Digitale Revolution: Tschechische Betriebe kämpfen gegen Jobabbau – und mit langsamem Internet

Der Autobauer Skoda, eine der wichtigsten und größten tschechischen Firmen, sieht sich gut gerüstet für die Industrie 4.0. [EPA-EFE/MARTIN DIVISEK]

Die Tschechische Republik ist einer der am stärksten industrialisierten EU-Staaten – und ihre großen Unternehmen sehen der Digitalisierung aufgeschlossen und positiv entgegen. Kleine und mittelständische Unternehmen haben jedoch Angst vor Arbeitsplatzverlusten und bitten um Unterstützung bei der kostspieligen Transformation.

Laut einer Deloitte-Studie wird die Digitalisierung, Robotisierung und Automatisierung vor allem die Transport- und Schwerindustrie, die Fertigungsindustrie und die Automobilindustrie betreffen. Dies ist von Bedeutung für die Tschechische Republik, wo diese Industrien fast 50 Prozent der gesamten Wirtschaft ausmachen.

So erwirtschaftet die Autofirma Škoda mehr als vier Prozent des tschechischen BIP. Klar ist: Wenn das Land die digitale Transformation nicht schnell und gut genug vorantreibt, wird die Industrie darunter leiden.

„Die Digitalisierung wird große Auswirkungen auf unsere Wirtschaft haben. Die Industrie macht einen großen Teil unseres BIP aus. Darauf müssen wir achten,“ warnte Kryštof Kruliš von der Organisation für Internationale Angelegenheiten (AMO).

Arbeit 4.0 – Chancen und Risiken

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Sie wird vieles verändern – auch die Arbeitswelt. Für Arbeitnehmer birgt das viele Risiken – aber auch Chancen, wie eine aktuelle Analyse zeigt.

Auch die tschechischen Gewerkschaften sehen und verstehen die Problematik. Sie befürchten aber, dass mehr Automatisierung zu einem dramatischen Verlust von Arbeitsplätzen führen wird. Darüber hinaus bestätigt auch die OECD, dass die Tschechische Republik und die Slowakei in Bezug auf die Industrie 4.0 die EU-Länder mit der stärksten Beschäftigungsgefährdung sind.

Doch Michal Kadera von Škoda ist optimistisch. „Wir müssen keine Angst vor Robotern haben. Robotisierung und Gesellschaft 4.0 sind ein fortlaufender Prozess. Es ist mehr eine Evolution als eine Revolution. Es muss keine negativen Auswirkungen auf die Arbeitsplätze geben,“ betonte er.

Kaderas Ansicht nach werden große Unternehmen keine Probleme mit der Transformation haben: „Die meisten von ihnen befassen sich bereits eingehend mit dem Konzept Industrie 4.0.“ Gleichzeitig glaubt allerdings auch er, kleine und mittelständische Unternehmen müssten Unterstützung erhalten.

Weiter forderte Kadera: „Wir müssen uns auch auf E-Government und gut ausgestattete Schulen konzentrieren.“

Er erinnerte auch daran, dass der Erfolg der Transformation in den Visegradländern (Tschechien, Ungarn, Slowakei und Polen) in erster Linie von der Automobilindustrie abhängen wird. „In den V4-Ländern arbeiten eine halbe Million Menschen in der Automobilindustrie. Weitere zwei Millionen sind indirekt daran beteiligt.“

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Junge Menschen sind weiterhin optimistisch, was den zukünftigen Einfluss von Robotern und künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt angeht.

Visegrad braucht einen digitalen New Deal

In Tschechien hat die vorherige Regierung eine nationale Industrie 4.0-Initiative sowie eine nationale Strategie für Cybersicherheit und einen Aktionsplan für die Gesellschaft 4.0 ins Leben gerufen. „Diese Initiativen sind wichtig, weil sie die folgenden Regierungen zum Handeln drängen,“ glaubt Kruliš von der AMO.

Andererseits sind die Pläne recht langfristig; laut Kruliš braucht es vor allem spezifische Ziele: „Wir glauben, dass es in letzter Zeit einen ersten Schritt von diesen langfristigen Strategien hin zur Lösung konkreter Probleme gegeben hat. Das ist gut.“

Er verwies auch auf eine neue Initiative seines Think-Tanks – den sogenannten Digital New Deal – mit der eine breite Expertendiskussion darüber angestoßen werden soll, welches die besten Ansätze und Strategien für die Visegradstaaten in Bezug auf die fortschreitende digitale Revolution sind.

Ondřej Malý vom tschechischen Ministerium für Industrie und Handel scheint derweil ähnliche Schwerpunkte setzen zu wollen wie die AMO: „Die Regierung wird sich vor allem auf den freien Datenverkehr, Konnektivität, Mobilität und Geschäftsentwicklung konzentrieren. Aber auch die Bildung dürfen wir nicht vergessen.“

Seiner Meinung nach geht es vor allem darum, den Ausbau des Hochgeschwindigkeits-Internets, den Abbau von administrativen Hürden sowie eine weitere Verbreitung kostengünstigerer mobiler Datennutzung zu unterstützen. „Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass wir noch sehr wenig über die künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsplätze wissen“, betonte auch er.

Die tschechische ALDE-Abgeordnete Dita Charanzová (ANO) teilte diese Ansicht: „Roboter sind ein sehr sensibles politisches Thema in Europa. Die Gewerkschaften haben Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen – und die Unternehmen hingegen sagen, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. Wir müssen uns sehr sorgfältig mit diesem Thema auseinandersetzen.“

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Kleine und mittelständischen Unternehmen (KMU) haben vor allem das Problem, dass die Umstellung auf die Industrie 4.0 sehr teuer ist.

„Die Endinvestitionen liegen sehr oft in den Hunderttausenden von Euros. Und paradoxerweise ist die Verfügbarkeit von Hochgeschwindigkeits-Internet auch in der Tschechischen Republik nach wie vor ein großes Problem,“ betonte Evžen Reitschläger vom nationalen Verband der kleinen und mittelständischen Betriebe.

„Es sollte eine Maßnahme zur Unterstützung der KMU geben. Für sie wird es immer schwieriger, mit den großen Unternehmen innerhalb ihres Subunternehmernetzwerks Schritt zu halten. Ich kenne einen Fall, in dem ein Automobilkonzern einen seiner Zulieferer kaufen musste, weil dieser mit den schnellen technologischen Veränderungen einfach nicht mehr mithalten konnte,“ so Reitschläger.

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