Huawei: EU macht „großartige Arbeit“

Huaweis CEO Ken Hu spricht zur Eröffnung des Firmen-Gipfeltreffens am gestrigen Dienstag. [Jorge Valero]

Mit Verweis auf den wachsenden Druck der USA auf die europäischen Regierungen, chinesische Technologieunternehmen zurückzuweisen, betonte Huaweis CEO Ken Hu am Dienstag, die EU leiste „großartige Arbeit“ in Sachen Cybersicherheit.

In seiner Rede auf dem jährlichen Analystengipfel in Shenzhen, wo das Unternehmen seinen Hauptsitz hat, deutete Hu an, für wie wichtig das chinesische Riesenunternehmen die Maßnahmen der europäischen Regulierungsbehörden hält. EURACTIV war beim Treffen in China vor Ort.

So erwähnte Hu das Anfang März in Brüssel eröffnete Cybersicherheitszentrum, das die Transparenz der in diesem Bereich geleisteten Arbeit erhöhen sowie die Zusammenarbeit mit Interessengruppen und europäischen Regulierungsbehörden verbessern soll.

„Vertrauen ist im Technologiesektor entscheidend“, unterstrich Hu. Ihm sei dabei bewusst: „Die Menschen haben Bedenken. Bei Huawei verstehen wir diese Bedenken voll und ganz, denn wir sind auch Verbraucher.“

Er verteidige daher einen „systemischen Ansatz“, um die Cybersicherheit in der gesamten Gesellschaft und unter Einbeziehung aller Branchen zu stärken. Wichtig sei seiner Ansicht dabei auch, dass für alle Firmen die selben Standards gelten – und nicht nur chinesische Unternehmen ins Fadenkreuz der (europäischen) Regulierungsbehörden geraten, so Hu.

Reaktionen auf Cyberbedrohungen sollten indes „auf Fakten beruhen“, die genauestens überprüft werden müssten. Gerade in dieser Hinsicht habe die EU bisher „hervorragende Arbeit geleistet“, fügte der CEO hinzu.

"Versöhnliche" Töne zwischen EU-Kommission und Huawei

Das Treffen zwischen dem für den digitalen Binnenmarkt zuständigen Kommissar Andrus Ansip und dem Huawei-Vorsitzenden Ken Hu bezeichnete ein Huawei-Sprecher als „versöhnlich“.

Seine Kommentare kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Trump-Regierung ihren Druck auf diverse Länder weltweit, insbesondere auf europäische Regierungen, verstärkt. Ihrer Ansicht nach sollten Huawei und andere chinesische Anbieter abgewiesen und ihnen der Zugang zu den westlichen Märkten verwehrt werden. Hochrangige US-Sicherheitsbeamte warnen in diesem Zusammenhang vor der Gefahr von Cyberspionage und Störungen der 5G-Netze.

Ein Beamter sagte im Gespräch mit EURACTIV außerdem, die chinesische nationale Cybersicherheitsgesetzgebung sei vergleichbar mit einer „geladenen Waffe“ an der Schläfe des Rests der Welt.

US-amerikanische und europäische Beamte wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, das chinesische Recht könne nationale Unternehmen zur Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten Pekings zwingen.

Europäische Risikobewertung

Vor diesem Hintergrund und nach der Verhaftung eines Huawei-Mitarbeiters in Polen wegen angeblicher Spionage hat die Europäische Kommission die Mitgliedstaaten aufgefordert, bis Ende Juni sogenannte „nationale Risikobewertungen“ ihrer Netzinfrastruktur durchzuführen.

Bis Oktober wollen die Kommission und die Europäische Agentur für Cybersicherheit (ENISA) dann eine weitere, koordinierte Risikobewertung abschließen.

Auf Grundlage dieser Bewertungen werden die EU-Institutionen dann über weitere Schritte entscheiden, einschließlich der zu erbringenden Zertifizierungen und der Befugnisse für nationale Behörden, Anbieter auszuschließen, die die Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen.

5G-Streit bedroht auch Huaweis Handy-Sparte

Seit Monaten wird über mögliche Spionagewerkzeuge in Netzwerktechnik von Huawei diskutiert. Das hat Auswirkungen auf die Beliebtheit der Smartphones des chinesischen Herstellers in Deutschland.

Die EU sei „pragmatisch“ und folge nicht blind den Forderungen Washingtons, zeigte sich Huaweis Hauptpressesprecher Joe Kelly gegenüber EURACTIV.com zufrieden.

„Wir erwarten von der EU, dass sie Standards, Richtlinien und Anforderungen festlegt und diese dann auf alle Anbieter anwendet; unabhängig davon, wo sich deren Hauptsitz befindet,“ fügte er hinzu.

Neue Deals für Huawei

Trotz des Drucks aus den USA und der Bedenken in einigen europäischen Ländern hat es das chinesische Unternehmen in den vergangenen Monaten geschafft, diverse neue Verträge zum Ausbau der 5G-Netze abzuschließen.

Vertreter von Huawei erklärten gestern, das Unternehmen habe bereits 23 entsprechende Verträge mit europäischen Telekom-Anbietern und Netzbetreibern über die Umsetzung von 5G sowie insgesamt 40 Deals weltweit unterzeichnet. Zu den Kooperationspartnern gehören demnach Vodafone, Hutchison, die Deutsche Telekom und Telecom Italia.

5G-Auktion: Das Rennen um das Netz der Zukunft

Heute beginnt das Wettbieten um die Vergabe der 5G-Frequenzen in Deutschland. Aus dem Ausland beobachtet man vor allem Deutschlands Kurs im Streit rund um Aufträge an den chinesischen Telekom-Riesen Huawei.

Hu bestätigte in dieser Hinsicht, 5G verbreite sich „sehr viel schneller als erwartet“. Bis 2025 würden rund 6,5 Millionen Stationen installiert sein, die 2,8 Milliarden Menschen und damit 58 Prozent der Weltbevölkerung mit der schnellen Internettechnologie versorgen, prognostizierte er.

Er beschrieb eine Zukunft, in der 5G ein reibungsloses, nicht durch Apps zerstückeltes Verbrauchererlebnis bringen werde, wobei die künstliche Intelligenz im Mittelpunkt stehe.

(Bearbeitet von Benjamin Fox und Tim Steins)

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