Slowenische Epidemiologen kritisieren: „Wurden von der Regierung ignoriert“

Einige von der Regierung auferlegte Einschränkungen seien schlichtweg "unangemessen" gewesen und darüber hinaus schlecht kommuniziert worden, so ein Experte. Im Bild: Leere Straßen in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. [Shuttestock/Soru Epotok]

Während einer parlamentarischen Befragung Ende vergangener Woche haben mehrere prominente Gesundheitsexperten erklärt, die slowenische Regierung habe ihre Ansichten während der Pandemie weitgehend ignoriert. Bereits zuvor hatte es viel Kritik an der Handhabung der COVID-19-Krise gegeben.

Der Epidemiologe Ivan Eržen – der im Frühjahr 2020 kurzzeitig als Direktor des Nationalen Instituts für öffentliche Gesundheit (NIJZ) fungierte, bevor er nach seiner Kritik am Vorgehen der Regierung ersetzt wurde – sagte dem Parlament, dass einige von der Führung auferlegte Einschränkungen schlichtweg „unangemessen“ waren.

Darüber hinaus habe die mangelhafte Kommunikation dazu geführt, dass die Menschen diverse Ver- und Gebote missachtet hätten. Dazu gehörten das Verbot, zwischen einzelnen Gemeinden zu reisen, die nächtliche Ausgangssperre und auch das Tragen von Gesichtsmasken im Freien.

Eržen kritisierte des Weiteren die Einsetzung einer „speziellen Beratungsgruppe für Coronavirus-Maßnahmen“, die überwiegend aus Personen bestehe, die keine Epidemiolog:innen sind.

Die Gruppe habe somit Aufgaben wahrgenommen, die eigentlich dem NIJZ hätten übertragen werden müssen, sagte er. Auch dies habe zu den negativen Entwicklungen beigetragen, dass die Öffentlichkeit „das Vertrauen in gesundheitspolitische Entscheidungen verloren hat und viele Falschinformationen verbreitet wurden“.

Mario Fafangel, der stellvertretende Leiter des NIJZ-Zentrums für übertragbare Krankheiten, fügte seinerseits hinzu, er habe sich entschlossen, aus der Beratergruppe auszutreten, weil seine Rolle „marginalisiert“ und seine Vorschläge nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.

Er kommentierte zurückblickend: „Wir konnten unsere Expertenposition zwar frei äußern, aber wir wurden einfach nicht ausreichend gehört.“

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