WHO empfiehlt Medikament zur Bekämpfung leichter Corona-Erkrankungen

Ein Apotheker zeigt in einer Apotheke eine Schachtel mit Paxlovid, einer von Pfizer Inc. entwickelten Corona-Behandlungspille. [EPA-EFE/YONHAP]

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Paxlovid als die bisher beste Behandlungsoption für Hochrisikopatient:innen mit Corona bezeichnet. Für ärmere Länder dürfte das Medikament jedoch schwer bezahlbar sein.

In ihrem aktualisierten Leitfaden für die Behandlung von Corona-Erkrankungen von Freitag (22. April) empfiehlt die WHO Paxlovid für Patient:innen mit milder Corona-Erkrankung, bei denen das Risiko einer schweren Erkrankung und eines Krankenhausaufenthalts am höchsten ist. Darunter fallen beispielsweise ungeimpfte, ältere oder immungeschwächte Patient:innen.

Das orale Virostatikum von Pfizer, das als Kombination von Nirmatrelvir- und Ritonavir-Tabletten angeboten wird, ist eine von acht Corona-Behandlungsmethoden, die von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen wurden.

Das Medikament reduziert die Fähigkeit von SARS-CoV-2 – dem Virus, das Corona verursacht -, sich im Körper zu vermehren.

Es war das erste antivirale Arzneimittel, das in der EU für die Behandlung von Corona empfohlen wurde und oral verabreicht wird. Januar dieses Jahres erhielt Paxlovid eine bedingte Zulassung in der EU.

Pfizer hatte im November Studien veröffentlicht, die zeigen, dass Paxlovid bei Patient:innen, die innerhalb von drei Tagen nach Auftreten der Symptome behandelt wurden, die Zahl der Krankenhausaufenthalte und der Todesfälle aus jeglicher Ursache um 89 Prozent gegenüber Placebo reduzierte.

Janet Victoria Diaz, WHO-Leiterin für klinische Versorgung bei Corona-Erkrankungen, sagte am Donnerstag, dem 21. April, auf einer Pressekonferenz, dass die WHO daran arbeite, den Medikamentenkonsum auf klinischer Ebene besser zu definieren.

„Wir arbeiten an einem besseren Verständnis, um die Entscheidungsfindung zwischen Patient:innen und Ärzt:innen zu erleichtern“, sagte sie.

Der Einsatz von Paxlovid bei Erkrankten mit geringerem Risiko wird von der WHO nicht empfohlen, „da der Nutzen als vernachlässigbar eingestuft wurde.“

Viertimpfung nur für über 80-Jährige und bei Immunschwäche empfohlen

Die europäischen Gesundheitsbehörden haben erklärt, die vierte mRNA-COVID-19-Impfdosis, die auch als zweite Auffrischungsimpfung bezeichnet wird, werde derzeit nur für Personen in Betracht gezogen, die immungeschwächt oder über 80 Jahre alt sind.

Die COVID-19-Arbeitsgruppe der Europäischen Medizinischen Agentur (ETF) und das Europäische …

Zentrale Bedeutung von Therapeutika

Impfstoffe sind eine der Säulen im Kampf gegen Corona. Therapeutika bilden eine zweite Säule und sind bei schweren Krankheitsverläufen unerlässlich.

„Therapeutika ersetzen keine Impfung. Sie bieten uns lediglich eine weitere Behandlungsmöglichkeit für Risikopatient:innen, die sich infiziert haben“, betonte Diaz.

Sie fügte hinzu, dass in Krankenhäusern bereits Behandlungen mit Immunmodulatoren durchgeführt werden. „Aber jetzt haben wir mehr Behandlungsmöglichkeiten für Hochrisikopatient:innen, die noch nicht mit Sauerstoff im Krankenhaus behandelt werden müssen, bei denen aber ein entsprechendes Risiko besteht“, so Diaz.

Am 13. April wies Albert Bourla, Chairman und Chief Executive Officer von Pfizer, bei einer von der International Federation of Pharmaceutical Manufacturers & Associations (IFPMA) organisierten Pressekonferenz ebenfalls auf die Bedeutung von Therapeutika hin, insbesondere wenn die Corona-Beschränkungen aufgehoben werden.

„Mit den Lockerungen der Beschränkungen werden wir häufigere Erkrankungswellen beobachten. Und weil die Immunreaktionen [nach der Impfung] mit der Zeit nachlassen, werden die Erkrankungen intensiver sein. Ich denke also, dass die Behandlungen in den kommenden Monaten wirklich eine wichtige Rolle spielen werden“, sagte er.

Kompromiss zum Patentverzicht stößt auf Kritik

Zahlreiche Aktivist:innen, Gewerkschaften und Expert:innen in aller Welt haben Indien und Südafrika aufgefordert, den durchgesickerten Kompromiss zu geistigen Eigentumsrechten an Corona-Impfstoffen abzulehnen.

Die Angst, am Ende der Warteschlange zu stehen

Die WHO-Empfehlungen sind jedoch mit der Sorge verbunden, dass beim Zugang zu dieser lebensrettenden Behandlung wie schon bei der Corona-Schutzimpfung Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen an das Ende der Warteschlange gedrängt werden.

„Die Verfügbarkeit, die mangelnde Preistransparenz bei bilateralen Verträgen mit dem Hersteller und die Notwendigkeit, das Medikament vor der Verabreichung umgehend und genau zu testen, stellen für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen eine große Herausforderung dar“, heißt es in der Pressemitteilung der WHO.

Die Verbesserung des Zugangs zu frühzeitigen Tests und Diagnosen in der medizinischen Grundversorgung gilt als Schlüssel für die weltweite Einführung dieser Behandlung. Die von FIND erhobenen Daten zeigten seinerzeit, dass die durchschnittliche tägliche Testrate in Ländern mit niedrigem Einkommen nur ein Achtzigstel der Rate in Ländern mit hohem Einkommen betrug.

Die WHO empfahl Pfizer außerdem nachdrücklich, seine Preisgestaltung und seine Verträge transparenter zu gestalten und den geografischen Geltungsbereich seiner Lizenz über den sogenannten Medicines Patent Pool zu erweitern.

Pharmaindustrie: Vorschlag für gerechteren Zugang zu Medikamenten

Um das Problem des ungleichen Zugangs zu Arzneimitteln in Europa anzugehen, verpflichtet sich die Pharmaindustrie der EU, Anträge auf Preisfestsetzung und Kostenerstattung spätestens zwei Jahre nach der EU-Marktzulassung einzureichen.

Neues zu Veklury

Die aktualisierten Leitlinien enthalten auch Empfehlungen zu Veklury (Remdesivir), einem anderen antiviralen Arzneimittel, das ebenfalls in der EU zugelassen ist.

Auf der Grundlage neuer klinischer Studiendaten wird Veklury bei leichten oder mittelschweren Fällen von Corona mit hohem Risiko für einen Krankenhausaufenthalt empfohlen. Zuvor hatte die WHO von der Anwendung bei allen Corona-Patient:innen, unabhängig von der Schwere der Erkrankung, abgeraten.

Außerdem werde die Empfehlung für den Einsatz von Veklury bei Patient:innen mit schwerer oder kritischer Coronaerkrankung derzeit überprüft.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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