Frankreich startet landesweite Umfrage zu Auswirkung der Pandemie auf Kinder

In Frankreich und anderen europäischen Ländern haben Schulschließungen, fehlende soziale Kontakte und das Tragen von Masken die psychische Gesundheit von Kindern beeinträchtigt. [Prostock-studio/Shutterstock]

Zwei Jahre der Pandemie haben die psychische Gesundheit der Jüngsten auf die Probe gestellt. Allerdings gibt es bislang nicht genügend Daten, um eine angemessene Lösungsstrategie zu entwickeln, was Frankreich ändern will.

Santé Publique, das von den Ministerien für Gesundheit und Bildung unterstützt wird, hat am Montag, dem 2. Mai, eine nationale Umfrage zum Wohlbefinden von Kindern eingeleitet.

„Die Gesundheitskrise hat sich auf die psychische Gesundheit der jüngsten Kinder ausgewirkt und gezeigt, dass Maßnahmen zur Betreuung und Prävention auf Grundlage solider Daten erforderlich sind“, so Geneviève Chêne, Generaldirektorin von Santé Publique France.

Die Studie mit dem Namen „Enabee“ zielt darauf ab, eine Einschätzung der psychischen Gesundheit von Kindern in Frankreich zu erarbeiten, die von den Behörden zur Entwicklung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen genutzt werden kann.

Derzeit gibt es keine offiziellen Daten über die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft, und es sei „unerlässlich, solide Daten zu haben“, so Chêne.

In Frankreich und anderen europäischen Ländern haben Schulschließungen, fehlende soziale Kontakte und das Tragen von Masken die psychische Gesundheit von Kindern beeinträchtigt und zu Angstzuständen, Verhaltensstörungen, Lernschwierigkeiten und in extremen Fällen sogar zu Suizidgedanken geführt.

„In allen Beratungsstellen in Frankreich haben wir bei pädiatrischen Notfällen Hunderte von Kindern jeden alters in einem Zustand des Unwohlseins gesehen – mit negativen Gedanken, Selbstmordabsichten. So ernst war die Situation in Frankreich noch nie“, sagte Professor Christèle Gras-Le Guen, Mitglied des wissenschaftlichen Ausschusses der Studie, am Montagmorgen (2. Mai) auf France Info.

Es sei daher notwendig, das Ausmaß der Problematik abzuschätzen, „um einerseits eventuelle Beschwerden zu verstehen und ihnen so schnell wie möglich vorbeugen zu können. Andererseits müssen Maßnahmen zur Förderung positiver Verhaltensweisen vor dem Eintritt ins Jugend- und Erwachsenenalter ergriffen werden“, so Chêne weiter.

Die Umfrage soll zwischen Mai und Juni 2022 in durchgeführt werden, wobei fast 30 000 Kinder aus 600 zufällig ausgewählten Schulen, Vorschulen und Kindergarten, befragt werden sollen.

Kontaktbeschränkungen wohl Hauptursache für psychische Probleme in der Pandemie

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass soziale Distanzierungsregeln die Hauptursache für die Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit während der Corona-Pandemie  waren.

Psychische Gesundheit von Kindern auch in anderen Teilen Europas besorgniserregend

Das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen ist nicht nur in Frankreich ein wichtiges Anliegen. Im vergangenen März hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Zusammenarbeit mit dem griechischen Gesundheitsminister ein Programm zur Förderung einer hochwertigen psychischen Gesundheitsversorgung für Kinder in ganz Europa gestartet.

„Die Pandemie hat zwar alle Mitglieder der Gesellschaft getroffen, aber vor allem Kinder und Jugendliche, haben besonders darunter gelitten“, sagt Dr. Hans Kluge, Direktor der WHO Europa.

Die WHO weist auch darauf hin, dass die humanitäre Krise in der Ukraine zur Verschlechterung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beiträgt.

„Die Erfahrung von bewaffneten Konflikten, Krieg, Zwangsvertreibung oder Familientrennung kann negative und oft lang anhaltende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung haben, insbesondere bei gefährdeten Gruppen wie Kindern und Jugendlichen“, so die WHO.

In Zusammenarbeit mit dem griechischen Gesundheitsministerium sollte das WHO-Programm „konkrete Maßnahmen und Lösungen zur Verbesserung und Förderung der psychischen Gesundheit und der Qualität der ihnen zur Verfügung stehenden psychosozialen Dienste“ anbieten, so Hans Kluge.

Im Januar nahm das EURACTIV-Netzwerk die psychische Gesundheit der jüngeren Generationen in ganz Europa in den Blick. Während es auf nationaler Ebene beträchtliche Unterschiede gab, wurde überall eine Zunahme psychische Gesundheitsprobleme, Selbstmordgedanken und Suizide unter Jugendlichen festgestellt. Die Regierungen waren darauf völlig unzureichend vorbereitet und mit zu wenig Ressourcen ausgestattet

In Frankreich werden die ersten Ergebnisse der Umfrage Ende des Jahres erwartet.

Wahlkampf in Frankreich: Konsens über psychische Gesundheit

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[Bearbeitet von Alice Tayor]

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