Kooperation von sechs Staaten stoppt GozNym-Netzwerk

79 Prozent der befragten Europäer glauben, sie sind heute einem größeren Risiko durch Cyberattacken ausgesetzt, als es noch vor ein paar Jahren der Fall war. [EPA/RITCHIE B. TONGO]

Sechs Staaten haben sich zusammengetan, um ein transnationales Online-Betrügernetzwerk zu stoppen. Sie nennen es einen Meilenstein für die Kooperation nationaler Behörden. Darin liege der Schlüssel für ein sichereres Internet, kommentiert EU-Kommissar Julian King beim CyberSecurityForum in Berlin.

Die Schadsoftware GozNym zielt darauf ab, fremde Bankkonten zu plündern. Mithilfe des Trojaners versuchte ein kriminelles Netzwerk, an rund 100 Millionen US-Dollar von rund 41.000 Opfern zu gelangen. Die Spuren führen von Georgien, nach Russland, nach Kasachstan, nach Moldawien, in die Ukraine und weiter nach Bulgarien. Jetzt wird mehr als einem Dutzend der Drahtzieher der Prozess gemacht.

Das ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen sechs Ländern – Bulgarien, Deutschland, Georgien, Moldova, die Ukraine und den USA – koordiniert von Europol und Eurojust. Sie präsentierten ihre Untersuchungen am Donnerstag, 16. Mai, im Europol-Headquarter in Den Haag.

Die Kooperation ist ein Novum: Nie zuvor wurden so viele Daten zu laufenden Untersuchungen zwischen den verschiedenen nationalen Behörden ausgetauscht, so der US-Staatsanwalt Scott W. Brady bei der Pressekonferenz. Er nennt den Fall einen Meilenstein für die Verfolgung organisierter Cyberkriminalität. „Kriminalität kennt keine Grenzen, wir werden dasselbe tun“, so Gabriele Launhardt, Oberstaatsanwältin von Eurojust.

Die demontierte Gruppe war ein Teil des Avalanche-Netzwerks, das Ende 2016 im Zuge von gemeinsamen Ermittlungen zerschlagen wurde. Das Netzwerk bot Kriminellen über zwanzig verschiedene Schadsoftware-Kampagnen – eine davon war GozNym. Den involvierten Behörden war damals klar: Um die Fälle weiter zu verfolgen, mussten sie ihre Kooperation verstärken.

„Wir haben viel aus den Untersuchungen gelernt und sind jetzt deutlich effektiver dabei, solche transnationalen Fälle zu verfolgen“, sagte ein Europol-Sprecher zu EURACTIV. Schließlich kenne Polizeiarbeit überall auf der Welt ähnliche Probleme.

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Neues Cyber-Kompetenz-Netzwerk in Europa

Diese Art der Kooperation müsse weiter ausgebaut werden, sagte EU-Kommissar Julian King währenddessen beim zeitgleich stattfindenden CyberSecurityForum in Berlin: „Cyberkriminalität ist ein wachsendes Problem – es kostet uns hunderte Milliarden Euro im Jahr.“

Als konkreten Schritt plant die Kommission derzeit die Einrichtung eines Netzwerks von Cyber-Kompetenzzentren in ganz Europa. So soll einerseits die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Cybersicherheits-Industrie gestärkt werden und andererseits durch verbesserte Bedingungen andere Industrien unterstützen. Das Projekt ist als Teil des Finanzrahmens 2021-2027 budgetiert.

Derzeit hinkt die EU deutlich hinter den USA und China her: Es muss deutlich mehr investiert werden, so King.

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Im Bereich Datensicherheit wurde „nur an der Oberfläche gekratzt“

Nicht zuletzt im Vorfeld der EU-Wahlen steht das Thema Cybersicherheit ganz oben auf der Agenda in Brüssel. Diese bietet ein sehr attraktives und leichtes Ziel für Attacken: Wahlen in 28 Ländern über mehrere Tage verteilt, könnten zum Einfallstor für Hackerangriffe werden, so King: „Wir müssen den Platz für Manipulationen möglichst stark reduzieren.“

Im Zusammenhang mit den Wahlen nannte der EU-Kommissar auch die Arbeit mit großen Plattformen wie Facebook und Google. Während King den Fortschritt in puncto politischer Werbung lobte, habe man in anderen Bereichen „nur an der Oberfläche gekratzt“. Etwa müsse viel mehr Information dazu geteilt werden, wie Plattformen mit falschen Accounts umgehen – ganz im Gegensatz zu den von Facebook angekündigten Schritten im Kampf gegen solche Fakes, nehme ihre Anzahl nur weiter zu. „Wir brauchen besseren Zugang für Faktenchecker, Forscher und die Zivilgesellschaft. Es ist nicht genug, dass Plattformen ihre eigenen Hausaufgaben bewerten.“ Auch zur Frage, wie Falschnachrichten korrigiert werden können, müsse viel mehr passieren.

Bislang läuft die Selbstregulierung der Plattformen auf freiwilliger Basis. „Wenn jedoch nicht der Fortschritt erreicht wird, den wir brauchen, werden wir verbindliche Schritte setzen“, kündigte King an.

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