EU-Institutionen einigen sich: Mehr Schutz gegen Cyberangriffe

Die EU will den Schutz gegen Cyberangriffe und Hacks verstärken. Auch für europäische Unternehmen ist dies ein wichtiges Anliegen. [wk1003mike/ Shutterstock]

Vertreter der Europäischen Kommission, des Rates und des Parlaments haben am Montagabend vereinbart, die Bemühungen der EU im Bereich Cybersicherheit zu verstärken: Es wurde eine Einigung über das EU-Cybersicherheitsgesetz erzielt.

Mit den beschlossenen Maßnahmen werden mehr Ressourcen und mehr Verantwortung für die Cybersicherheitsagentur der EU (ENISA) bereitgestellt sowie ein Zertifizierungsrahmen geschaffen, der bereits in der Entwurfs- und Entwicklungsphase bestimmte Cybersicherheitsstandards für Produkte festlegt.

Die Kommission wird den Umfang der Produkte, die eine solche obligatorische Zertifizierung durchlaufen müssen, ausarbeiten und bis 2023 eine entsprechende Liste erstellen.

„Vertrauen und Sicherheit sind von grundlegender Bedeutung für das reibungslose Funktionieren unseres digitalen Binnenmarkts,“ erklärte Kommissionsvizepräsident Andrus Ansip, der für den digitalen Binnenmarkt zuständig ist.

„Die heute Abend getroffene Vereinbarung über eine umfassende Zertifizierung von Cybersicherheitsprodukten und eine stärkere EU-Cybersicherheitsagentur ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu seiner [gemeint ist der Digitalbinnenmarkt] Vollendung,“ so der Kommissar weiter.

Die Maßnahmen sollen Unternehmen ein zentrales Portal bieten, auf dem sie nachweisen können, dass ihre Produkte bestimmte Cybersicherheitsstandards erfüllen. Dies werde insbesondere für Verbraucher, die das Internet der Dinge nutzen, von entscheidender Bedeutung sein.

Zuvor hatten Zertifizierungen in mehreren Mitgliedsstaaten genehmigt werden müssen. Die politischen Entscheidungsträger der EU hoffen, dass Unternehmen nun zusätzliche Anreize erhalten, in die Cybersicherheit ihrer Produkte zu investieren, um damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Europäer haben Angst vor Cyber-Bedrohungen

Cybersicherheit wurde in letzter Zeit als eines der Hauptanliegen der EU-Bürger hervorgehoben, insbesondere im Zusammenhang mit den Europawahlen 2019.

Jüngste Eurobarometer-Zahlen belegen, dass 61 Prozent der Europäer befürchten, Wahlen könnten durch Cyberangriffe manipuliert werden, während 59 Prozent sich besorgt über ausländische Akteure und kriminelle Gruppen, die Wahlen beeinflussen wollen, zeigten.

Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans kommentierte diese Zahlen mit der Aussage, dass die EU-Bürger „sehr wohl wissen, welche finsteren Kräfte das, was sie lesen, denken und letztendlich wählen, manipulieren wollen“.

EU-Bürger besorgt über Hackerangriffe

Immer mehr EU-Bürger sind besorgt über mögliche Manipulation von Wahlen durch Cyberangriffe, zeigen neue Eurobarometer-Daten.

Inzwischen sind auf dem gesamten Kontinent kritische nationale Infrastrukturen betroffen gewesen, wobei der WannaCry-Angriff 2017 einer der schwersten war.

Der Angriff gilt als Fanal für die EU-Führer, derartige Cyberattaken als eine der dringendsten Bedrohung für den Block anzusehen.

Auswirkungen auf europäische Unternehmen

Als eine solche schwere Bedrohung werden Cyber- und Hackerangriffe auch im Anfang des Jahres veröffentlichten Bericht „Regional Risks to Doing Business“ des Weltwirtschaftsforums identifiziert.

Für die Studie wurden weltweit mehr als 12.500 Führungskräfte befragt, welche globalen Risiken sie als wichtigstes Anliegen für ihre Unternehmen in den kommenden zehn Jahren betrachten.

„2017 war ein Wendepunkt in der Verbreitung von Cyberangriffen in der EU,“ erklärt Aengus Collins, der Hauptautor des Berichts, gegenüber EURACTIV. „Der wichtigste davon war natürlich der WannaCry-Angriff.“

„Das Beunruhigende an WannaCry war die Tatsache, dass es ziemlich einfache Methoden einsetzte, um eine breite Störung in vielen Systemen zu verursachen,“ so Collins weiter.

Auch Europol bezeichnete den WannaCry-Cyberangriff als „beispiellos“. Er hatte rund 200.000 Computer in 150 Ländern erfasst.

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WannaCry hatte dabei auch Computersysteme im britischen Gesundheitswesen und die deutsche Eisenbahninfrastruktur gestört. Gerade der Angriff auf derart wichtige Infrastrukturen haben dazu beitragen, dass Cyberangriffe als eines der dringendsten Themen für die EU-Unternehmen gesehen werden.

Für die Verfasser des Berichts ist dies „keine Überraschung“. In der Studie heißt es erklärend: „Im Jahr 2017 fanden mehrere massive Cyberangriffe statt, die zu erheblichen Betriebsstörungen und finanziellen Verlusten für Unternehmen auf der ganzen Welt führten.“

Angriffe als „Weckrufe“

Am Montagabend bezeichnete auch die für die Digitalwirtschaft zuständige Kommissarin Marija Gabriel Anschläge wie WannaCry als „Weckrufe“, die das ganze Ausmaß der „potenziellen Folgen großer Cyberangriffe“ zeigen.

„Die Verbesserung der Cybersicherheit in Europa und die Stärkung des Vertrauens von Bürgern und Unternehmen in die digitale Gesellschaft sind für die Europäische Union von höchster Priorität,“ sagte sie.

Gabriel fügte hinzu: „Ich bin fest davon überzeugt, dass die heutige Vereinbarung sowohl die allgemeine Sicherheit unserer Union verbessert als auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärkt.“

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