Frankreich sagt Nein zu Lockdown, startet stattdessen eine Impfkampagne

Véran folgt damit den Empfehlungen der nationalen Gesundheitsbehörde des Landes (HAS), die am Donnerstag (25. November) den empfohlenen Zeitraum für die Auffrischungsimpfung von sechs auf fünf Monate verkürzt hat. [THOMAS COEX/EPA]

Frankreich wird keinen Lockdown oder Ausgangssperre verhängen und seine Impfkampagne beschleunigen, um den Anstieg der COVID-19-Fälle inmitten der vierten europäischen Welle zu bremsen. EURACTIV Frankreich berichtet.

Gesundheitsminister Olivier Véran gab dies am Donnerstag (25. November) auf einer Pressekonferenz bekannt. Mit der Kombination aus der hochansteckenden Delta-Variante und den kälteren Temperaturen hatte die Zahl der Neuinfektionen in Frankreich am Mittwoch 32.591 erreicht.

„Wir haben die Mittel, um die dramatischen Folgen der ersten Wellen zu verhindern“, sagte Véran.

Während einige europäische Länder wie Österreich beschränkende Maßnahmen ergreifen, entscheidet sich Frankreich dafür, „Freiheit und Verantwortung in Einklang zu bringen“, so Véran, der von Bildungsminister Jean-Michel Blanquer und dem Generaldirektor für Gesundheit Jérôme Salomon begleitet wurde.

Das bedeutet, dass es keinen Lockdown, Ausgangssperre oder vorzeitige Schließung von Geschäften geben wird, zumindest vorerst nicht.

Der Gesundheitsminister will jedoch die Durchimpfungsrate zu beschleunigen. Über 18-Jährigen sollen fortan fünf Monate nach der letzten Impfung eine Auffrischungsdosis bekommen können.

„Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind real, werden aber dank der Durchimpfungsrate erheblich reduziert“, sagte Salomon und fügte hinzu, dass die COVID-Zertifikate ab Januar nur gültig bleiben, wenn eine Auffrischung innerhalb des Fünfmonatszeitraums vorgenommen wird.

Véran folgt damit den Empfehlungen der nationalen Gesundheitsbehörde des Landes (HAS), die am Donnerstag (25. November) den empfohlenen Zeitraum für die Auffrischungsimpfung von sechs auf fünf Monate verkürzt hat.

„Die HAS ist der Ansicht, dass der besorgniserregende epidemische Kontext eine Beschleunigung der Impfkampagne durch eine Verkürzung des Zeitraums zwischen der Erstimpfung und der Auffrischungsdosis rechtfertigt“, schrieb die Gesundheitsbehörde in einer Pressemitteilung.

Der Gesundheitsminister wies auch darauf hin, dass die PCR- und Antigentests, mit denen auch Ungeimpfte die COVID-Ausweise nutzen können, ab kommenden Montag (29. November) nur noch 24 Stunden lang gültig sein werden.

Etwa sechs Millionen Menschen seien nach wie vor nicht geimpft, und die Zahl der ungeimpften Patient:innen auf den Intensivstationen liegt zehnmal höher als die der geimpften, fügte er hinzu.

Véran kündigte außerdem an, dass Anfang Dezember eine neue Behandlung gegen das Virus auf den Markt kommen wird. Das antivirale Medikament Molnupiravir, das von Merck & Co hergestellt und als „sehr hoffnungsvoll“ bezeichnet wird, wird den Risikopatient:innen und älteren Menschen vorbehalten sein. „Frankreich wird das erste europäische Land sein, das es seinen Bürger:innen zur Verfügung stellt“, fügte der Minister hinzu.

Gesundheitsmaßnahmen und Grundschulen 

Der französische Gesundheitsminister betonte auch die Bedeutung von Belüftungs- und Gesundheitsmaßnahmen, die „unschätzbare Instrumente“ seien, aber etwas vernachlässigt wurden. Wir müssen „uns zusammenreißen“, sagte er und fügte hinzu, dass „diese alltäglichen Einschränkungen der Schlüssel zu unserer Freiheit sind“.

Masken sind ab Freitag in allen öffentlichen Räumen vorgeschrieben, auch dort, wo ein COVID-Ausweis erforderlich ist, auch beim Zugang zu Weihnachtsmärkten.

Bildungsminister Jean-Michel Blanquer erklärte, dass Grundschulen ab nächster Woche nicht mehr automatisch geschlossen werden müssen, wenn ein:e Schüler:in positiv getestet wird. Ein einfacher negativer Test soll den Kindern die Rückkehr in den Unterricht ermöglichen.

Blanquer begrüßte auch Impfungen der 12- bis 17-Jährigen und erklärte, dass 75% von ihnen einen vollständigen Impfplan hätten.

Frankreich könnte in den kommenden Tagen die Impfung von Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren erwägen, nachdem die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) am Donnerstag (25. November) eine entsprechende Empfehlung verkündet hat.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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