100-Prozent-Mann Schulz macht die Union nervös

Martin Schulz als neuer SPD-Parteichef gewählt.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.

CDU und CSU würden gerne auf die gute Stimmung bei den Sozialdemokraten reagieren. Aber noch wägen sie ab und schauen auf die Wahl im Saarland. Warnungen kommen aus Bayern. EURACTIVs Medienparter Der Tagesspiegel berichtet.

Wenn nicht einmal mehr Michael Spreng einen guten Rat hat, dann kann man sich das Achselzucken in der CDU-Zentrale nach diesem Sonntag vorstellen. Zur Erinnerung: Spreng, einst Wahlkampfmanager der Union und bis heute einer ihrer profiliertesten Kritiker, hatte der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel Mitte Februar zu einem freundlicheren Gesicht im Wahlkampf geraten.

Wenn sie weiter wie „MM“, „Müde Merkel“, aussehe, werde der Unterschied zu dem kampfeslustig auftretenden Martin Schulz immer deutlicher, schrieb Spreng. Nun hat die SPD an diesem Sonntag ihren neuen Vorsitzenden mit nicht weniger als 100 Prozent Zustimmung gewählt. Und Spreng bleibt ernüchtert festzustellen: „Zum ersten Mal seit 2002 hat wieder ein SPD-Kandidat die Chance, ins Kanzleramt einzuziehen.“

Neuer SPD-Vorsitzender Schulz und die Erfolgsformel Schröders

Nicht alles anders, aber vieles besser, lautet das Versprechen des neuen SPD-Vorsitzenden Martin Schulz.

Was soll man unternehmen gegen diesen „100-Prozent-Mann“, den schier gar nichts aufzuhalten scheint auf seinem Weg ins Kanzleramt? CDU-Generalsekretär Peter Tauber beklagte am Tag nach dem Sonderparteitag, was er zuvor schon mehrfach festgestellt hatte: Der SPD-Kanzlerkandidat bleibe inhaltlich im Ungefähren. Noch immer stelle man fest, sagte Tauber: „100 Prozent unkonkret“.

Die einzige Angriffsfläche, die der frisch gekürte SPD-Vorsitzende der Union bot, war die Ankündigung seines Fernbleibens vom Koalitionstreffen in der kommenden Woche – wegen eines Empfangs der SPD-Bundestagsfraktion. CDU-Mann Tauber und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer stellten das als Beleg für Schulz’ Unwillen zu verantwortungsvollem Regierungshandeln heraus. „Herr Schulz macht sich einen schlanken Fuß“, sagte Scheuer der „Bild“-Zeitung. „Im Koalitionsausschuss hätte Schulz die Chance auf ganz konkrete politische Arbeit, aber ihm ist die SPD-Party wichtiger.“ Der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand der Bundestagsfraktion, Christian von Stetten (CDU), schlug sogar vor, das Koalitionstreffen für Schulz zu verschieben.

„Gewinnen nicht im Stil einer Bilanzpressekonferenz“

Aus Bayern sind erste Warnungen zu hören. Die Union müsse nun an ihrer Form arbeiten, meint der CSU-Chef. „Auch wir in der CSU“, sagte Horst Seehofer der „Süddeutschen Zeitung“. An diesem Mittwoch soll es dem Blatt zufolge ein Treffen der Unionsspitze mit Seehofer und Merkel geben – zu Terminabsprachen, gemeinsamen Inhalten und offenen Gesetzesvorhaben. „Nach den Landtagswahlen werden wir dann durchstarten.“

Bayerns Finanzminister Markus Söder dringt aber auf mehr Tempo. „Es ist jetzt an der Zeit, der SPD etwas entgegenzusetzen“, sagte er im „Handelsblatt“. „Die Union muss kämpfen.“ Darauf zu hoffen, dass der Schulz-Effekt ein Strohfeuer sei, werde nicht ausreichen. „Wir werden diesen Wahlkampf nicht im Stil einer Bilanzpressekonferenz gewinnen, es braucht auch Emotionen.“

Merkel und Schulz gleichauf

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in der Wählergunst laut dem ZDF-Politbarometer gegenüber ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz wieder aufgeholt und liegt mit ihm gleichauf.

Parteibasis wartet auf klare Botschaften der CDU-Spitze

Ansonsten herrscht Schweigen in der Union. Nach außen zumindest. Nervös blicken die Unionspolitiker jetzt erst einmal auf den kommenden Sonntag. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen sagen die Demoskopen den Wahlkämpfern von CDU und SPD im Saarland voraus.

Jede kritische Äußerung zum eigenen Erscheinungsbild, so heißt es in der Union, könnte als Zerstrittenheit ausgelegt werden – und die CDU die entscheidenden Stimmen kosten, die Annegret Kramp-Karrenbauer braucht, um Regierungschefin an der Saar bleiben zu können. AKK, wie sie von ihren Unterstützern genannt wird, hatte sich schon früh eine Einmischung der Bundespartei in ihren Wahlkampf verbeten; sie setzt vor allem auf ihre guten Umfragewerte als Landespolitikerin.

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