Kommission will Forschung und Innovation vorantreiben

Jyrki Katainen beim Weltwirtschaftsforum 2018 in Davos. [© European Union, 2018 / Photo: Johanna Leguerre]

Wenn die Staats- und Regierungschefs der EU heute im bulgarischen Sofia zusammenkommen, will die Kommission neue Vorschläge zur Förderung von Forschung und Entwicklung vorlegen.

Das teilte die Brüsseler Behörde am Mittwochmorgen mit. Investitionen in Forschung seien Investitionen in die Zukunft. Außerdem dienten sie der Verbesserung des täglichen Leben von Millionen von Menschen in Europa und weltweit, indem sie zur Lösung einiger unserer wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen beitrügen, begründete die Kommission den Vorstoß. Angestrebt werde eine „erneuerte Europäische Agenda für Forschung und Innovation„.

Ohnehin wollten die Staats- und Regierungschefs heute über zukunftsorientierte Investitionen sprechen, was auf viel Zustimmung seitens der Kommission stieß. Für die neue Agenda schlägt sie unter anderem Maßnahmen vor, die  sicherstellen sollen, dass Regulierung und Finanzierung innovationsfreundlich sind. Außerdem wird durch das Paket eine Vorreiterrolle bei „marktschaffenden Innovationen“ angestrebt. Zu diesem Zweck soll ein  Europäischer Innovationsrat eingerichtet werden, der eine zentrale Anlaufstelle für „innovative Unternehmen mit Wachstumspotenzial sein soll“.

Darüber hinaus sieht das Paket den Start einer Reihe europäischer Forschungs- und Innovationsaufträge „mit anspruchsvollen, ehrgeizigen Zielen und einem starken europäischen Mehrwert“ vor. Hier könne die Bandbreite von der Bekämpfung von Krebserkrankungen über den sauberen Verkehr bis zu plastikfreien Meeren reichen. Die Aufträge sollen Investitionen und Mitwirkung über Branchen und wissenschaftliche Disziplinen hinweg fördern, um Herausforderungen gemeinsam bewältigen zu können. Sie sollten Synergien mit Forschungs- und Innovationsstrategien auf Ebene der Mitgliedstaaten sowie auf regionaler und lokaler Ebene hervorbringen.

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„Europa verfügt über eine Forschung von Weltrang und eine starke industrielle Basis. Wir müssen uns jedoch noch mehr – viel mehr – anstrengen, damit diese exzellenten Grundlagen Erfolge bringen. Neue Megatrends wie die künstliche Intelligenz und die Kreislaufwirtschaft werden tief greifende Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft bewirken. Wir müssen schnell handeln, um an der Spitze der neuen Innovationswelle stehen und den Standard für den globalen Wettbewerb setzen zu können“, erklärte der für Arbeitsplätze zuständige EU-Kommissar Jyrki Katainen.

Forschungs-Kommissar Carlos Muedas ergänzte: „Angesichts des zunehmenden internationalen Wettbewerbs muss Europa dringend in den Bereichen Forschung und Innovation handeln. Die vorgeschlagenen 100 Mrd. EUR für das nächste EU-Forschungs- und Innovationsprogramm der EU würden für einen starken Impuls sorgen. Europa muss jedoch auch die Förderung bahnbrechender Innovationen durch die Einrichtung eines neuen Europäischen Innovationsrats reformieren und durch ein auftragsorientiertes Konzept für Forschung und Innovation mit den Bürgerinnen und Bürgern wieder in Verbindung treten.“ Man müsse die  Rechtsvorschriften zukunftssicher machen und verstärkt für private Investitionen, insbesondere im Bereich Risikokapital, sorgen.

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Das Thema Innovation dürfte auch beim Westbalkan-Gipfel eine wichtige Rolle spielen, anlässlich dessen sich die Staats- und Regierungschefs heute und morgen auch formell in Sofia aufhalten. Zentraler Tagesordnungspunkt des Treffens mit den Regierungschefs von sechs Ländern des westlichen Balkans ist die „Konnektivität“

„Wir wollen die Verbindungen zu und innerhalb dieser Region verstärken. Das reicht von mehr Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur über einen vermehrten Bildungs- und Kulturaustausch bis hin zu einer einfacheren und schnelleren Kommunikation zwischen unseren Bürgerinnen und Bürgern. Bei dem Treffen soll auch eine engere Zusammenarbeit in Bereichen von gemeinsamem Interesse, wie etwa Sicherheit und Migration, in die Wege geleitet werden,“ verlautbarte Ratspräsident Donald Tusk im Vorfeld.

Hintergrund

Obwohl in der EU nur sieben Prozent der Weltbevölkerung leben, werden hier 20 Prozent der weltweiten FuE-Investitionen getätigt und ein Drittel aller wissenschaftlichen Artikel von hoher Qualität veröffentlicht, vermeldet die Kommission. Ferner verfüge die EU über eine weltweit führende Position in Wirtschaftszweigen wie der Pharmabranche, der chemischen Industrie, dem Maschinenbau und der Modebranche.

Europa sei relativ gut darin, den Wert bestehender Produkte, Dienstleistungen und Prozesse zu erhalten oder zu steigern, was als „inkrementelle Innovation“ bezeichnet wird. Zu beobachten sei dies in so vielfältigen Branchen wie der Luft- und Raumfahrt, der Arzneimittelbranche, der Elektronikbranche und den Sektoren erneuerbare Energien, biobasierte Industrien und fortschrittliche Fertigung. Fortschritte wurden auch bei der Förderung von Innovationen durch Schlüsseltechnologien wie Robotik, Fotonik und Biotechnologie erzielt. Diese Technologien können laut Kommission in vielen Branchen eingesetzt und angewandt werden und sind für die Bewältigung zentraler gesellschaftlicher Herausforderungen von entscheidender Bedeutung.

In vielen Bereichen ist Europa allerdings auch im Rückstand, beklagt die Brüsseler Behörde. Die EU-Unternehmen investieren demnach mit 1,3 Prozent des BIP weniger in Innovation als ihre Konkurrenten wie China oder die USA. Der Risikokapitalmarkt sei in Europa zudem nach wie vor unterentwickelt. Folglich siedeln die Unternehmen in Wirtschaftssysteme um, wo sie bessere Chancen auf ein rasches Wachstum haben. In der EU gibt es laut Kommission nur 26 „Unicorn-Startups“ (Start-ups mit einem Wert von über 1 Mrd. USD), gegenüber 109 in den USA und 59 in China.

Technologiegetriebene Innovationen, Digitalisierung und globale Megatrends wie die künstliche Intelligenz und die Kreislaufwirtschaft böten enorme Möglichkeiten, schaffen aber auch neue Herausforderungen. Der weltweite Wettbewerb nimmt an Intensität zu und bedrohe Europas führende Wettbewerbsposition in wichtigen Industriezweigen. Europa müsse seine Innovationsfähigkeit vertiefen, um die europäische Lebensweise zu erhalten und zu verbessern. Das will die Kommission mit den neuen Vorschlägen angehen.

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