EU-Arzneimittelagentur drängt auf Corona-Impfstoff gegen mehrere Virusvarianten

Multivalente Corona-Impfstoffe könnten gegen mehrere Varianten gleichzeitig schützen, da sie Antigene von verschiedenen COVID-19-Virusvarianten enthalten würden. [SHUTTERSTOCK/Felipe Caparros]

Marco Cavaleri, Leiter der Impfstoffstrategie der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA), hat Impfstoff-Entwickler dazu ermutigt, die Möglichkeit multivalenter Impfstoffe zu untersuchen, welche die COVID-19-Virusvarianten kreuzneutralisieren könnten. 

Bei der Pressekonferenz der EMA am Dienstag (18. Januar) sagte Cavaleri, es sei wichtig, „keine Optionen auszuschließen […], um ein Portfolio von Optionen zu haben, das später als Grundlage für Entscheidungen über die Markteinführung neuer Impfstoffe dienen kann“.

Multivalente COVID-19-Impfstoffe könnten gegen mehrere Varianten gleichzeitig schützen, da sie Antigene verschiedener betroffener COVID-19-Virusvarianten enthalten würden. Bivalente Impfstoffe würden ähnlich funktionieren, allerdings nur gegen zwei Virusvarianten.

Nach dem Ausbruch der Omicron-Variante hatten die Impfstoffentwickler ihre Bemühungen auf einen monovalenten Impfstoff ausgerichtet – einen Impfstoff, der nur gegen die aktuell bedenkliche Variante wirkt. Während dem Briefing bezeichnete Cavaleri dies als „die naheliegende Option“.

„Gleichzeitig wünschen wir uns mehr Überlegungen darüber, was zu diesem Zeitpunkt noch in Frage kommen könnte“, fügte er hinzu. „Die Unternehmen sollten die Möglichkeit der Entwicklung bivalenter oder multivalenter Impfstoffvarianten prüfen.“

Er erklärte, dass der nächste Schritt darin bestehe, „festzustellen, ob sie Vorteile gegenüber monovalenten Impfstoffen in Bezug auf die Fähigkeit zur Kreuzneutralisierung anderer bedenklicher Varianten bieten“.

Die Idee, mit Impfstoffen gegen verschiedene Virusvarianten zu experimentieren, wurde am Mittwoch (12. Januar) auch auf der Sitzung der Internationalen Koalition der Arzneimittelbehörden (ICMRA) angesprochen, der die EMA angehört.

Eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingesetzte Beratergruppe für Impfstoffe (TAG-CO-VAC) hat ebenfalls Interesse an der Entwicklung multivalenter Impfstoffe geäußert.

In einer Erklärung der WHO zu den Corona-Impfstoffen ermutigt die Gruppe „die Impfstoffentwickler, in kleinem Maßstab Daten über die Breite und das Ausmaß der Immunreaktion auf monovalente und multivalente Impfstoffe gegen VOCs [Flüchtige organische Verbindungen] zu sammeln – diese Daten würden dann in einem breiteren Entscheidungsrahmen berücksichtigt werden“.

Die Entwicklung eines multivalenten Impfstoffes könnte Arzneimittelbehörden möglicherweise eine Lösung für eine langfristige Strategie gegen das Coronavirus bieten, da wiederholte Auffrischungsimpfungen nicht auszureichen scheinen.

Neu angepasste Impfstoffe zur Bekämpfung der Omicron-Variante im Gespräch

Um die rasche Ausbreitung der Omicron-Variante von COVID-19 wirksam zu bekämpfen, sind nach Ansicht der EU-Kommission angepasste Impfstoffe und mehr Einigkeit zwischen den EU-Regierungen erforderlich.

Wiederholtes Boostern nicht effizient

Laut Cavaleri seien sich die ICMRA-Mitglieder einig, dass „die Verabreichung mehrerer Auffrischungsdosen in kurzen Abständen aus globaler Sicht langfristig nicht tragbar ist“.

Es sei „nicht nur aus operativer Sicht eine Herausforderung“, Impfkampagnen mehrmals im Jahr durchzuführen. Aufgrund fehlender Erfahrungen mit anderen Krankheiten sei es zudem schwierig, die „Auswirkungen insgesamt vorherzusagen“, sagte er.

„Die wiederholte Verabreichung von Auffrischungsimpfungen in sehr kurzen Abständen kann den Antikörperspiegel senken“, erklärte er. Dies könnte möglicherweise dazu führen, dass die Wirksamkeit der Impfungen im Laufe der Zeit nachlässt.

Sollte in Zukunft wiederholt Booster-Impfungen für alle oder bestimmte Gruppen wie immunsupprimierte oder ältere Menschen notwendig sein, könnte das Timing eine Rolle spielen. Es „könnte wünschenswert sein, die Impfungen mit dem Beginn der Erkältungssaison zu synchronisieren, ähnlich wie bei der Grippe, um die Antikörperreaktion genau dann zu verstärken, wenn sie am dringendsten benötigt wird“, sagte Cavaleri.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]

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