Italien gründet nationale Beobachtungsstelle zur Bekämpfung von Desinformation

Wie mehrere andere EU-Länder hat auch Italien in letzter Zeit eine Welle der Desinformation im Zusammenhang mit 5G und Anti-COVID-Impfstoffen erlebt. [Shutterstock]

Italien hat am Montag (20. September) an der Universität LUISS in Rom seine nationale Beobachtungsstelle zur Bekämpfung von Desinformationen – das italienische Observatorium für digitale Medien – eröffnet. Es ist Teil eines europäischen Netzwerks von acht nationalen Observatorien.

Das Netzwerk ist Teil der Europäischen Beobachtungsstelle für digitale Medien, einem EU-finanzierten Projekt, das wissenschaftliche Erkenntnisse über Online-Desinformation fördert, die Entwicklung von Faktenprüfungsdiensten vorantreibt und Medienkompetenzprogramme unterstützt.

Die italienische Beobachtungsstelle wird Faktenprüfer:innen, Medienpraktiker:innen und Forscher:innen zusammenbringen, um gegen Online-Desinformation vorzugehen.

„Die Welle der Desinformation, die wir in letzter Zeit erlebt haben, birgt die Gefahr, das Recht auf Zugang zu vertrauenswürdigen Informationen zu schwächen und demokratische und Wahlpraktiken zu untergraben“, sagte Italiens Außenminister Luigi Di Maio bei der Eröffnung des Observatoriums.

„Es ist wichtig, dass der Kampf gegen Desinformation und Fake News keine pluralistische und demokratische öffentliche Debatte gefährdet“, fügte Di Maio hinzu.

Die nationalen Beobachtungsstellen haben die Aufgabe, Desinformationskampagnen zu überwachen und zu melden, auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz, und Medienorganisationen und Behörden bei der Aufdeckung von Desinformationen zu unterstützen. Jedes Observatorium wird für die Organisation von Medienkompetenzaktivitäten auf nationaler oder multinationaler Ebene zuständig sein.

„Unsere Strategie hat zwei Schwerpunkte: die Zusammenarbeit mit den großen digitalen Plattformen, um die Monetarisierung von Desinformationsinhalten zu verhindern, und die Schaffung einer breiten europäischen Gemeinschaft von Experten, um Fake News einzudämmen“, sagte Giuseppe Abbamonte, Direktor für Medienpolitik bei der Europäischen Kommission.

Kommission wünscht sich "Demonetarisierung" von Desinformation

Als Teil eines umfassenderen Versuchs, gegen gewisse Inhalte im Internet vorzugehen, hat die EU-Kommission die großen Digitalplattformen aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um Desinformation im Internet zu „demonetarisieren“. 

Gianni Riotta, Direktor der LUISS Journalistenschule, sagte, die Bemühungen folgten einer einfachen Logik: „Wir gehen zu den Ärzten unseres Vertrauens, das Gleiche sollte für Nachrichten gelten, die professionell behandelt werden sollten“.

Das italienische Observatorium wird von einem Konsortium gebildet. Dazu gehören die Universitäten LUISS und Tor Vergata, der nationale Telekommunikationsanbieter TIM und große Medienunternehmen wie die öffentliche Rundfunkanstalt RAI, die Redaktionsgruppe GEDI und die Tageszeitung Corriere della Sera.

„Dieses Projekt gibt uns die Möglichkeit, auf individueller und kollektiver Ebene zu denken und zu handeln. Wir Journalisten haben die Aufgabe, keine Fake News zu verbreiten, sie zu erkennen und die Bürger darauf hinzuweisen“, sagte Stefania Aloia, stellvertretende Direktorin der anderen führenden nationalen Tageszeitung La Repubblica.

Im Mai gab die Europäische Kommission die Auswahl der acht nationalen Observatorien bekannt, die Teil des Netzwerks der Europäischen Beobachtungsstelle für digitale Medien sind. Alle stehen kurz davor, voll funktionsfähig zu sein.

Die nationalen Beobachtungsstellen werden eine entscheidene Rolle dabei spielen, die Umsetzung des EU-Verhaltenskodexes für Desinformation zu überwachen, eine Reihe von freiwilligen Maßnahmen, die alle großen Online-Plattformen unterzeichnet haben.

Die Kommission legte im Mai eine neue Fassung des Verhaltenskodex vor, die strengere Regeln für die Rechenschaftspflicht von Algorithmen und einen Überwachungsrahmen für die Ergebnisse der Plattformen enthält.

Kommission stellt "Leitlinien" gegen Desinformation vor

Die gestern veröffentlichten „Leitlinien zur Stärkung des Verhaltenskodex für den Bereich der Desinformation“ zeigen die Erwartungen der EU-Kommission in Bezug auf Anti-Desinformationsmaßnahmen für Online-Plattformen auf.

Jedes nationale Observatorium wird für ein oder mehrere EU-Länder zuständig sein und somit Belgien, die Tschechische Republik, Dänemark, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Polen, die Slowakei, Spanien und Schweden abdecken. Norwegen, ein Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), wird ebenfalls von der nordischen Beobachtungsstelle erfasst.

Ziel des Projekts ist es, eine vollständige Abdeckung aller EU- und EWR-Länder zu erreichen.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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