Slowakische Journalistin nach Kritik an falscher Impf-Berichterstattung gefeuert

In einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Senders RTVS war der Tod einer Frau fälschlicherweise mit einer COVID-Impfung in Verbindung gebracht worden. Für ihre interne Kritik daran verlor eine Journalistin nun offenbar ihre Anstellung bei dem Sender. [keport / Shutterstock]

Die Reporter ohne Grenzen (RSF) setzen sich für „zu Unrecht bestrafte“ Journalist:innen in der Slowakei ein. Diese hatten intern Kritik an einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Senders RTVS geäußert, der den Tod einer Frau fälschlicherweise mit einer COVID-Impfung in Verbindung gebracht hatte. Die Sendung war im März 2021 ausgestrahlt worden.

In der damaligen Meldung mit dem Titel „Tod nach Impfung auch in der Slowakei“ war der Tod einer 38-jährigen Lehrerin mit der ersten Injektion des Impfstoffs von Astrazeneca in Verbindung gebracht worden.

Zwar wurde an einer Stelle des Beitrags angemerkt, dass „der direkte Zusammenhang mit dem Impfstoff nicht bestätigt werden konnte“; die gesamte Berichterstattung wurde jedoch von diversen Seiten als „überaus manipulativ“ beschrieben.

Tatsächlich wurde der Beitrag gierig von bekannten Fake-News-Seiten aufgenommen und zitiert – und löste damit in der Slowakei eine erneute Welle der Impfskepsis aus. Dafür gab es zunächst Kritik seitens des Gesundheitsministeriums und der Polizeibehörden.

Flut an Fake News zu Coronavirus: Alarmsystem der EU im Einsatz

Ein EU-Warnsystem zur Überwachung von Desinformation wurde nach einer Reihe von Fake News rund um den Coronavirus-Ausbruch erstmals genutzt.

Daraufhin folgte später auch interne Kritik seitens mehrerer Personen, die für RTVS arbeiten. Unter ihnen war die Redakteurin Elena Senková, die kurz darauf wegen „beruflichen Fehlverhaltens“ entlassen wurde. Senková hat beschlossen, den Sender wegen ungerechtfertigter Kündigung zu verklagen.

„Andere Journalist:innen und weitere bekannte Gesichter von RTVS wurden auf raffiniertere Weise bestraft: So wurden zum Beispiel ihre Möglichkeiten, Sendungen zu moderieren, ohne eine glaubwürdige Erklärung eingeschränkt,“ erklärte Senková gegenüber RSF.

Die Reporter ohne Grenzen kritisieren nun, RTVS habe es nicht vermocht, „seine Journalist:innen vor privaten oder politischen Interessen zu schützen, die mit seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag in Konflikt stehen“. Pavol Szalai, der Leiter der RSF-Abteilung für die Europäische Union und den Balkan, kommentierte: „Wir drücken unsere Unterstützung für die grundsatztreue und zu Unrecht bestrafte Journalistin Elena Senková aus, die exakt nach unserem Motto gehandelt hat: Nämlich, dass Journalismus der beste Impfstoff gegen Desinformation ist.“

Ein Sprecher des Senders wollte Senkovás Entlassung nicht weiter kommentieren und erklärte lediglich, RTVS „achtet darauf, die geltende Gesetzgebung bezüglich des Beginns und der Beendigung von Arbeitsverträgen“ zu befolgen.

Fake News: Das Bindeglied zwischen Rechtsextremisten und etablierten Parteien

Auf Geflüchtete und NGOs abzielende Online-Desinformation fungiert als „entscheidendes Bindeglied“ zwischen Rechtsextremisten und etablierten rechten/rechtspopulistischen Parteien, zeigt eine Studie. 

Reynders: Regelungen gegen Fake News sind "sehr wichtig"

Das EU-Parlament und der Rat sollten mit der Kommission zusammenarbeiten, um zu erörtern, wie ein gesetzliches Durchgreifen gegen Fake News im Internet am besten umgesetzt werden kann, fordert EU-Justizkommissar Didier Reynders.

Kommissionsstudie: "Sanktionen" für Fake News

In einer Studie der EU-Kommission wird der „selbstregulierende Charakter“ des Verhaltenskodex gegen Desinformation kritisiert. Vielmehr sollten „Sanktionen und Abhilfemechanismen“ eingeführt werden, um die Einhaltung der Regeln zu gewährleisten.

Subscribe to our newsletters

Subscribe