Über die Hälfte der jungen Europäer hält es für gerechtfertigt, urheberrechtlich geschützte Inhalte aus dem Netz zu laden. Illegale Downloads würden vor allem Unternehmen und erfolgreichen Künstlern schaden, so die Ergebnisse einer EU-weiten Umfrage.
Raubkopien sind keine Mangelware im Internet. Über Streamingdienste, Tauschbörsen und Filesharing-Programme gibt es fast alles, was sich der Verbraucher wünscht – vom neusten Kassenschlager im Kino bis hin zu den neusten Musikhits. Und zwar kostenlos.
57 Prozent der EU-Bürger im Alter zwischen 15 und 24 Jahren finden es durchaus angemessen, sich diesem Angebot für private Zwecke zu bedienen. 42 Prozent, wenn es keine rechtmäßige Alternative gibt. Mit steigendem Alter nimmt die Befürwortung ab. Insgesamt halten rund ein Drittel der Europäer illegale Downloads für gerechtfertigt. Das geht aus einer Studie des Harmonisierungsamtes für den Binnenmarkt (HABM) hervor, die am heutigen Montag in Brüssel vorgestellt wurde.
"Geistiges Eigentum zählt zu den kostbarsten Vermögenswerten Europas, das jedoch auch laufend gefährdet ist", erklärt António Campinos, Präsident des HABM, zu den Forschungsergebnissen. "Die europäischen Bürger sehen es nicht als ihre Verantwortung, geistiges Eigentum zu schützen, vor allem wenn andere nicht die gleichen Werte teilen und nicht sicherstellen, dass die Vorschriften eingehalten oder den Erwartungen der Menschen angepasst werden."
Kauf von gefälschter Markenware als "Protestakt"
Zwar halten fast alle Befragten geistiges Eigentum für einen grundlegenden Bestandteil der wirtschaftlichen und sozialen Ordnung ihres Landes. Gleichzeitig glauben nur rund ein Zehntel, dass die Verbraucher selbst davon profitieren. Weit häufiger seien ihrer Meinung nach große Unternehmen und erfolgreiche Künstler die Nutznießer.
Obwohl die Zustimmung für illegale Downloads hoch ist, geben nur zehn Prozent der Europäer an, in den vergangenen zwölf Monaten unrechtmäßig Inhalte aus dem Internet abgerufen oder heruntergeladen zu haben. An der Umfrage nahmen 26.500 Personen über 15 Jahre teil.
Auch gegenüber dem Kauf von gefälschten Waren sind die Bürger tolerant: Durchschnittlich 34 Prozent der Europäer halten den Erwerb für gerechtfertigt, wenn sie dadurch Geld sparen können. 38 Prozent sind der Meinung, dass der Kauf von Fälschungen als Protesthandlung gegen eine marktgesteuerte Wirtschaft angemessen ist. Das trifft besonders auf die 15 bis 24-Jährigen zu: Hier ist es jeder Zweite.
Welche Downloads sind (il)legal?
Während das Hochladen von Inhalten über das Internet, etwa über Filesharing-Portale oder Tauschbörsen, eindeutig rechtswidrig ist, streiten sich Juristen bis heute darüber, ob das Herunterladen und "Streamen" erlaubt ist.
Die rechtliche Grauzone nutzen IT-Rechtsanwälte zu ihrem Vorteil: Bis zu 100.000 Abmahnungen verschickten sie im vergangenen Jahr an deutsche Internetnutzer, mit zum Teil vierstelligen Geldforderungen. Seit dem Sommer dieses Jahres ein Bundesgesetz, was die Abmahngebühren auf 148 Euro begrenzt. Die Bundesregierung wollte damit den Verbraucher finanziell entlasten und das Geschäft für die Anwälte weniger attraktiv machen.
Dennoch wird fleißig weitergemahnt: Bei dem Landgericht Köln, das für die Telekom als größtem Provider zuständig ist, gingen im Oktober 596 Anträge ein, in denen Anwälte wegen Urheberrechtsverletzungen um Auskunft zu Inhabern von Internetanschlüssen baten. Im September – vor Inkrafttreten des Gesetzes – waren es 544, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Auch die Kosten für Verbrauchen seien bisher nicht gerringer. Zwar können Anwälte nicht mehr so hohe Gebühren verlangen, stattdessen aber umso mehr Schadensersatz.
dsa
