EU-Digital-Beamtin: Digitale Gefahren kennen keine Grenzen

Linda Cogruedo Steneberg: „Unser Ziel bleibt es, alle Europäer zu verbinden – sicher und schnell.“ [Fernando Heller/EuroEFE]

Linda Corugedo Steneberg, Direktorin in der Generaldirektion Connect der EU-Kommission, erklärt im Interview mit EURACTIV Spanien, wie die Kommission den Breitbandzugang ausbauen, das Internet demokratisieren und die Sicherheit der Bürger vor Hackerangriffen verbessern will.

Linda Corugedo Steneberg ist Direktorin der Generaldirektion Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien (DG Connect) der Europäischen Kommission.

Sie sprach mit Fernando Heller von euroefe.

Die europäischen Bürger fühlen sich zunehmend durch Hackerangriffe bedroht. Was macht die EU, um diesen Angriffen entgegenzutreten?

Digitale Gefahren kennen keine Grenzen – deswegen haben die Europäer ein Gefühl der erhöhten Unsicherheit. Die Kommission hat Vorschläge (darunter eine Cybersicherheits-Agentur) gemacht, um gegen diese Gefahren anzukämpfen und sicherzustellen, dass die Bürger sicher im Netz unterwegs sind. Unsere Vorschläge sind ambitioniert und benötigen die Unterstützung aller Mitgliedstaaten. Bei der Cyber-Sicherheit gibt es wenig, das ein einzelnes EU-Land alleine ausrichten kann, weil sich die Methoden der Online-Kriminalität ständig ändern.

Wir wollen einen spezifischen Reaktionsplan gegen Cyberattacken. In den vergangenen Monaten gabe es einen weltweiten Anstieg, und dagegen ist auch Europa nicht immun. In 2017 haben wir zwei besonders schwerwiegende Angriffe registriert. Insgesamt ist die Zahl der Attacken zwischen 2015 und 2016 um 300 Prozent gestiegen.

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Das Internet wirkt heute unglaublich durchlässig und transparent. Können wir dem Netz trauen?

Natürlich. EU-Bürger können sich sicher sein, dass ihre sensiblen Daten geschützt werden. Beim heiklen Thema Datenschutz hat die EU eine neue Richtlinie, die sehr fortschrittlich ist und dieses Jahr in Kraft getreten ist. Diese Gesetze stehen für garantierte Privatsphäre und Schutz der Daten der EU-Bürger.

Unsere Gesetze in diesem Feld sind so fortschrittlich, dass viele Länder ähnliche Vorschriften in ihre eigene nationale Gesetzgebung übertragen wollen.

Gleichzeitig haben wir einen freien Austausch von persönlichen Daten innerhalb der EU vorgeschlagen. Warum? Weil wir den digitalen Binnenmarkt schaffen wollen; und dafür müssen wir Daten intern freier austauschen. Wenn Ihre Daten auf einem Server in Ihrem Land gespeichert sind, ist das nicht sicherer, als wenn sie auf einem anderen, fortschrittlicheren Server in einem anderen EU-Land liegen.

Muss ich als Bürger immer auf der Hut sein?

Sicherheit und innere Ruhe erreicht man in diesem Fall, wie auch in vielen anderen Gebieten, durch einen Mix aus gesundem Menschenverstand und Achtsamkeit. EU-Bürger können sich sicher fühlen, wenn sie sich an die Regeln halten und vorsichtig sind, wenn sie ihre Daten weitergeben. Wir müssen sorgsam mit unseren Daten umgehen, weil sie ein hochprofitables Produkt werden können, wenn sie in den falschen Händen landen.

Bei allen Internetaktivitäten gilt nach wie vor: Ich sollte den Ursprung der Informationen überprüfen und die Seriosität der Quelle checken, bevor ich auf „Senden“ klicke.

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Was wurde seit 2015, als der EU-Digitalbinnenmarkt gestartet wurde, erreicht?

Europa bewegt sich in die richtige Richtung.  Die Kommission hat alles vorgelegt, was sie im Mai 2015 versprochen hatte. All diese Initiativen wurden inzwischen offiziell angekündigt. In zwei Jahren haben wir einiges geschafft, zum Beispiel verbesserte Datenübertragbarkeit und die Abschaffung der Roaminggebühren.

Aber es gibt noch viel zu tun. Wenn das EU-Parlament und der Europäische Rat mitarbeiten, wollen wir alle Initiativen bis Anfang 2018 umsetzen. Wir stehen unter Druck; wir haben im DG Connect momentan noch vier Gesetzesdossiers auf dem Tisch und bis Ende des Jahres kommt noch eins dazu. Das ist sehr viel.

Das Internet ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil fast aller Lebensbereiche. Es gibt aber in Europa noch immer „dunkle Flecken“, wo das Internet sehr langsam ist und es keinen Breitbandzugang gibt. Was tut Brüssel, um das Netz zu demokratisieren?

Wir arbeiten daran, sowohl über unser Forschungsprogramm Horizont 2020 als auch durch die sogenannte „Connecting Europe Facility“ (CEF), ein Fonds für europäische Vernetzung. Beide Instrumente haben das Ziel, überall in Europa, auch in den entlegensten Gebieten, Breitband-Internet zu ermöglichen.

Wir denken auch über neue Gesetzesvorschläge für die Zeit nach 2020 nach. Uns bereitet es Sorge, dass es auch im Jahr 2017 noch immer einige Regionen ohne Internet in Europa gibt. Wir haben auch das Wifi4EU-Programm vorgeschlagen, mit dem möglichst große Gebiete abgedeckt werden sollen, und das sich besonders auf kleine Dörfer und ländliche Regionen in Europa fokussiert.

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Bis vor einigen Jahren warb eine finnische Firma mit dem Slogan „connecting people“: Ist das nach wie vor das Hauptziel?

Ich möchte jetzt nicht die Marketingstrategien von Handyherstellern kommentieren, aber das ist ein sehr wichtiges Ziel und definitiv eine unserer Hauptbestrebungen. Die Demokratisierung der Vorteile und Möglichkeiten digitaler Tools ist ein zentrales Thema.

In Europa sollte niemand isoliert sein. Das muss das Ziel der Kommission sein, aber es ist auch wichtig, dass die Mitgliedstaaten und die Wirtschaft mitziehen. Als Beispiel: Glasfaserleitungen zu legen ist sehr teuer. Mit einem EU-Haushalt, der aus nur 1 Prozent der Einkommen der Mitgliedsländer besteht, ist der Glasfaserraufbau ein sehr schwieriges Unterfangen.

Wir können in Initiativen investieren, die attraktiv für andere Player werden, die dann ebenfalls investieren (wie im Juncker-Plan angedacht). Wir können solche Initiativen wie den Breitband-Fonds starten, aber wir können die Ziele darin nicht alleine erreichen. Unser Hauptziel bleibt es, alle Europäer zu verbinden – sicher und schnell.

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