Frankreichs neue Gesundheitsministerin will Long COVID weiter bekämpfen

Long COVID ist nach wie vor schwer zu identifizieren und betrifft vermutlich 10 bis 30 Prozent der mit COVID-19 infizierten Personen. [fizkes/Shutterstock]

Frankreichs neue Gesundheitsministerin Brigitte Bourguignon will den von ihrem Vorgänger begonnenen Kampf gegen Long COVID fortsetzen. EURACTIV Frankreich berichtet.

Long COVID wird bei Patient:innen festgestellt, die mehr als drei Monate nach einem positiven Test immer noch Symptome der Krankheit zeigen, wie Erschöpfung, Kurzatmigkeit, Unwohlsein nach dem Sport und Schmerzen. Die Krankheit ist zwar schwer zu erkennen, man geht jedoch davon aus, dass 10 bis 30 Prozent der Corona-Patient:innen davon betroffen sind.

Bourguignon werde sich weiterhin mit dem Thema Long COVID befassen und dem von ihrem Vorgänger Olivier Véran aufgestellten Fahrplan folgen, erklärte das Gesundheitsministerium gegenüber EURACTIV.

Im März legte Véran die Prioritäten zur Bekämpfung der Krankheit fest, zu denen ein besseres Management und ein besseres Wissen über die Krankheit unter im Gesundheitswesen Tätigen und der Bevölkerung im Allgemeinen gehören.

„Wir erwarten von Bourguignon, dass sie den Weg von Véran fortsetzt und mit echter Anerkennung, echter Pflege und Forschung weitergeht“, sagte Céline Castera von der Patientenorganisation AprèsJ20 gegenüber EURACTIV.

Eine Herausforderung

Die Krankheit stellt eine große Herausforderung für Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen dar, so ein Bericht zu den Auswirkungen von COVID-19 am Arbeitsplatz, der von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz am 20. Mai veröffentlicht wurde.

Den meisten fällt es schwer, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, da sie sich körperlich und psychisch erschöpft fühlen. Die Patient:innen sprechen oft von „Gehirnnebel“, der es ihnen erschwere, konzentriert und aufmerksam zu bleiben.

Dem Bericht zufolge sollten Arbeitnehmer:innen nicht mehr als 70 Prozent dessen leisten, wozu sie sich in der Lage fühlen, denn „Müdigkeit kann einen Rückfall verursachen und die Genesung weiter verzögern.“

„Dies deutet darauf hin, dass eine spezifische Politik in den Unternehmen oder zumindest eine ausdrückliche Anerkennung von Long COVID in den bestehenden Regelungen zum Krankenstand erforderlich ist“, so die EU-Agentur weiter.

Die Agentur empfahl außerdem, den Krankenstand zu verlängern, da die Genesung „aufgrund von Erschöpfung oder anderen Symptomen sehr langsam verlaufen kann.“

Arbeitsunfähigkeit

Einige Corona-Patient:innen haben sogar berichtet, dass sie ihre Arbeit ganz aufgeben mussten.

Céline Castera, eine 41-jährige Krankenschwester, war im September letzten Jahres gezwungen, ihre Arbeit endgültig aufzugeben, nachdem sie zwei Monate lang im Rollstuhl gesessen hatte.

Castera hatte sich im März 2020 mit COVID-19 infiziert, doch als sie zur Arbeit zurückkehrte, litt sie unter starker Müdigkeit. Später wurde bestätigt, dass sie an einer langen Corona-Infektion erkrankt war, infolge derer sie ein Jahr lang nicht arbeiten konnte.

Im Mai 2021 nahm sie ihre Arbeit wieder auf, allerdings nur in Teilzeit. Als sie im September desselben Jahres aus dem Sommerurlaub zurückkehrte, fühlte sie sich erschöpft und war gezwungen, ihre Arbeit endgültig einzustellen.

Castera und die Mitglieder von Aprèsj20 fordern nun die Anerkennung von Long COVID als Krankheit.

Der Mangel an Daten und Anerkennung der Krankheit führt zu „Schwierigkeiten bei der Behandlung der Krankheit“, so Castera.

Ohne Anerkennung seien die Patient:innen auch in einer prekären Lage, da sie gezwungen seien, ihre Arbeit aufzugeben oder auf Teilzeitarbeit umzusteigen.

Dadurch hätten sie unter anderem keinen Zugang zu langfristigen Krankschreibungen, fügte sie hinzu.

„Auch die Aufklärung von Ärzt:innen ist notwendig. Wir brauchen auch Fortschritte in der Forschung“, fügte Castera hinzu.

Die französische Gesundheitsbehörde Santé Publique France erklärte gegenüber EURACTIV, dass Long COVID noch analysiert werde, ohne weitere Details zu nennen.

[Bearbeitet von Daniel Eck/Zoran Radosavljevic]

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