Viertimpfung nur für über 80-Jährige und bei Immunschwäche empfohlen

Obwohl es "noch begrenzte Daten" über die Rate des nachlassenden Schutzes nach der ersten Auffrischungsdosis bei Erwachsenen über 80 Jahren gibt, erklärten die Behörden, dass "aufgrund der Anfälligkeit dieser Bevölkerungsgruppe, der geringeren Immunreaktion auf die Impfung und des höheren Risikos einer schweren Corona-Infektion eine zweite Auffrischung verabreicht werden könnte", heißt es in der Pressemitteilung des ECDC. [SHUTTERSTOCK/ WESTOCK PRODUCTIONS]

Die europäischen Gesundheitsbehörden haben erklärt, die vierte mRNA-COVID-19-Impfdosis, die auch als zweite Auffrischungsimpfung bezeichnet wird, werde derzeit nur für Personen in Betracht gezogen, die immungeschwächt oder über 80 Jahre alt sind.

Die COVID-19-Arbeitsgruppe der Europäischen Medizinischen Agentur (ETF) und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) haben am Mittwoch (6. April) ihren gemeinsamen Standpunkt zur aktuellen Notwendigkeit einer vierten Impfdosis veröffentlicht.

Die Stellungnahme stützt sich auf derzeit verfügbare Studien und epidemiologische Daten.

Erste Daten aus Israel, das im Januar mit der Verabreichung der vierten Impfdosis begonnen hat, deuten darauf hin, dass das Risiko von Todesfällen oder eines schweren Verlaufs durch das Coronavirus bis zu zehn Wochen nach der Verabreichung einer vierten Dosis geringer ist als bei Personen, die nur die dritte Dosis erhalten haben.

Obwohl es bisher „noch begrenzte Daten“ darüber gibt, wie schnell der Schutzeffekt der Auffrischungsimpfung bei über 80-Jährigen nachlässt, könnte „aufgrund der Anfälligkeit dieser Bevölkerungsgruppe, der geringeren Immunreaktion auf die Impfung und des höheren Risikos einer schweren Corona-Infektion eine zweite Auffrischung verabreicht werden“, heißt es in der Pressemitteilung des ECDC.

Derweil weist die Behörde darauf hin, dass Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit „nur für eine vierte Dosis verfügbar sind, die mindestens vier Monate nach der dritten Dosis verabreicht wird, und dass dieses Intervall zusammen mit lokalen epidemiologischen Daten bei der Festlegung von Impfstrategien berücksichtigt werden sollte.“

EU-Gesundheitsminister wollen koordiniertes Vorgehen bei zweitem Booster

Eine Gruppe von EU-Staaten hat die EU-Kommission aufgefordert, einen koordinierten Ansatz bei der Verabreichung einer vierten Impfstoffdosis zu verfolgen, da sich bereits jetzt große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten abzeichnen.

Vierte Impfdosis für immungeschwächte Personen

Für immungeschwächte Personen wird die Verabreichung einer vierten mRNA-Impfstoffdosis bereits empfohlen und soll im Rahmen der laufenden Impfkampagnen in der EU verabreicht werden.

Diese Empfehlung stützt sich auf Daten aus Israel, die belegen, dass die vierte Dosis eines mRNA-Impfstoffs, die immungeschädigte Personen mindestens vier Monate nach der dritten Dosis verabreicht wird, die Immunität auf das Niveau nach der dritten Dosis wiederherstellen kann, ohne neue Risiken zu bergen.

Daten zur Immunogenität liegen für einen Nachbeobachtungszeitraum von drei Wochen vor und deuten darauf hin, dass der Schutz gegen die Omikron-Variante ähnlich schnell abnimmt wie bei der Verabreichung der dritten Dosis.

Zur Wirksamkeit des Impfstoffs gegen schwere Erkrankungen nach einer vierten Dosis liegen derzeit nur vorläufige Daten vor, sodass längerfristige Daten über die Dauer der erreichten Antikörperspiegel noch ausstehen.

Daten über zusätzliche weitere Dosen in dieser Bevölkerungsgruppe liegen nicht vor. In der Pressemitteilung des ECDC heißt es jedoch, dass „bei stark immungeschwächten Personen eine passive Immunisierung mit monoklonalen Antikörpern als zusätzlicher Schutz gegen Infektionen und Krankheiten in Betracht gezogen werden sollte.“

EU-Arzneimittelagentur: Keine ausreichende Grundlage für Viertimpfung

Es gibt noch nicht genügend Beweise, um zusätzliche Corona-Auffrischungsimpfungen zu rechtfertigen, so Marco Cavaleri, Leiter der Abteilung für Impfstoffstrategie bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA).

Keine Viertimpfung für Menschen unter 80 – vorerst

Was die 60- bis 80-Jährigen betrifft, so gibt es „keine Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Notwendigkeit einer zweiten Auffrischungsdosis“, da es derzeit keine eindeutigen epidemiologischen Signale aus Europa gibt, dass der Impfschutz gegen schwere Corona-Erkrankungen deutlich nachlässt.

Die Beamt:innen betonten dennoch, dass die Situation weiter verfolgt werden müsse, falls sich ein „erhöhtes Risiko für das Auftreten einer schweren Corona-Infektion bei geimpften Personen“ abzeichne. In diesem Fall könnte die vierte Dosis für diese Altersgruppe in Betracht gezogen werden.

Bei Personen unter 60 Jahren erklärten das ECDC und die ETF, dass die Notwendigkeit einer zweiten Auffrischungsdosis „nicht durch die verfügbaren Daten über den anhaltenden Impfschutz gegen schwere Erkrankungen oder Todesfälle gestützt wird.“

Mit Stand vom Dienstag empfehlen zwanzig Länder die vierte Impfdosis für immungeschwächte Personen.

In der Zwischenzeit empfehlen neun Länder, darunter Frankreich, Deutschland, Griechenland und Ungarn, eine zweite Auffrischungsdosis für verschiedene gefährdete Bevölkerungsgruppen wie etwa Bewohner:innen von Langzeitpflegeeinrichtungen und ältere Menschen, wobei es unterschiedliche Altersgrenzen gibt.

Die Erklärung betont auch, wie wichtig es sei, die Auffrischungs- und Nachimpfungskampagnen saisonal zu planen, da sich Atemwegsviren in der kalten Jahreszeit stärker verbreiten.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]

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