Autonome Autos und überwachte Schulkinder

Schulranzen: Bald auch mit Überwachungstechnik verfügbar? [shutterstock]

Um im Zeitalter selbstfahrender Autos die Verkehrssicherheit nicht aus dem Blick zu verlieren, setzt die Industrie auf sogenannte Schutzranzen für Kinder. Datenschützer schlagen Alarm.

Das Autos irgendwann alleine fahren, steht außer Frage. Die Forschung ist weit fortgeschritten. Die Konzerne wetteifern um die Führerschaft bei dieser technologischen Entwicklung. Dazu kann man stehen wie man will, die Sicherheit im Straßenverkehr dürfte sich erhöhen. Technik ist zwar nicht fehlerfrei, ein weit entwickeltes System dürfte aber wesentlich weniger Fahrfehler machen als echte Menschen mit all ihren Macken, Schwächen und Problemen.

Allerdings ist nicht jede Technologie, die für Sicherheit sorgt, per Definition ein Fortschritt. So warnen Datenschützer derzeit eindringlich vor „Schutzranzen“ und anderen Umfelderkennungstechnologien. Das Prinzip bei den Ranzen: Damit die Kinder nicht von selbständigen Autos überfahren werden, setzt man ihnen Schulranzen auf, die von diesen Autos automatisch erkannt und gemieden werden. Das Problem: Hier lauert die Datenkrake. Die Bewegungsmuster unserer Kinder könnten aufgezeichnet werden.

So heißt es in einem Bericht des Vereins Digitalcourage e.V: „Es muss geklärt sein, wie solche Autos Gegenstände und Menschen zuverlässig erkennen. Aber auf der Suche nach einer schnellen Lösung darf nicht jedes Mittel recht sein. Erst recht nicht die Überwachung von Kindern.“

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Kritisiert wird seitens Digitalcourage vor allem der Volkwagen-Konzern, der die Technologie vorantreibt: „Die Autoindustrie und Tech-Unternehmen liefern sich ein Wettrennen, wer das erste praxistaugliche autonom fahrende Auto entwickelt. Die Umfelderkennung bereitet dabei bisher die größten Probleme. Es müssen Lösungen her, damit die selbstfahrenden Autos Radfahrer, Fußgängerinnen und andere Lebewesen zuverlässig erkennen. Auf der Suche nach Lösungen schreckt die Volkswagen AG nicht vor Überwachung zurück. Gemeinsam mit dem Startup hinter ´Schutzranzen´ will der Konzern Kinder als Versuchskaninchen benutzen und so austesten, ob sich GPS-Tracking von Fußgängern eignet, um Unfälle zu verhindern. Ein Feldversuch, der gleichzeitig als Dienst an der Gemeinschaft verkauft wird.“

Der Verein hat im Januar aufgedeckt, dass Schutzranzen-GPS-Tracker an Kinder in öffentlichen Grundschulen verteilt werden sollen und fordert nun in einem offenen Brief die Einstellung des Projekts. Die Datenschützer mahnen an, „technischen Fortschritt ohne Übewachung voranzubringen“.

Letztlich dürfte es für die Autoindustrie auch nicht einfach sein, die Öffentlichkeit von Fahrzeugen zu überzeugen, zu deren Sicherheitskonzept es gehört, Kinder mit Schutzranzen auszustatten. Denn was ist mit Kindergartenkindern? Oder Schulkindern, die gerade Ferien haben? Können die sich dann noch auf die Straße trauen? Und falls ja: wozu braucht es dann bitte die Schutzranzen – wenn nicht zur Fütterung der Datenkrake?

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