Italienische Ministerin zeigt sich offen für „nachhaltige Gentechnik“

Neue Pflanzenzuchttechniken? Find' ich gut. Im Bild: Italiens Landwirtschaftsministerin Teresa Bellanova. [DI MEO/EPA-EFE]

Italiens Landwirtschaftsministerin Teresa Bellanova hat sich offen für die Entwicklung „nachhaltiger Biotechnologie“ gezeigt. Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sollten hingegen verboten bleiben. Ein Text von EURACTIVs Partner Ansa.

„Genetisch veränderte Organismen (GVO) sind eine Sache der Vergangenheit und ihr Anbau ist und bleibt in Italien verboten,“ machte Italiens Agrarministerin Teresa Bellanova gegenüber Ansa deutlich.

Sie fügte allerdings hinzu, dass Italien viel mehr daran interessiert sei, sich auf nachhaltige Biotechnologien wie Cis-Genese und Geneditierung zu konzentrieren.

Derweil will Coldiretti – eine führende Organisation von Landwirten, die mehr als eineinhalb Millionen Mitglieder in Italien vertritt – ein Kooperationsabkommen mit der italienischen Gesellschaft für Agrargenetik (SIGA) unterzeichnen und damit ein „völlig neues Feld“ für die Anwendung der Biotechnologie in der italienischen Landwirtschaft erschließen.

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Laut Coldiretti-Präsident Ettore Prandini handelt es sich bei den angedachten Techniken um Methoden, die keine „pflanzenfremde“ DNA verwenden und deshalb die biologische Vielfalt der italienischen Landwirtschaft schützen können sowie gleichzeitig nachhaltiger sind, indem sie resistentere Sorten schaffen, die weniger Pestizideinsatz erfordern.

Was Weinreben betrifft, so sei Italien beispielsweise das Land mit dem „größten Erbe an genetischer Vielfalt“, erklärt Mario Pezzotti, Mitglied von Siga sowie Professor für Pflanzengenetik in Verona.

„Die Erhaltung und Nutzung dieser Biodiversität ist von wesentlicher Bedeutung, genauso wie auch die genetischen Eigenschaften der traditionellen Rebsorten, um dem Angriff von Krankheitserregern und der Veränderung der klimatischen Bedingungen entgegenzuwirken,“ erläutert er.

Darüber hinaus würden Cisgenese und Geneditierung die notwendigen Möglichkeit bieten, dies zu tun, ohne die Identität und das önologische Profil zu verändern.

Der Einsatz dieser „Biotechnologie der nächsten Generation“ zum Schutz typischer Sorten sei eine Herausforderung, der man sich gemeinsam mit denjenigen stellen müsse, die in Italien forschen, damit die Ergebnisse nicht in die Hände einiger weniger multinationaler Unternehmen gelangen, fordert derweil Ettore Prandini von Coldiretti.

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Aus Sicht von Landwirtschaftsministerin Bellanova muss die Forschung in diesem Bereich vor allem öffentlich zugänglich sein: „Crea – unsere italienische Einrichtung für dieses Thema – muss die Forschung im Dialog mit der Landwirtschaft durchführen, damit die Forschung für die Entwicklung der Unternehmen nützlich sein kann.“

Allerdings müssen noch einige – durchaus schwerwiegende – regulatorische Aspekte geklärt werden: Im Jahr 2018 entschied der EU-Gerichtshof, dass Pflanzen, die mit derartigen neuen Methoden der Gentechnik produziert werden, grundsätzlich unter die bisherige GVO-Richtlinie fallen.

Bellanova ist dennoch überzeugt von den neuen Möglichkeiten: „Diese innovativen Techniken machen in kürzerer Zeit das, was die natürliche Kreuzung in mehreren Schritten und langsamer machen würde.“

Für sie sei klar, dass die EU endlich zwischen „klassischen“ GVO und derartigen neuen Techniken unterscheiden müsse – denn das Endergebnis sei vollkommen anders.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna und Zoran Radosavljevic]

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