Dämpfer für AfD-Chefin Frauke Petry

AfD-Chefin Frauke Petry erklärte vor zwei Wochen, Mehrfachspitzen seien wenig vorteilhaft. [Foto: dpa]

In einer am Mittwoch bekannt gewordenen internen Online-Umfrage unter Parteimitgliedern sprachen sich 54 Prozent der Teilnehmer dafür aus, mit einem Team von mehreren Spitzenkandidaten bei der Bundestagwahl anzutreten.

Von rund 9000 Befragten stimmten 46 Prozent dafür, mit nur einem einzigen Spitzenkandidaten in den Bundestagswahlkampf im September zu ziehen. Offiziell wurde die Umfrage nicht bestätigt. Petry hat zwar bislang nicht öffentlich eine Solospitze für den Wahlkampf verlangt. Im Magazin „Focus“ erklärte sie aber vor zwei Wochen, Mehrfachspitzen seien wenig vorteilhaft. Petry, die als Gesicht der Partei gilt, wird nachgesagt, eine alleinige Spitzenkandidatur anzustreben.

Machtkämpfe bei der AfD: Poggenburg schießt gegen Petry

In der AfD reißen die Machtkämpfe nicht ab. Erneut hat die Bundesvorsitzende Frauke Petry in einen Konflikt eines AfD-Landesverbandes interveniert.

In Parteikreisen hieß es, das Votum stelle zwar keine Entscheidung dar, habe aber einen empfehlenden Charakter für den im April geplanten Parteitag in Köln. In der Befragung habe sich eine große Mehrheit dafür ausgesprochen, das Wahlkampfteam durch eine Mitgliederbefragung bestätigen zu lassen, hieß es weiter. Zunächst solle die für die Online-Befragung zuständige Kommission dem Bundesvorstand die Ergebnisse vorstellen. Dann werde entschieden, wie damit umgegangen werden solle.

Im Bundesvorstand gilt Petry als isoliert. Zu ihren Gegnern in dem Gremium zählen unter anderem der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen und die Landeschefs in Brandenburg und Sachsen-Anhalt, Alexander Gauland und Andre Poggenburg. Gauland hat sich wie andere führende Parteimitglieder für ein Spitzenteam bei der Bundestagswahl im September ausgesprochen.

Entscheidung auf dem Kölner Parteitag

Zu den Gegnern Petry zählt auch der wegen völkisch-nationaler Äußerungen kritisierte Thüringer AfD-Chef Björn Höcke. Petry und ihre Unterstützer waren zuletzt mit dem Vorhaben gescheitert, Höcke aus der Partei auszuschließen. Die Konflikte in der Partei entzünden sich kaum an inhaltlichen Positionen, sondern an Fragen der Machtverteilung.

Nach Ansicht des Chefs des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, spielt die Wahlkampf-Spitze für die Wahlchancen keine Rolle. Bei der AfD sei es eigentlich egal, ob sie mit einem oder 20 Kandidaten antrete, sagte er Reuters. „Das ist ja eine Art Wertegemeinschaft.“ Das Verbindende sei im Wesentlichen ein rechtsradikales Weltbild, einzelne Personen spielten dabei eine untergeordnete Rolle.

Gefährlich werden könnten der Partei mittelfristig die Machtkämpfe, die nicht nur in der Bundesspitze, sondern auch in den Landesverbänden ausgefochten werden, sagte Güllner weiter. Das habe man bei früheren rechtsradikalen Bewegungen wie der NPD, den Republikanern oder der DVU gesehen. Dort seien nach innerparteilichen Streitereien Zerfallserscheinungen eingetreten. Auch die AfD könne durch den Dauerkrach möglicherweise sehr schnell zerrieben werden.

AfD-Spitze beschließt Parteiordnungsverfahren gegen Höcke

Der AfD-Bundesvorstand hat ein Parteiordnungsverfahren gegen den umstrittenen thüringischen Landeschef Björn Höcke beschlossen. Einen Rauswurf gibt es damit vorerst nicht.

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