„Wir müssen das Stromnetz intelligent machen“

VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche beim Future Mobility Summit.

Beim Future Mobility Summit ging es Anfang der Woche um die großen Umbrüche, vor denen die Automobilindustrie steht. Über die Rolle kommunaler Unternehmen in diesem Prozess sprach EURACTIV am Rande der Konferenz mit Katherina Reiche.

Katherina Reiche ist Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). Von 1998 bis 2015 gehörte sie der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an, von 2009 bis 2015 war sie Parlamentarische Staatssekretärin.

EURACTIV: Frau Reiche, kommunale Unternehmen sind häufig geeignet eine Vorreiterrolle einzunehmen, wenn technologische Umbrüche anstehen. Wie viel Diesel steckt heute noch in der Fahrzeugflotte kommunaler Unternehmen und wie viel Elektroantrieb?

Katherina Reiche: Wenn Sie den gesamten ÖPNV in den Blick nehmen, gibt es viele elektrisch betriebene Verkehrsmittel wie S-und U-Bahnen oder Straßenbahnen. Die Busflotten sind natürlich überwiegend dieselbetrieben. Dieselmotoren nach der EURO 6-Norm wären schon ein deutlicher Fortschritt. Ich freue mich daher, dass die neue Bundesregierung angekündigt hat, im Rahmen ihrer „Programme für Saubere Luft“ die Förderung für kommunale Fahrzeugflotten auszuweiten.

Wir haben mit vielen Bürgermeistern gemeinsam Elektromobilität konzeptionell in die Städte gebracht. So waren es häufig Stadtwerke, die die ersten öffentlichen Ladesäulen errichtet haben. Viele städtische Betriebe haben schon früh Elektrofahrzeuge angeschafft. Natürlich könnte man sagen, zwei, drei Säulen und ein paar Autos, das bringt nicht viel. Aber jede Veränderung braucht einen Anfang. Und es braucht Vorreiter, die zeigen, dass es geht. Von den aktuell 9.033 bei der Bundesnetzagentur registrierten öffentlichen Ladesäulen wurden weit über die Hälfte von kommunalen Unternehmen aufgestellt. Und sie betrieben sie, obwohl sich damit noch kein Geld verdienen lässt.

Die komplexe Zukunft der Mobilität

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Reden wir bei Elektrofahrzeugen in kommunalen Unternehmen vor allem von Kleinfahrzeugen, oder sind Technologie und Infrastruktur weit genug, dass auch große, schwere Nutzfahrzeuge mit elektrischem Antrieb alltagstauglich verwendet werden können?

Der Elektroantrieb eignet sich auf jeden Fall im normalen Fuhrpark. Bei großen Maschinen wie Müllfahrzeugen oder Kehrmaschinen gibt es noch kein Angebot an vollelektrischen Fahrzeugen. Außerdem warten wir seit geraumer Zeit darauf, von deutschen Anbietern Elektrobusse kaufen zu können, damit wir nicht auf chinesische oder polnische Modell zurückgreifen müssen. Das wird voraussichtlich Ende dieses Jahres, spätestens 2019 möglich sein.

Aber Elektromobilität ist auch nur eine von vielen möglichen Antworten. Wir haben noch mehr. Beispielsweise  Wasserstoff- oder Erdgasantriebstechnologie, auch für große Fahrzeuge. Und Gas kann auch „grün“ sein, indem man beispielsweise Windenergie in Wasserstoff oder Methan umwandelt. Wir sollten in Deutschland möglichst viele saubere Technologien anbieten. Es gibt eine breite Angebotspalette. Ich wünsche mir, dass Politik die Vielfalt wieder stärker in den Blick nimmt.

Dabei geht es sicher auch um die Unterstützung von Forschung und Entwicklung. Was sind Ihre Erwartungen an die Politik? Wie können Technologien vorangebracht werden, die vielleicht noch nicht ganz so fortgeschritten sind wie der E-Motor ?

Die Bundesregierung fördert bisher technologieoffen. Das begrüßen wir. Ich wünsche mir, dass dies so fortgesetzt wird, sowohl bei den Speicher- als auch Power-to-X-Technologien.

Für die Steuerermäßigung von Erdgas als Kraftstoff gilt, frühzeitige politische Entscheidungen sorgen für Klarheit für langfristige Investitionen. Die unklare Situation zum Ende der letzten Legislaturperiode führte dazu, dass viele kommunale Unternehmen ihre Erdgastankstellen abgebaut haben. Sie mussten davon ausgehen, dass sie sich mittelfristig nicht lohnen. Das ist schade.

Abschließend nochmal zur Elektromobilität. In der Veranstaltung haben Sie darauf hingewiesen, dass es nicht nur um Autos und Ladestationen geht, sondern – was viele nicht wissen – um das, was unter der Erde passiert: um die Stromnetze. Was muss hier getan werden, um auch in der Breite auf elektronisch betriebene Fahrzeuge umstellen zu können?

Zum einen müssen die Netze teilweise verstärkt werden. Dies gilt beispielsweise dann, wenn Schnellladestationen an Autobahnen errichtet werden. Hierfür reicht ein Niederspannungsanschluss nicht aus, also muss das Mittelspannungsnetz ertüchtigt werden.

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Zum anderen müssen die Verteilnetzbetreiber genau wissen, wer wo welche Ladesäule errichtet. So können wir die effizienteste Methode wählen, entweder das Netz verstärken oder zusätzliche Informations- und Kommunikationstechnik installieren, um Stromschwankungen auszugleichen, also Verbrauchsspitzen wegzunehmen. Um dies tun zu können, werden wir das Netz intelligent machen müssen: Ich möchte dies gern mit folgendem Beispiel beschreiben: Nicht jeder, der zum Feierabend nach Hause kommt, muss sein Auto innerhalb einer Stunde vollladen. Oftmals wird das Auto erst am nächsten Morgen wieder gebraucht. Der Ladevorgang hat somit Zeit und kann über Nacht erfolgen. Intelligente Technologien sorgen dafür, dass über Nacht gesteuert geladen werden kann und nicht gleichzeitig zu viel Strom aus dem Netz fließen muss.

Unsere Unternehmen haben keine Bedenken, was an Stromkapazität zur Verfügung gestellt werden muss. Das schaffen wir gut. Unsere Verteilnetzbetreiber tragen die Verantwortung, die Verbrauchsspitzen im Zaum zu halten. Wir nennen das „Tagesschau-Spitzen“: wenn alle um 20 Uhr gleichzeitig den Fernseher einschalten und der Stromverbrauch durch weitere elektrische Geräte in den Privathaushalten deutlich ansteigt. Wenn wir wissen, was passiert, können wir das durch intelligente Lösungen – beispielsweise dem gesteuerten Laden – abfedern. Hierfür bedarf es zusätzlicher Investitionen.

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