Huawei-Chef: China lässt nicht zu, dass wir zum Schafott geführt werden

Die chinesische Firma Huawei hat einen schwierigen Stand im Handel mit US-Partnern. Im schlimmsten Fall werde die Regierung in Peking aber Gegenmaßnahmen ergreifen, glaubt der CEO des Unternehmens. [Shutterstock]

Ein leitender Vertreter des Telekommunikationsriesen Huawei hat erklärt, Peking könne Gegenmaßnahmen in Erwägung ziehen, falls die Vereinigten Staaten ihre Sanktionen gegen das chinesische Unternehmen verschärfen.

In einem Pressegespräch zur Veröffentlichung von Huaweis Jahresbericht 2019 am gestrigen Dienstag sagte der Vorstandsvorsitzende Eric Xu, er erwarte, dass der chinesische Staat einspringen werde, falls weitere US-Sanktionen erlassen würden: „Die chinesische Regierung wird nicht einfach nur zusehen, wenn Huawei [von den USA] zum Schafott geführt werden soll.“

Er gehe davon aus, dass die Regierung in Peking „Gegenmaßnahmen“ ergreifen würde, falls die USA tatsächlich ihre „Strafliste“ erweitern und möglicherweise neue Verbote für den Verkauf von in China hergestellten Produkten in die USA erlassen.

In diesem Fall, so Xu, könne es aber zu einer „katastrophalen Zerstörung“ der weltweiten Lieferketten kommen. „Wir hoffen, dass die globale Industrie zusammenarbeiten kann,“ fügte er hinzu und wies auch darauf hin, dass das Unternehmen in Zukunft gegebenenfalls versuchen müsste, wichtige Ausrüstung aus anderen Regionen, beispielsweise Europa, zu beziehen.

US-Sanktionen: Huawei bereitet sich "auf das Schlimmste" vor

Der chinesische Telekom-Riese Huawei bereitet sich „auf das Schlimmste“ vor, so ein Manager des Unternehmens. Der Hintergrund: Am 19. August läuft die einstweilige Aufschiebung des US-Handelsverbots für Huawei-Geräte aus.

Xu führte einen Einnahmeausfall von rund zwölf Milliarden US-Dollar darauf zurück, dass US-Präsident Donald Trump das Unternehmen auf eine Liste gesetzt hat, die amerikanische Firmen vom Handel mit Huawei ausschließt, wenn nicht eine temporäre Generallizenz erteilt wird.

Im Gespräch mit der Financial Times erklärte der CEO, Huawei habe trotz dieser Einschränkungen im Jahr 2019 rund 18,7 Milliarden Dollar im Handel mit US-Firmen ausgegeben, was einen erheblichen Anstieg gegenüber dem Wert von elf Milliarden Dollar im Jahr 2018 darstellt. Eine Recherche der Zeitung ergab darüber hinaus, dass das neueste Smartphone des Unternehmens, das P40, tatsächlich viele Komponenten von US-Firmen nutzt.

Dennoch hat die US-Kampagne gegen Huawei spürbare Auswirkungen auf die Gewinnmargen des Unternehmens: Für das Jahr 2019 gab das Unternehmen einen Nettogewinn von 62,7 Milliarden Yuan (ca. acht Milliarden Euro) an, was einer Steigerung von „nur“ 5,6 Prozent entspricht, verglichen mit einem Anstieg von 25 Prozent im Vorjahr.

5G in Europa kommt wohl später

In der Zwischenzeit dürfte sich der 5G-Ausbau in Europa aufgrund der anhaltenden Coronavirus-Krise „sicherlich verzögern“, orakelte Xu am Dienstag.

In einem unterschwelligen Aufruf an Europa, seine zukünftigen Investitionen in die 5G-Netzinfrastruktur nun zu beschleunigen, erinnerte Xu, China habe seine 5G-Planungen weiter vorangetrieben, seit die Coronavirus-Epidemie in den vergangenen Wochen unter Kontrolle gebracht wurde.

