WHO befürchtet 236.000 neue Corona-Todesfälle in Europa bis 1. Dezember

"Die Stagnation bei den Impfzahlen in unserer Region bereitet uns ernsthafte Sorge", sagte der WHO-Europadirektor. [SHUTTERSTOCK/ askarim]

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) befürchtet im Zeitraum bis zum 1. Dezember 236.000 neue Corona-Todesfälle in Europa. In der vergangenen Woche sei die Zahl der Covid-19-Toten in der Region um elf Prozent gestiegen, berichtete am Montag (30. August) WHO-Europadirektor Hans Kluge. „Eine glaubwürdige Hochrechnung kommt auf 236.000 Todesfälle von jetzt bis zum 1. Dezember.“ Zugleich äußerte sich Kluge besorgt über die „Stagnation“ der Impfkampagne in vielen Ländern.

„Die Stagnation bei den Impfzahlen in unserer Region bereitet uns ernsthafte Sorge“, sagte der WHO-Europadirektor. Sie falle mit einer deutlichen Zunahme der Infektionen zusammen. Diese sei einerseits auf die hochansteckende Deltavariante des Virus zurückzuführen – aber auch auf die „übertriebene“ Rücknahme von Corona-Beschränkungen in vielen Ländern sowie die vermehrten Reiseaktivitäten im Sommer.

Das Europa-Büro der WHO ist für 53 Länder und Regionen zuständig, darunter auch einige Länder in Zentralasien. In ihnen ist den Angaben zufolge rund die Hälfte der Menschen inzwischen vollständig geimpft. Das Impftempo lasse aber deutlich nach, konstatierte Kluge. „In den vergangenen sechs Wochen fiel es um 14 Prozent.“

Dies liege in einigen Ländern am mangelnden Zugang zu Vakzinen „und an fehlender Impfakzeptanz in anderen“, führte Kluge aus. In Ländern mit geringem Einkommen seien gerade einmal sechs Prozent der Menschen geimpft. Um diese mit Vakzinen zu versorgen, müssten die Produktion erhöht, Impfstoff geteilt und der Zugang erleichtert werden.

Zudem sei es „entscheidend“, dass angesichts der vielen Lockerungen die Impfakzeptanz erhöht werde, mahnte der WHO-Regionaldirektor: „Impfskepsis und Wissenschaftsleugnung hindern uns daran, die Krise zu stabilisieren.“

Das WHO-Europabüro und das Kinderhilfswerk Unicef forderten angesichts des Schulbeginns in vielen Ländern eine Priorisierung von Lehrern und Angestellten an Schulen bei den Corona-Impfungen. Es müsse überall eine Impfstrategie erarbeitet werden, um Präsenzunterricht wieder zu ermöglichen.

Das Lernen im Klassenzimmer sei „von größter Bedeutung für die Bildung, die psychische Gesundheit und die sozialen Fähigkeiten der Kinder“, erklärte Kluge. Die Pandemie habe „die katastrophalste Störung des Bildungswesens in der Geschichte verursacht“.

Die WHO und Unicef riefen erneut zu einer Corona-Impfung von Kindern ab zwölf Jahren auf, die unter gesundheitlichen Problemen leiden. Sie erinnerten zudem an die Bedeutung von Hygieneregeln, darunter regelmäßiges Lüften und Corona-Tests bei Schulkindern.

Bisher starben in Europa 1,3 Millionen Menschen an den Folgen einer Corona-Erkrankung. Weltweit wurden nach einer auf offiziellen Angaben der Länder beruhenden Zählung der Nachrichtenagentur AFP mehr als 4,5 Millionen Todesfälle registriert.

Dabei wurden seit Jahresbeginn bereits mehr Todesfälle gemeldet als im gesamten Jahr 2020: Seit Januar wurden offiziell rund 2,6 Millionen Covid-19-Tote registriert, während es im gesamten vergangenen Jahr knapp 1,9 Millionen waren. Allerdings gehen Experten von hohen Dunkelziffern aus.

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