flughafen muss, punkten.“ Die größte Schwäche der österreichischen Hotellerie besteht laut Ennemoser im Vertrieb. Er verlangt daher, dass sich die Branche „vor allem digital besser aufstellt“. Nicht nur, dass jedes Hotel eine eigene attraktive Homepage benötigt, auch an einer eigenen Hotel-Buchungsplattform wird nun gearbeitet.

Tourismus-Marketing und Werbung müssen koordiniert werden

Ein Problem beim Außenauftritt der österreichischen Tourismusbranche scheint in der Aufsplitterung der Marketing- und Werbungsaktivitäten zu liegen. Österreich bietet als mehrsaisonale Destination Angebote im Winter wie im Sommer, ist Kultur- und Kongressland, offeriert eine breite Palette von High-Class-Wellness bis hin zu speziellen Sportaktivitäten. Bunt wie diese vielen Offerte für alle Altersklassen ist auch der öffentliche Auftritt. Da gibt es die Österreich Werbung (ÖW), eine Art Joint Venture von Wirtschaftsministerium und Wirtschaftskammer mit 15 Vertretungen in jenen Ländern, die das Hauptkontingent der Touristen stellen. Daneben unterhalten aber auch einige Bundesländer – so etwa Wien und Tirol – eigene Auslandsvertretungen. Darüber hinaus ist die WKO, die Wirtschaftskammer Österreich, aktiv. Sie ist in 115 Ländern durch eigene Außenwirtschafts-Center vertreten und verfügt nach den USA über das größte weltweite Vertretungsnetzwerk. Zwischen all diesen Institutionen gibt es freilich zu wenig Zusammenarbeit und damit auch keine Bündelung notwendiger Aktivitäten zur Akquise von Gästen. Mehrere Anläufe zu einer Reform und einheitlichen Werbelinie sind im Sand verlaufen. Der allgemeine Druck, zu effizienteren Strukturen zu gelangen, Kosten zu sparen und stattdessen mehr in neue Initiativen zu investieren, wird demnächst Thema auf einem Tourismusgipfel sein.

Herbert Vytiska (Wien)

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren