Euronews-Chef: Ich bin an Deutschland gescheitert

Euronews-Chef Philippe Cayla bemüht sich seit 2003 vergebens den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland in Euronews einzubinden. Foto: Ralf Roletschek / Wikipedia

Interview mit Euronews-Chef Philippe CaylaEuronews-Chef Philippe Cayla spricht im Interview mit EURACTIV über bisherige Erfolge und neue Ziele für den Fernsehsender Euronews. Seit acht Jahren bemüht sich Cayla vergebens, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Deutschlands für Euronews zu begeistern. „Daran bin ich gescheitert“, sagt Cayla und kritisiert die anti-europäische Entscheidung der Deutschen.

Der Fernsehkanal Euronews, mit Hauptsitz in Lyon, hat ein neues Büro in Brüssel eröffnet. Im Gespräch mit Daniela Vincenti-Mitchener, Euractiv-Redaktionsleiterin in Brüssel, zieht der Euronews-Chef Philippe Cayla eine Zwischenbilanz und gibt einen Ausblick auf Entwicklungen des Senders. Das Interview in voller Länge erschien auf Französisch auf EURACTIV.com und kann auch als Video angeschaut werden.

Euronews wurde 1992 von der Europäischen Rundfunkunion gegründet, um ein Gegengewicht zum amerikanischen Sender CNN aufzubauen. 21 öffentlich-rechtliche Sender sind derzeit als Anteilseigner am Sender beteiligt. Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten Deutschlands sind nicht mit an Bord.

Anti-europäische Entscheidung

Entsprechend frustriert blickt Cayla auf seine Bemühungen in Deutschland zurück. "Euronews ist ein europäisches Unternehmen ohne einen deutschen Partner. Das ist bisher in der Tat ein Misserfolg. Ich versuche das seit 2003 zu ändern und ich versuche die Deutschen für Euronews zu interessieren", sagt Cayla, der Euronews seit 24. April 2003 leitet.

"1992 waren die Deutschen in der Euronews-Arbeitsgruppe beteiligt und sie haben sich zurückgezogen, als die Entscheidung für Lyon als Sendesitz fiel. […] Also haben sie sich in einer ziemlich anti-europäischen Art und Weise zurückgezogen", so Cayla.

Erfolglose Werbetour seit 2003

Seit 2003 sei er nun auf Werbetour in Deutschland unterwegs. "In Deutschland entscheidet nicht die Bundesebene, sondern die 16 Bundesländer. Also muss ich in jedem der 16 Bundesländer einzeln werben. Außerdem ist Deutschland ein Land des Konsens. Es müssen alle zustimmen und bisher habe ich es nicht geschafft, dass alle einverstanden sind. Das ist also mein Scheitern", sagt Cayla.

Trotz des deutschen Desinteresses erreicht Euronews nach Angaben von Cayla inzwischen europaweit sechs Millionen Zuschauer, also etwa vier Mal mehr als CNN. "Wir sind der bevorzugte Kanal der Europäer und wir sind das Gesicht Europas im Rest der Welt", sagt Cayla. Die Berichterstattung über die Europäische Union und ihre Entscheidungen sollen weiter verbessert werden, auch mit Hilfe des neuen Büros in Brüssel, kündigt Cayla an. Außerdem sollen neue Sprachversionen des Senders, bisher zehn, eingeführt werden.

Finanzierung von Euronews

Die Europäische Kommission kofinanziert den Sender in diesem Jahr mit insgesamt 22 Millionen Euro. 6,5 Millionen Euro erhält der Sender für die Produktion und das Verbreiten von Programmen, die einen EU-Bezug haben. Das polnische Programm wird mit 5,5 Millionen Euro finanziert. Die Sprachversionen Arabisch und Persisch (Farsi) werden jeweils mit 5 Millionen Euro gefördert.

Nach Angaben von Cayla macht der EU-Zuschuss ein Viertel des Jahresumsatzes von Euronews aus.

EURACTIV/mka

Das Interview erschien in voller Länge auf Französisch auf EURACTIV.com.

Ein englischsprachiger Beitrag zum Interview und zum Vorschlag zur Einführung einer europäischen Rundfunkgebühr erschien auf EURACTIV.com.

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