Neu angepasste Impfstoffe zur Bekämpfung der Omicron-Variante im Gespräch

Im Vorfeld des EU-Gipfels haben sich einige EU-Staats- und Regierungschefs, darunter der belgische Premierminister Alexander De Croo, gegen weitere Einschränkungen der Reisefreiheit innerhalb der EU ausgesprochen.

Um die rasche Ausbreitung der Omicron-Variante von COVID-19 wirksam zu bekämpfen, sind nach Ansicht der Europäischen Kommission angepasste Impfstoffe und mehr Einigkeit zwischen den EU-Regierungen erforderlich.

In einem am Mittwoch (15. Dezember) veröffentlichten Bericht erklärte das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), dass sich die Omicron-Variante wahrscheinlich innerhalb der ersten beiden Monate des Jahres 2022 in Europa durchsetzen werde.

Angesichts der bevorstehenden Herausforderung nahmen die Gespräche zwischen den Staats- und Regierungschefs der EU-27 am Donnerstag (16. Dezember) zu einem koordinierten Vorgehen gegen die Variante mehr Zeit in Anspruch als erwartet. Dies gestand auch der Präsident des EU-Rates, Charles Michel, ein.

Die Variante breite „sich rasend schnell aus und birgt das Risiko, dass sie zumindest teilweise unseren Impfstoffen entgeht“, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf einer Pressekonferenz nach dem EU-Gipfel.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte am Dienstag (14. Dezember), dass sich die neue Variante schneller ausbreite als alle vorherigen Virenstämme und dass der Impfstoff allein die Menschen wahrscheinlich nicht schützen werde.

„Ich habe die Staats- und Regierungschefs darüber informiert, dass unsere Verträge [mit den Impfstoffherstellern] vorsehen, dass die Unternehmen adaptive Impfstoffe entwickeln, wenn sie innerhalb von 100 Tagen angefordert werden“, erklärte von der Leyen.

Sie sagte, dass die Kommission sehr eng mit der Europäischen-Arzneimittelagentur (EMA) zusammenarbeite, um sicherzustellen, dass sie ein möglichst gestrafftes Verfahren zur Bewertung jeder weiteren Impfstoffentwicklung anwende.

„Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass die Mitgliedstaaten zugestimmt haben, eine erste Tranche von über 180 Millionen zusätzlichen Dosen adaptiver Impfstoffe in unserem dritten Vertrag mit BioNTech/Pfizer freizugeben“, fügte sie hinzu.

Die führenden Impfstoffhersteller wie Moderna, Pfizer/BioNTech und Johnson&Johnson haben bereits mit Tests begonnen, um die Wirksamkeit ihrer Impfungen gegen Omicron zu erhöhen.

Von der Leyen ist der Meinung, dass die einzige Antwort auf die Bedrohung durch diese Variante in Schutzmaßnahmen wie Masken und einer Beschleunigung der Impfkampagne besteht, einschließlich Auffrischungsimpfungen für Kinder über fünf Jahren.

Aber es gibt auch Hoffnung. „Wir haben genügend Impfstoffe, und wir sind auf eine mögliche Anpassung eines Impfstoffs vorbereitet. Es ist also eine schwierige Variante, aber wir sind auch viel besser vorbereitet als noch vor einem Jahr“, schloss sie.

(Wieder) auf der Suche nach Einheitlichkeit

Die Ausbreitung von Omicron veranlasst einige Länder auch dazu, von einem gemeinsamen Ansatz abzuweichen, wenn es um die Freizügigkeit innerhalb der EU geht.

So hat Italien beispielsweise obligatorischer PCR-Tests für geimpfte Reisende und der Quarantäne für nicht geimpfte Reisende eingefuhrt, was in Brüssel für Aufsehen sorgte. Die neuen Regeln, die die italienische Regierung am Dienstag (14. Dezember) ankündigte, setzen de facto die Anwendung des EU-Bescheinigungssystems aus.

Die Maßnahme sorgte für Spannungen mit der EU, da die Kommission erklärte, sie sei nicht innerhalb von 48 Stunden vor Inkrafttreten der Entscheidung informiert worden, wie es in der geltenden Verordnung heißt.

Das italienische Modell scheint sich in der gesamten EU durchzusetzen, da auch andere Länder wie Griechenland, Portugal und Österreich obligatorische Tests für geimpfte Reisende einführten.

Im Vorfeld des EU-Gipfels haben sich einige EU-Staats- und Regierungschefs, darunter der belgische Premierminister Alexander De Croo, gegen weitere Einschränkungen der Reisefreiheit innerhalb der EU ausgesprochen. Der luxemburgische Premierminister Xavier Bettel warnte sogar, dass es für die Bürger infolge der Reisebeschränkungen weniger attraktiv sein könnte, sich impfen zu lassen.

Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi verteidigte auf der Ratstagung die Entscheidung zur Einführung von Testanforderungen für Reisende, die sich nach Italien begeben. Er wies dabei auf der Tatsache, dass dies einen „Vorteil“ gegenüber der Omicron-Variante darstelle, die in Italien weniger verbreitet sei als in anderen Mitgliedstaaten.

Er fügte hinzu, dass die Koordinierung auf EU-Ebene vom Prinzip der größtmöglichen Vorsicht bestimmt sein müsse.

In einer Pressekonferenz nach dem Gipfel wies der französische Präsident Emmanuel Macron den italienischen Ansatz jedoch zurück.

„Wir haben nicht die Absicht, diese Tests noch einmal einzuführen, weil wir glauben, dass die Freizügigkeit etwas ist, das gut funktionieren muss, und es ist wichtig, dass sie für uns gut funktioniert“, sagte er.

Auch der neue deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz sagte, dass Deutschland hier „im Grunde genommen in die Fußstapfen Frankreichs tritt“.

Der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, sagte, dass die Mitgliedsstaaten zusätzliche restriktive Maßnahmen ergreifen könnten, wie es Italien getan habe, da dies in die nationale Zuständigkeit falle.

Zugleich fügte er hinzu, dass ein gemeinsamer Ansatz für die Mobilität innerhalb der EU sowie die Bereitschaft zur Koordinierung der Maßnahmen beibehalten werden müsse.

In einem in letzter Minute eingefügten Zusatz zu den Schlussfolgerungen des Rates zum Thema Gesundheit wird die Bedeutung eines koordinierten Ansatzes in Bezug auf die Gültigkeit des COVID-Impfstoffzertifikats betont.

„Diese Omicron-Variante ist eine neue Herausforderung für Europa und die Welt, und wir müssen diese Herausforderung gemeinsam angehen“, sagte er und forderte die Mitgliedstaaten auf, Entscheidungen auf der Grundlage objektiver wissenschaftlicher Daten zu treffen, die derzeit von den EU-Agenturen bewertet werden.

Um ein gemeinsames Vorgehen in Bezug auf Auffrischungsimpfungen beizubehalten, kündigte die Kommission an, einen delegierten Rechtsakt vorlegen zu wollen, der Auffrischungsimpfungen spätestens sechs Monate nach der vollständigen Impfung empfiehlt, wobei das COVID-Zertifikat noch drei Monate lang gültig bleibe.

[Silvia Ellena trug zur Berichterstattung bei]

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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