Europas digitaler Sauerstoff

Bei den Global Conferences auf der CeBIT in Hannover zog EU-Kommissarin Neelie Kroes eine Bilanz der Digitalen Agenda. Foto: Deutsche Messe Hannover

EU-Kommissarin Neelie Kroes bewertet die bisherige Umsetzung der Digitalen Agenda insgesamt positiv. Noch gebe es jedoch einige Bereiche, in denen die EU aufholen muss. EURACTIV.de berichtet von der CeBIT.

Das Thema Cloud Computing steht im Mittelpunkt der diesjährigen Computermesse CeBIT in Hannover. Jean-Philippe Courtois, Präsident von Microsoft International, erklärte am Montag bei den "CeBIT Global Conferences" Cloud Computing zum "größten Phänomen der IKT-Industrie (Informations- und Kommunikationstechnologie) seitdem das Internet massenkompatibel geworden ist."

Heutzutage würden Menschen die Art umgestalten mit der Computer mit Telefonen, Fernsehern und allen "Smart"-Geräten arbeiten: Alles wird mit Hilfe der Cloud verbunden. Die Einstiegsfrage in die Cloud sei dabei die nach der Sicherheit. Wie geht man mit der Flut von Daten um? Courtois sprach von einer langen Debatte in der es insbesondere darum gehe, die Sicherheitsfrage für die Menschen nachvollziehbar zu machen.

Verliert Europa den Anschluss?

Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, ging während ihrer Keynote auf das Thema Cloud Computing indessen nicht ein. Stattdessen warnte sie – wie zuvor auch Matthew Key, Europachef von Telefónica – davor, dass Europa den Anschluss im "Digitalen Rennen" verlieren könnte.

Der Digitale Binnenmarkt sei noch nicht vollendet, so Kroes. Man sei jedoch noch auf dem richtigen Weg und wolle dies auch beweisen. Bei der Mehrheit der Leistungsindikatoren und konkreten Maßnahmen liege man "gut im Soll". Die meisten der Maßnahmen würden bis 2013 abgeschlossen sein. Es gebe jedoch "leider auch einige Bereiche, in denen wir noch aufholen müssen. Wir werden die Probleme nicht auf die lange Bank schieben", so Kroes.

Breitbandnetze und Roaming-Kosten

Priorität habe in den kommenden Monaten der Ausbau von Investitionen in Breitbandnetze und eine Senkung der Roaming-Kosten. "Breitbandnetze sind Europas digitaler Sauerstoff. Sie sind unverzichtbar für Wachstum und Wohlstand in Europa. Wir müssen alle zusammenarbeiten, um in wettbewerbsfähige Breitbandnetze zu investieren", so die Kommissarin.

Sie kündigte weitere Details zu den erzielten Fortschritten an. Diese sollen im Mai in einer ersten Bewertungsliste ("Scorecard") vorgestellt werden. Manche Mitgliedsstaaten seien darüber nicht erfreut. Das könne sie jedoch "kaum weniger interessieren", so Kroes.

Das Bild sei insgesamt grundsätzlich positiv, nur noch Details würden für Diskussionsstoff sorgen. Wie kann man mehr Investitionen der großen Internet-Player nach Europa bringen? Man müsse sich zusammensetzen, antwortet die Kommissarin gleich selbst. Grundsätzlich würden immense Investitionen benötigt und hierfür müsse man Partner finden. In ein paar Monaten wird man mehr wissen, so Kroes, denn der nächste "Meilenstein" steht bereits an: Die "Digital Agenda Assembly" Mitte Juni dieses Jahres in Brüssel. Zusammen mit den Mitgliedsstaaten, EU-Institutionen, Bürgern und Industrie werde man den Fortschritt und kommende Herausforderungen bewerten.

Obwohl sie das Thema Cloud Computing nicht angesprochen hatte, kam Kroes auch auf die Sicherheitsfrage zu sprechen. Der Rahmen der Digitalen Agenda besteht aus sieben Pfeilern. Alle sieben würden sich um das Thema Sicherheit drehen, so Kroes. Als "faszinierend" bezeichnete sie vor diesem Hintergrund die völlig andere Auffassung von Privatsphäre, die Jugendliche heutezutage hätten. Vollständige Sicherheit könne sie nicht garantieren, sagte Kroes, schließlich könne sie das auch nicht für den Straßenverkehr. Man versuche dennoch das Möglichste.
                
Daniel Tost

Links

Dokumente

EU-Kommission: Digital Agenda: how cloud computing can boost Europe’s competitiveness (2. März 2011)

EU-Kommission: Neelie Kroes Vice-President of the European Commission responsible for the Digital Agenda Where are we with the Digital Agenda? (1. März 2010)

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