Corona-Reisebeschränkungen werden für ukrainische Flüchtlinge gelockert

Auf Wunsch des Ministeriums für Bildung und Kultur bereiten sich die finnischen Universitäten darauf vor, Studienplätze für ukrainische Flüchtlinge anzubieten. [EPA-EFE/RICCARDO ANTIMIANI]

Die EU-Länder heben für Millionen von Ukrainer:innen, die vor dem Krieg fliehen, die Corona-Reisebeschränkungen auf. Sowohl die EU-Agentur für Infektionskrankheiten (ECDC) als auch das europäische Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wiesen jedoch darauf hin, wie wichtig es sei, den Impfschutz der Flüchtlinge in den Aufnahmeländern sicherzustellen. 

Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar sind bis zum Dienstag (15. März) fast drei Millionen Menschen aus dem Land geflohen. Das Land mit seinen über 40 Millionen Einwohner:innen hat eine der niedrigsten Impfquoten in Europa – 35 Prozent (Stand: 23. Februar) – und liegt damit deutlich unter dem europäischen Durchschnitt.

Diejenigen, die evakuiert werden, müssen sich jedoch keine Gedanken über Impfungen, Tests oder die digitale Corona-Zertifikate der EU machen.

„Das Fehlen von Reisedokumenten oder medizinischen Dokumenten (Impfbescheinigung, Corona-Test) sollte kein Hindernis für die Einreise in die EU sein“, heißt es auf der entsprechenden Seite der Europäischen Kommission mit Informationen für Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen.

Folglich haben einige EU-Länder, die an die Ukraine grenzen (wie Polen, Rumänien und die Slowakei), beschlossen, die Corona-Einreisebeschränkungen zu lockern, wie auch im jüngsten Fachbericht des ECDC bestätigt wurde.

Ein Sprecher der Kommission erklärte gegenüber EURACTIV, dass gemäß den Schengen-Regeln Grenzschutzbeamt:innen Nicht-EU-Bürger:innen die Einreise in das Staatsgebiet eines Mitgliedstaates aus humanitären Gründen gestatten können, auch wenn sie nicht alle Einreisebedingungen erfüllen.

Das bedeutet, dass sie einreisen dürfen, auch wenn sie beispielsweise keinen gültigen Reisepass oder kein Visum bei sich haben. „Die Mitgliedstaaten könnten diese Ausnahmeregelung anwenden, um allen Personen, die vor dem Konflikt in der Ukraine fliehen, die Einreise zu ermöglichen“, erklärte die Sprecherin.

Insgesamt werden Personen, die internationalen Schutz benötigen oder aus anderen humanitären Gründen reisen, als „unverzichtbar Reisende“ betrachtet und sollten in die EU reisen dürfen, betonte der Sprecher.

Besorgnis über die Verbreitung von Infektionskrankheiten

Bis Montag hat die Ukraine seit Beginn der Corona-Pandemie 4.906.408 bestätigte Fälle mit 107.184 Todesfällen gemeldet, wie die WHO mitteilte.

Das Gedränge in den Bunkern und Auffanglagern könnte zu einem Anstieg der Corona-Infektionen sowie der Verbreitung anderer übertragbarer Krankheiten führen.

„Die Umgebungsbedingungen, unter denen sie reisen oder sich in den Auffanglagern aufhalten, können ihre Exposition gegenüber COVID erhöhen“, sagte John F. Ryan, stellvertretender Generaldirektor der Generaldirektion Gesundheit der Kommission, am 4. März in einem Webinar zum Informationsaustausch.

Die EU-Agentur für Infektionskrankheiten stellt ebenfalls Risikobewertungen zur Verfügung. In ihrem jüngsten Fachbericht vom 8. März wird hervorgehoben, dass der Schutz vor leicht übertragbaren Infektionskrankheiten, die möglicherweise mit schwerwiegenden Folgen verbunden sind, wie COVID-19, Masern und Poliomyelitis, vorrangig behandelt werden sollte.

„Die Sicherstellung der regelmäßigen Routineimpfungen ist ein wesentliches Element der gesundheitlichen Unterstützung für Vertriebene“, heißt es in dem Bericht. Darüber hinaus müsse auch die Impfbereitschaft der aus der Ukraine geflohenen Menschen geprüft und verbessert werden.

Impfstoffe bereitstellen

Die europäischen Staaten bieten Flüchtlingen aus der Ukraine Impfungen an, versicherte der WHO-Regionalberater für Europa, Siddhartha Datta, denn „der gleichberechtigte Zugang zu Impfstoffen ist ein Recht für alle, egal wo sie sich befinden“.

„Impfungen gegen Krankheiten wie COVID-19, Masern und Poliomyelitis sind besonders wichtig für die Bevölkerungsgruppen, die am stärksten von schweren Folgen bedroht sind“, sagte er.

Er fügte hinzu, dass es sich bei COVID-19 um ältere Erwachsene und Menschen mit Grunderkrankungen handele, und dass bei den Routineimpfungen kleine Kinder alle geplanten Impfdosen erhalten müssen.

Allen Flüchtlingen sollten Corona-Impfstoffe in Impfzentren angeboten werden, die sowohl in provisorischen Gemeinschaftsunterkünften als auch in den örtlichen Gemeinden eingerichtet werden sollten, betonte die WHO in einer Pressemitteilung.

Am Montag veröffentlichte die WHO einen Leitfaden zur Stärkung der Impfstoffnachfrage für COVID-19 bei Flüchtlingen und Migrant:innen. Darin wird betont, wie wichtig es sei, zu verstehen, warum die Impfquote niedrig ist.

Der Leitfaden stellt fest, dass es wichtig ist, den Zugang zu vertrauenswürdigen Informationen in Sprachen zu gewährleisten, die Flüchtlinge verstehen, um die Impfrate zu erhöhen.

„Die Motivation von Flüchtlingen und Migrant:innen, sich impfen zu lassen, kann durch Bedenken hinsichtlich der Sicherheit, der Inhaltsstoffe und der Nebenwirkungen von Impfstoffen beeinträchtigt werden. Diese Bedenken sind darauf zurückzuführen, dass es an Informationen in geeigneten Formaten oder Sprachen aus vertrauenswürdigen Quellen mangelt und dass Gerüchte und Fehlinformationen im Umlauf sind“, heißt es in dem Leitfaden.

Lieferung medizinischer Hilfsgüter an Ukraine wird immer dringender

Die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) hat dringend dazu aufgerufen, medizinischen Sauerstoff und andere lebenswichtige medizinische Hilfsgüter in die Ukraine zu liefern.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]

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