An anderer Stelle wies auch der EU-Vertreter von Huawei, Abraham Liu, auf die strategische Bedeutung Europas für das Unternehmen hin: „Mehr denn je bleibt Huawei in dieser schwierigen Zeit, in der wir uns derzeit befinden, Europa als unserer zweiten Heimat verpflichtet,“ sagte er am Dienstag in einer Erklärung.

Grüne warnen vor Huawei im deutschen 5G-Netz

Die Grünen im Bundestag haben vor einer Beteiligung des chinesischen Technologiekonzerns Huawei am Aufbau des deutschen 5G-Netzes gewarnt. Der Einsatz von Huawei-Komponenten berge Risiken, „die nur äußerst schwer abzusehen sind“.

Die chinesische Führung hat sich in den vergangenen Tagen sehr bemüht darum gezeigt, diversen EU-Mitgliedsstaaten mit umfangreichen Spenden in Form von medizinischer Ausrüstung Hilfe zu leisten.

Dies veranlasste den EU-Außenvertreter Josep Borrell kürzlich zu der Aussage, dass sich inmitten der Verbreitung des Virus eine „Politik der Großzügigkeit“ zeigt, mit der China wohl „aggressiv die Botschaft vermitteln will, dass es im Gegensatz zu den USA ein verantwortungsvoller und zuverlässiger Partner ist“.

Später schwächte Borrell seine Aussage ab und betonte, die EU schätze jegliche Unterstützung aller Partner weltweit.

Eine „Seidenstraße der Gesundheit“?

Insbesondere für Italien bietet China erhebliche Unterstützung an. Eine EURACTIV-Recherche im vergangenen Jahr hatte ergeben, dass Peking auch plant, insbesondere mit Italien bei der Entwicklung von „Straßen, Eisenbahnlinien, Brücken, Zivilluftfahrt, Häfen, Energie und Telekommunikation“ im Rahmen der chinesischen Initiative „Neue Seidenstraße“ zusammenzuarbeiten.

Vor zwei Wochen hat Chinas Präsident Xi Jinping dann auch die Idee der Einrichtung einer „Seidenstraße der Gesundheit“ lanciert, an der Italien als Partner direkt beteiligt wäre und die zur Bekämpfung der Epidemie beitragen könnte.

Der Vorstoß sorgte in Brüssel für Stirnrunzeln. Die italienische Europaabgeordnete Anna Bonfrisco sah sich sogar veranlasst, an die Europäische Kommission zu schreiben und zu warnen, dass China als Teil der Pläne „versuchen könnte, Gesundheits- und technologische Daten“ von EU-Bürgerinnen und -Bürgern zu erhalten.

Bonfrisco sprach am Dienstag mit EURACTIV.com und rief dabei erneut die italienische Regierung auf, keine derartigen Partnerschaften, beispielsweise mit Huawei, einzugehen: „Der Schutz elektronischer Gesundheitsinformationen ist entscheidend, um das Leben und die Privatsphäre der Menschen zu respektieren.“

Nach Unions-Beschluss: Huawei darf sich nicht zu früh freuen

CSU und CDU beschlossen gestern, Huawei nicht namentlich vom 5G-Ausbau auszuschließen. Doch in den Details des Positionspapiers verstecken sich Passagen, die doch noch zum Ausschluss führen könnten. Nun ist die SPD am Zug.

Derweil bestehen weiterhin Spannungen zwischen den USA und China, die nun offenbar auch im Buhlen um Länder wie Italien ausgetragen werden.

So zeigte sich Präsident Donald Trump sehr bemüht, die US-amerikanische Unterstützung für Italien im Kampf gegen das Coronavirus hervorzuheben.

Im Pressegespräch im Weißen Haus sagte Trump am Montag, nach seinem Telefongespräch mit dem italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte sei letzterer „sehr glücklich“ gewesen, als Trump ankündigte, die USA würden medizinische Ausrüstung im Wert von 100 Millionen US-Dollar an sein Land liefern.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

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