EWSA politisiert Künstliche Intelligenz

EU-Kommissar Andrus Ansip bei der EWSA-Debatte um Künstliche Intelligenz. [EWSA]

Ohnehin bereitet die Digitalisierung vielen Menschen Sorgen und Ängste. Besonders gruselig wird es, wenn es um künstliche Intelligenz geht. Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss nahm sich dem Thema an.

Wer wird den Menschen als weltbeherrschende Spezies irgendwann beerben? Nicht nur unter Science Fiction-Liebhabern, sondern auch in der Wissenschaft erfreut sich eine mögliche Antwort großer Beliebtheit: Computer. Die Forschung auf dem Feld der Künstlichen Intelligenz (KI) schreitet enorm voran. Bricht bald ein neues Weltzeitalter an, eins in dem selbst lernende Computer, die ihre Intelligenz rasend vermehren, den Ton angeben. Angesichts der heraufziehenden menschengemachten Klimakatastrophe vielleicht keine schlechte Nachricht für den Planeten. Aus dem speziesistischen Blickwinkel eines Homo sapiens aber doch eher unattraktiv.

Arbeit 4.0 – Chancen und Risiken

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Sie wird vieles verändern – auch die Arbeitswelt. Für Arbeitnehmer birgt das viele Risiken – aber auch Chancen, wie eine aktuelle Analyse zeigt.

Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) treibt die Debatte zwar nicht gleich so weit, die Menschheit vor dem Untergang bewahren zu wollen, stellt sich aber doch die Frage, was getan werden muss, damit KI für die Gesellschaft, nicht gegen sie arbeitet. Gestern stand das Thema auf der Tagesordnung.

Die zuständige Berichterstatterin Catelijne Muller aus den Niederlanden arbeitet schon länger dazu. Bereits Mitte vergangenen Jahr verantwortete sie eine umfassende Stellungnahme des Ausschusses. Ihr Ziel ist klar: Die EU soll bei der Entwicklung eines politischen Rahmens für KI eine globale Führungsrolle übernehmen. Dabei soll es nicht nur um technologische Fragen gehen, sondern vor allem um Sicherheit, Privatsphäre, Gleichheit, Wohlstand und ethische Fragen. Muller will einen verbindlichen Ethikkodex für die Entwicklung und Anwendung von KI.

An der gestrigen Ausschussdebatte nahm auch der zuständige EU-Kommissar Andrus Ansip teil. Er wurde eingeladen, um die Pläne der Kommission im Zusammenhang mit dem digitalen Binnenmarkt vorzustellen. In der Debatte beschrieb er den aktuellen Stand und stellte die wichtigsten Initiativen der Kommission vor. Dazu gehören unter anderem die Abschaffung von Roaminggebühren, die Übertragbarkeit digitaler Inhalte – damit Menschen legal gekaufte Musik, E-Books usw. auch auf Reisen in andere EU-Mitgliedstaaten abrufen können, sowie die Abschaffung ungerechtfertigter Geoblockings.

Zugleich problematisierte Ansip die weiterhin bestehende Fragmentierung des digitalen Binnenmarktes. „Es ist wichtig, dass alle Beteiligten harmonisierte Regeln haben, denn während große globale Player durch 28 verschiedenen Regeln navigieren können, ist es für unsere Start-ups und KMU praktisch unmöglich, diese 28 Regelwerke zu verstehen. Und wenn wir mit diesem fragmentierten, digitalen Europa fortfahren, werden wir eine sehr einfache Botschaft an unsere Leute senden, insbesondere an unsere Start-ups: Bleiben Sie zu Hause oder gehen Sie in die USA, wenn Sie aufsteigen wollen.“

Muller zeigte sich im Anschluss an die Debatte zufrieden. Die Pläne der Kommission würden dem Ansinnen des Ausschusses gerecht, dass die EU eine Führungsrolle einnimmt und entsprechende Rahmenbedingungen für die Entwicklung und den Einsatz künstlicher Intelligenz festlegt.

EWSA beleuchtet die Rolle der Türkei in der Flüchtlingskrise

Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss hat sich kritisch mit der Rolle der Türkei in der Flüchtlingskrise auseinandergesetzt. Aber auch Kritik an der EU wird formuliert.

Muller begrüßte zudem die Ankündigung der Kommission, eine Expertengruppe zum Thema zu gründen – eine Forderung, die der EWSA schon vor Monaten formulierte. Zentrale Forderungen des EWSA seien dabei berücksichtigt worden, insbesondere jene nach einem europaweiten Ethikkodex, einer europäischen Infrastruktur zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung von KI, eine Überprüfung von Gesetzen und Vorschriften, um festzustellen, ob sie für die KI-Ära geeignet sind und Innovation im Bereich KI soll verstärkt werden, vor allem mit Blick auf das Gemeinwohl.

„Ich denke, Europa hat zu diesem Zeitpunkt wirklich eine weltweit führende Position eingenommen“, sagte die Berichterstatterin – und gab dem Thema dann doch noch die ganz große Dimension: „Gestern starb Steven Hawking. Hawking warnte uns, dass KI das Beste oder das Schlimmste sein könnte, was die Menschheit jemals erfunden hat. Er sagte auch: Alle sollten sich fragen, was wir jetzt tun können, um die Vorteile von KI zu nutzen und die Risiken zu vermeiden.“

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.